„Big Business Piracy“

Böse Raubkopierer sind schuld am Untergang der Musik- und Filmindustrie!

Eine doch etwas gewagte Aussage, zumindest wenn man mal hinter die Kulissen schaut. Schon im Ansatz ist die Begrifflichkeit „Raubkopie“ problematisch und die „Verlustrechnungen“ der Industrie oft mehr als zweifelhaft. Aber benutzen wir trotzdem die Quellen der Musik- und Filmindustrie, genauer gesagt die von der amerikanischen Denkfabrik RAND Corporation im Auftrag der MPAA durchgeführte, brandaktuelle Studie über Warenpiraterie[kostenloser Download bei RAND.org].

Interessanterweise wird hierbei von einem ca 33,3%igen Anteil privater Schwarzkopien ausgegangen, bei denen kein Umsatz oder Eigengewinn generiert wird und bei dem man nicht sagen kann, ob die Beteiligten jemals die Ware gekauft hätten, wenn es keine P2P-Netzwerke gäbe. Werbeeffekte durch virale Guerilla-Werbung werden dabei ebenfalls nicht eingerechnet. Die anderen 66,66% sind hingegen eindeutig zuzuordnen. Organisiertes Verbrechen, welches damit Millardenumsätze einfährt. Seit dem Mauerfall hat das organisierte Verbrechen nämlich nicht nur von der Auflösung der Sowjetunion, dem Chaos der postideologischen Kriege, der wirtschaftlichen Liberalisierung Chinas und der Globalisierung profitiert. Die Gangster haben nicht nur von den globalisierten Konzernen gelernt und ihre Tätigkeitsfelder diversifiziert, es sind auch die Grenzen zwischen Politik, Terrorismus und Verbrechen porös geworden.

Bei allen drei Aspekten spielen Schwarzkopien eine Rolle. Denn Schwarzkopien sind eine hervorragende Geldquelle mit geringem Risiko. Die Profitmarge liegt um die 1 000 Prozent. Selbst kleine Organisation konnten so achtstellige Gewinne machen, was wesentlich einträglicher als der Drogenhandel ist. Diese Gewinne werden meist zur Anschubfinanzierung von Menschenhandel, Zwangsprostitution und auch Wirtschaftsverbrechen genutzt. Nicht ganz so gewinnorientierte „Organisationen“ finanzieren damit Waffen, Sprengstoff und andere Ausrüstung. Wie viel Prozent des Gewinns eines durchschnittlichen pakistanischen Schwarzmarktes für Medien, „Niiikee“, „Addiddas“ und „Hellfinger“ Klamotten wandern zur Al Quaida? Anscheinend recht viele.

Deswegen erwähnt die Studie der RAND Corporation den durchschnittlichen Bit Torrent/Pirate Bay User am Ende ihrer Studie auch nicht mehr, denn dieser verursacht keine Kollateralschäden wie Menschenhandel, Waffenschmuggel, Terrorismus…

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2 Antworten zu „Big Business Piracy“

  1. Tobias schreibt:

    Und dann sollen die bösen Internet-Nutzer auch noch schuld sein, dass die Popkomm abgesagt wird.

    Selten eine so offenkundig von Eigeninteressen gelenkte Diskussion gesehen…

  2. sirdoom schreibt:

    Am 19. Juni 2009 wurde die Messe überraschend abgesagt. Dieter Gorny, Gründer der PopKomm, nannte als Grund für die Absage den anhaltenden Diebstahl geistigen Eigentums im Internet sowie die damit verbundenen Umsatzausfälle der Branchenteilnehmer. Dieser Ansicht wurde vom ehemaligen Deutschlandchef von Universal Music Tim Renner umgehend entschieden widersprochen. Das Konzept der Messe sei überholt, erläuterte Renner im Deutschlandfunk noch am selben Tag. Die Messe funktioniere nicht mehr, weil sie als „Selbstdarstellungsfeier“ einer Branche diene, die „in der Tat wenig zu feiern hat, weil sie ihr Geschäftsmodell nicht mehr im Griff hat“ und verwies dabei auf die Versäumnisse, das Internet als zukünftigen Vertriebskanal zu erkennen.

    Von vielen wurde Gornys Messeabsage als Hilferuf der Branche an die Bundesregierung interpretiert, ähnliche Gesetze wie in Frankreich zu schaffen, in denen Internetnutzer ohne richterlichen Vorbehalt und Verfahren den Internetanschluss bei wiederholten Urheberrechtsverstössen für bis zu zwei Monate verboten bekommen könne (Hadopi). Der Hamburger Journalist Rainer Jogschies, einst Renner-Kollege beim NDR und dem Magazin tango, kritisierte als Namensgeber der PopKomm und Mitverantwortlicher der Konzeption in einem Brief an Gorny die Absage – es sei bei der Einrichtung der Messe 1979 um die Kommunikation der independents mit der Branche gegangen – damals habe man auch „kein Geld“ gehabt und auch deshalb die Messe initiiert.Sie nun aus Geldmangel abzusagen, sei absurd und schade.

    Gerade Gorny rotzt auch immer einen Müll in die Landschaft, da fragt man sich wo der den Job gewonnen hat. Wahrscheinlich bei der Jobtombola für Lobotomie-Opfer…

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