„Medialer Brechreiz“

Nach dem grandiosen 4:0 Sieg der U21 gegen die bemühten Engländer, habe ich leider einmal quer durchs Programm gezappt, als mich Ulrich Meyer plötzlich schmierig angrinste, aber da war es zu spät. Gefangen im Bann von Halbwahrheiten, Lügen und Sensationsgeilheit – „Akte Schicksal“ heißt der Schrott.

Auszug des „Klappentextes

Bedroht, beleidigt, bloßgestellt: Soziale Netzwerke im Internet (29.06.2009 23:20)

Bloßgestellt im Internet: Die 13jährige Desiree ist allein zuhause. Aus Langeweile wühlt sie im Schlafzimmer ihrer Eltern und findet die Reizwäsche ihrer Mutter, zieht sie an und macht von sich freizügige Fotos. Ein Mitschüler bekommt ohne Desirees Wissen die Speicherkarte der Kamera in die Hände und kopiert die Fotos auf sein Laptop. Wenig später sind die intimen Bilder auch auf einer Internet-Plattform zu sehen – die junge Realschülerin ist weltweit bloßgestellt. Und wird in ihrer Schule verspottet.

Was macht ein anständiger Reporter nun als erstes? Er zeigt die – teils verpixelten – Photos der minderjährigen in die Fernsehkamera und dass möglichst mehrfach. Dann türkt man eine Szene mit johlenden Mitschülern, die irgendwas auf ihren Handys in die Kamera halten(bis auf das Logo des Herstellers komplett verpixelt). Dann zeigt man wieder die Photos von des Mädchens und leitet das 4te mal – die Sendung wurde für Demenzkranke designed, so häufig wie man sich wiederholt – folgendes Mantra ein

Soziale Netzwerke im Internet: eine Welt voller Drohungen, voller Obszönitäten, voller Beleidigungen. Eine Welt, der vor allem die Zielgruppe, Schüler und Jugendliche, oft genug hilflos gegenübersteht.

Danach habe ich eine Kerze im örtlichen Franz von Sales – Tempel angezündet und ein paar mal das Presserecht vor der Statue von Johannes Gutenberg aufgesagt. Mir ist aber immer noch übel…

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3 Antworten zu „Medialer Brechreiz“

  1. Kathe schreibt:

    Zugegebener Maßen ist es unschön, wenn irgendwelche Halbwüchsigen ungefragt Privatbilder von Mitschülern ins Netz stellen (speziell peinliche), aber betreffendes Mädchen muß sich ja wohl auch ziemlich dämlich angestellt haben und ausgesprochen frühreif sein (wie käme sie sonst auf eine so bekloppte Idee). – In einem Pseudo-Betroffenheitsreportage die Bilder dann allerdings im Fernsehen zu zeigen, und gleichzeitig das Internet und die sog. „Sozialen Netzwerke“ dort per se zu verteufeln ist allerdings schon ein Gipfel an Ignoranz und Geschmacklosigkeit (und nebenbei ja wohl auch ein Fall für eine Privatklage der Eltern des Mädchens gegen die Macher betreffender Sendung).

    Generell habe ich eh den Eindruck, die Medienleute würden glauben, extremes Mobbing unter Kindern/Schülern/Jugendlichen (speziell gewalttätige Demütigungen und Misshandlungen bis an die Grenze der Folter) wären ein neues Phänomen, das erst Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts aufgetaucht wäre. – Ich kann aber aus leidvoller Erfahrung, sowohl im Grundschulalter als auch in der Realschule, bestätigen, daß es sowas auch vor 20 Jahren schon gab.

  2. sirdoom schreibt:

    Mobbing gab es schon immer, die Möglichkeiten sind natürlich im Internet – neue Welten, neue Möglichkeiten – noch größer geworden. Daraus allerdings abzuleiten, dass „DAS Internet“ schuld ist, bzw. die Wuelle allen übels ist natürlich kompletter Schwachsinn und lässt sich nur erklären, wenn man uninformierte Dummbatzen und alte Leute verängstigen will und gleichzeitig noch angeilen will mit den dazugehörigen schlüpfrigen Bildern und Stories.

    Aus eigener leidlicher Erfahrung bekämpft man Mobbing durch genau 2 Methoden. Eiskalte Bösartigkeit, immer eine verbale Eskalationsstufe über den Mobbern und mit brutaler Gewalt. Ist unpädagogisch, nicht sozial, usw, aber funktioniert. Eine Lösung des allgemeinen Problems ist es natürlich nicht und auch diese Reaktion hinterlässt ihre Spuren…

  3. Knut schreibt:

    Gehen wir das mal durch:
    „Bloßgestellt durch Polaroid: Die 13jährige Desiree ist allein zuhause. Aus Langeweile wühlt sie im Schlafzimmer ihrer Eltern und findet die Reizwäsche ihrer Mutter, zieht sie an und macht von sich freizügige Fotos. Ein Mitschüler bekommt ohne Desirees Wissen die Polaroidfotos in die Hände und kopiert die Fotos auf seinem Fotokopierer. Wenig später sind die intimen Bilder in der Schule ausgehängt – die junge Realschülerin ist in ihrem Wohnort bloßgestellt. Und wird in ihrer Schule verspottet.“

    „Soziale Netzwerke in der Schule: eine Welt voller Drohungen, voller Obszönitäten, voller Beleidigungen. Eine Welt, der vor allem die Zielgruppe, Schüler und Jugendliche, oft genug hilflos gegenübersteht.“

    Man kann jetzt sagen „Ja, aber Internet ist weltweit“, aber mal ehrlich, es kann der Ische dann doch eher egal sein, ob irgendwer in Botswana sie im Schlüppi ihrer Mutter sieht.

    Die gute Nachricht dabei: Die Produktion von Polaroidfilmen ist vor kurzem eingestellt worden. Eine Gefahrenquelle weniger für unsere Jugend.

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