„Informationspolitik“

Die Bürger der Bundesrepublik regen sich über viel zu viele Dinge auf und haben auch kein besonderes Vertrauen in ihre Leistungselite. Deswegen ist es nur verständlich, wenn eben diese Elite es am liebsten sehen würde, wenn der Bürger es gar nicht mehr mitbekommen würde, wenn mal wieder ein, nun ja, ganz blöder Fehler im Einzelfall geschieht, wobei sich Fehler darauf bezieht, dass es publik wird.

Angeblich ist Atomstrom sehr preiswert, was auch stimmt, wenn man die Kosten für Endlagerung, eventuelle Katastrophen, gesundheitliche Folgeschäden, usw herausrechnet. Und gerade in Zeiten der Renaissance der Atomkraft kam der Zwischenfall in Asse sehr ungelegen. Die Atomlobby in Deutschland fand diese Geschichte auch äußert unpraktisch und bekommt nun für das Versagen der Behörden, also dem Auffliegen der Geschichte, eine angemessene Reparationszahlung. Obwohl ein Großteil der in Asse gelagerten radioaktiven Stoffe aus der Atomindustrie kommt, wird der Steuerzahler für Inkompetenz und Fahrlässigkeit von Betreiber und Angestellten der Energiekonzerne aufkommen müssen. Böse Berliner Zeitung!

Bei der Bankenkrise, bzw. der weltweiten Wirtschaftskrise, ist auch sehr viel Psychologie im Spiel. Weiß der Bürger zu viel, geht es noch weiter bergab. Nur wenn man den Bürger über die gesamten Folgen und die Straffreiheit der Verantwortlichen im Unklaren lässt, kann man die Krise halbwegs unter den Teppich kehren und die Auswirkungen gezielt vertuschen. Ein Beispiel: Experten arbeiten schon daran, die Berechnung der Quote der Kinderarmut „neu zu berechnen„, um den zu erwartenden Anstieg auszugleichen. Kritische Nachfragen werden mit der Antwort „Kinderarmut ist relativ, was bei uns als arm gilt, gilt im Kongo als reich“ abgeschmettert.

Aber zurück zur Bankenkrise: Hier liegt noch so viel Sprengstoff in der Landschaft, dass die Verantwortlichen einen ganz dummen Fehler von 2005 bereinigen müssen. Auch wenn das Informationsfreiheitsgesetz eh schon so manche inhärente Nebelbombe an Bord hat, könnte es in einigen Fällen trotzdem seinen Zweck erfüllen, ein unhaltbarer Zustand.

Deswegen soll dieses Gesetz jetzt geändert werden. Wie sollen die BaFin und die Landesbanken ansonsten auch weiterhin vertuschen können, dass der Schlund der Hölle sperrangelweit offen steht? Ist irgendwie schon verständlich, oder?

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu „Informationspolitik“

  1. K4M schreibt:

    Jedes Mal, wenn ich zum Thema Armut den unendlich dämlichen „In Afrika wäre man damit reich!“-Spruch höre, möchte ich am Liebsten das Wort „Kaufkraft“ in einen Baseballschläger schnitzen und es den Leuten, die oben genannten Spruch bringen, auf diese Weise im wörtlichen Sinne in den Schädel hämmern.

  2. sirdoom schreibt:

    Ich unterstütze diese Idee begeistert :), allerdings habe ich den Verdacht, die erwähnten Leute^^ würden es selbst dann nicht kapieren…

  3. Pingback: “Lost in Korruption” « sirdoom’s bad company Weblog

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