„Hab nix!“

Es wurde in den letzten Wochen eigentlich genug über Steuerhinterziehung geschrieben, um damit vier Filme, 20 Serien und zwei Bücher zu füllen. Nicht mit eingerechnet ein halbes Dutzend Verschwörungstheorien, wer wen verraten hat, wer wen auf europäischer Ebene zu etwas zwingen will und dazu noch ein paar Geheimdienst-Hors d’oeuvre. Als vorläufige Faktensammlung reicht der Wikipedia-Artikel aus.

Was mich persönlich beschäftigt hat, war die Aussage einer Beraterfirma samt zufällig vorhandenem Gutachten, dass die Steuerhinterziehung einiger hundert Multimillionäre vergleichsweise harmlos ist und allgemeine Schwarzarbeit und Breitensteuerhinterziehung wesentlich schädigender für den Staat ist. Stimmt, mehrere Millionenfacher 5€-Betrug summiert sich zwangsläufig auf mehr, als was man bisher bei den Großverdienern herausgefunden hat. Problematisch dabei ist folgendes:

Karl Meier betrügt das Finanzamt um insgesamt 50€, weil er am Hungertuch nagt. Peter Heinzle hingegen verdient, nach Abzug aller korrekt bezahlter Steuern, immer noch zwei Millionen Euro im Jahr, aber nur weil er sich und seinen Buddies gerade die Vorstandsbezüge um 37% nach oben gesetzt hat, seinen Angestellten aber erzählt, dass der Brunnen leer ist und man sich für die nächsten 20 Jahre den Gürtel enger schnallen müsse. Peter Heinzle sollte lieber froh sein, dass Karl Meier sich keine große Axt besorgt und ihn in Stückchen haut. Wenn man sich allerdings die weiter aufgehende Gehaltsschere anschaut, wird es noch ein interessantes sozialwissenschaftliches Experiment. Wie viel weniger für viele und wie viel mehr für wenige verträgt eine Gesellschaft bis sie zusammenbricht und wie viel von zu viel und zu wenig braucht man, bis der Mob Amok durchs Bankenviertel rennt? Vielleicht erleben wir alle das noch live mit.

„Mögest Du in interessanten Zeiten leben“ – chinesischer Fluch

Für alle Leser, die grade zwar andächtig mit dem Kopf nicken, ob der weisen Worte meiner einer, ansonsten aber in schriller Angst vor DVDs aus Monaco, den Kanalinseln, Cayman Islands, Schweiz, Vanuatu, oder ähnlichen Ländern leben, gibt es zum Glück den ultimativen Ablassbrief.

Meine Finanzdaten gibt es nicht auf DVD, dafür wurde gesorgt und Ex-Mitarbeiter haben keinen Anreiz für Verrat, die Bank begräbt alle Probleme ehemaliger Mitarbeiter in den Fundamenten neuer Filialen, für alle anderen…

steuerhinterziehungsformular.pdf

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu „Hab nix!“

  1. Farmer Boy schreibt:

    Irgnedwie bin ich in Versuchung…..^^

  2. Agent Pöhlemann schreibt:

    Agent Pöhlemann says:
    Steuertourismus ist verabscheungswürdig und entschiedenst zu verurteilen!

    Das ultimative Mittel dagegen ist die Einführung des totalitären Einzel-Imperiums im ganzen Menschheitsraum.

    Nur ein Staat = Keine Hinterziehungsmöglichkeit via fremde Länder
    Totalitär = Endlich wieder Rückendeckung, schicke schwarze Mäntel und offenes Agieren für den Geheimdienst = bessere Lebensqualität!

  3. sirdoomsbadcompany schreibt:

    Agent Pöhlemann, ich stimme ihnen inoffiziell ja zu, aber ihre Aussage in dieser Art zu formulieren und über dieses Podium, spricht nicht so wirklich für ihre Geheimniskrämerischen Fähigkeiten!*g*

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s