„Didaktik des Bösen“

RAF, deutscher Herbst und die dazugehörige Gegenseite waren gerade mal wieder „in“. Die gegenseitige, teilweise fast symbiontisch und ödipale, Beeinflussung der Kriegsparteien BRD/RAF bleibt dabei wie üblich auf der Strecke. Das komplementäre Verhältnis beider Seiten hat Horst Herold, Chef des BKA, in seinem off the record gesprochenen Satz über Andreas Baader in genialer Kürze so ausgedrückt: „Ich habe ihn geliebt.“ Von Baader wiederum sind die Worte des Respekts gegenüber Herold überliefert.

Ansonsten stehe ich einer Hanns Martin Schleyer – Halle oder Stiftung genauso kritisch gegenüber wie einer Christian Klar – Halle oder Stiftung. Weder SS – Mann noch intellektuell verbrämter RAF-Terrorist haben diese Ehre verdient. Wenn an jemanden erinnert oder jemand geehrt werden müßte, dann sind es die Opfer beider Seiten. Illegal abgehörte, drangsalierte und mit Berufsverbot belegte Aktivisten, sowie Fahrer und Personenschützer. Offene parteilose Diskussionen darüber finden wir wenn überhaupt allerdings erst in den Geschichtsbüchern des 23.Jhd. Die Didaktik des Bösen gebietet es nämlich nur eine Seite der Medaille zu betrachten und daß ist für jeden die Seite, die man sehen will.

Der Focus schrieb vor kurzem in einem Artikel, daß die RAF sich in ihrer „Avantgarde“-Position ermächtigt sah, die Biografie eines einzelnen Menschen in eine Art Anklage einzubauen – und davon ausgehend einen Schuldspruch abzuleiten und ein Todesurteil zu vollstrecken und daß sich, wer nur einen Augenblick die Menschenverachtung und die Dummheit dieser Logik beiseite ließe, in diesen Sätzen das Menschenbild der RAF offenbare. Wie das Menschenbild eines Mannes aussieht, der schon 1933 der SS beitrat und eine schlagenden Verbindung 1935 verließ, weil diese zu wenig „nationalsozialistische Gesinnung“ gezeigt habe, darüber kann ich nur spekulieren.

Übrig bleibt wie immer Factum infectum fieri non potest*…

 *Geschehenes kann nicht ungeschehen gemacht werden

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