„Spiegelfechterei“

2000 zusätzliche „Cybercopsfordert der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt, denn das Internet sei der „größte Tatort der Welt“. Deshalb dürfe das weltweite Netz nicht sich selbst überlassen werden.

Die ZDF HEUTE Nachrichten setzen noch einen drauf in ihrer Einleitung.

Hier werden wieder Begrifflichkeiten aufgebaut, die Angst und Verwirrung streuen sollen und logisch nicht haltbar sind. Ein Tatort ist die Örtlichkeit, an der eine Tat begangen wurde, die den Tatbestand einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit erfüllt oder bei der ein Verdacht hierzu besteht.

Wenn also in Bochum ein Verbrecher Kinderpornos ins Netz stellt, in München jemand gefälschte Handtaschen über Ebay vertickt oder die Nigeria-Connection wieder zuschlägt, dann sind die Tatorte nicht „das Netz„, sondern Bochum, München und Nigeria. Sämtliche Verbrechen wurden in der realen Welt begangen. Die Aussage, das Internet ist der größte Tatort der Welt, ist genauso sinnfrei wie die Aussage „das Telefon ist der größte Tatort der Welt„, weil sich Al Kaida Mitglieder zu fröhlichen Selbstmordattentaten über ein Telefonat verständigt haben.

Das Netz“ ist immer ein virtuelles Spiegelbild unseres realen Lebens und rein praktisch nichts als ein Kommunikationswerkzeug. Die Panikmache vom „bösen, verkommenen und gefährlichen Internet“ ist demnach nichts anderes als panische Hetze, Unverständnis und Propaganda, denn die „böse, verkommene und gefährliche Welt“ beginnt direkt vor der Haustür.

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu „Spiegelfechterei“

  1. DakISI schreibt:

    Wahre Worte.

  2. Knut schreibt:

    Andererseits: Die Post ist der größte Tatort der Welt, man bedenke Briefbomben etc.
    Und da ist es doch nur konsequent, dass die Post nun ihre Ämter schließt. So viel Konsequenz kann man dann doch auch von Telekom und Co. erwarten. Wo kein Tatort, da keine Tat.

  3. sirdoom schreibt:

    Na ja, eigentlich outsourced die Post die „Ämter“ nur und baut Vollzeitarbeitsplätze ab und lässt diese von Minimallohn-Sklaven durch Subkontrakteure übernehmen… Der „Tatort“ wird also nur verlagert 😉

  4. Pingback: Gefährliche neue Terminologie: Cybercops und Internet-Tatort | Mann im Schatten

  5. Knut schreibt:

    Vielleicht sollte man allgemein einfach alle potentiellen Tatorte sperren lassen. Sicher ist sicher.

  6. sirdoom schreibt:

    Ich sehe gerade die Erde vom Weltall aus mit diesem lustigen Schild drumrum gehängt:

    AUSSER BETRIEB!!!

    Andererseits, laut Logik der Bundesregierung könnte man auch einfach ein Stoppschild am Mond aufstellen, damit Aliens und Alien-Kinder sowas nicht zu sehen bekommen…*grübel*

    Mir ist übrigens aufgefallen das Bernd das Brots Spruch:

    WIR SIND BROT! WIDERSTAND IST ZWECKLOS!

    sehr gut auf einen Großteil der deutschen Politiker passen würde, oder?

  7. cerbero schreibt:

    nix ausser Betrieb.. das war ein Stoppschild !
    Es soll ja keiner sehen wie schlimm es auf dem Planeten zugeht und gefälligst woanders hin…

  8. Knut schreibt:

    Asimov würde das sicher freuen, jeder Mensch in seiner eigenen kleinen Gummizelle, und die Welt wäre endlich sicher. I, Merkel.

  9. sirdoom schreibt:

    Nur weil alle in ihrer kleinen Kammer sind, heißt das noch lange nicht das Menschen sich nichts antun, siehe SURROGATES

  10. Pingback: Facebook und die Unfähigkeit in der digitalen Anderswelt | Mann im Schatten

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