„Gesellschaftlicher Mord“

Im Jahr 2009 gab es bisher 15 dokumentierte Ehrenmorde[Backgroundlink] in Deutschland, was im Vergleich zu westlich geprägten Beziehungsmorden sogar vergleichsweise wenige sind. Oft wird darüber diskutiert, ob man „Ehrenmorde“ überhaupt so nennen dürfe, denn diese Morde hätten nichts mit „Ehre“ zu tun. Gegner dieser Argumentation weisen darauf hin, dass sich das westliche Ehrverständnis signifikant vom arabisch-stämmigen „Ehrverständnis“ unterscheidet, wobei es auch im mittelalterlichen Deutschland ähnliche Strukturen gab. Im Pan-Arabischen Raum ist „Ehre“ keine positive Auszeichnung, etwas was man sich verdient oder erarbeitet, sondern ein eine Pflicht, ein Zustand der erhalten werden muss und sehr leicht zu verlieren ist.

Und damit kommen wir zum Kern der Sache: Das sogenannte „Ehrverständnis“ dieser Prägung ist nichts als ein gesellschaftliches Kontrollinstrument, um die Vorherrschaft bestehender religiöser und erwünschter patriarchaischer Zustände aufrechtzuerhalten und historisch gewachsene Clanverhältnisse zu schützen. Man muss also, wenn überhaupt, vom äußeren Ansehen sprechen, der Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Status, der verteidigt werden muss. Hexenverfolgungen, bzw. die Verfolgung sogenannter „Weiser Frauen“ durch Kirche, Staat und Dorfbevölkerung im Mittelalter in der Frühen Neuzeit fallen übrigens auch in dieses Schema.

Nach heutigem westlich-humanistischem Verständnis gibt es also keinerlei „Ehrenmorde„, sondern einfach nur Morde aus Feigheit vor Veränderung und dem Aufrechterhalten von Herrschaftsstrukturen.

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu „Gesellschaftlicher Mord“

  1. Knut schreibt:

    Bevor ich wieder einen Hals kriege: Hexenverfolgungen sind eine neuzeitliche Freizeitaktivität. Übrigens waren Protestanten und Privatpersonen da mindestens genauso fleißig wie die böse Inquisition (die dafür das Konzept des Strafrechts mit Zeugenbefragung etc. deutlich nach vorne gebracht hat).

  2. Nyx schreibt:

    Und das was man heutzutage landläufig unter Inquisition „kennt“ ist AFAIR auch die Spanische und nicht die Vatikanische… und erster wurde widerum AFAIR auch von weltlicher Seite eingerichtet/unterstützt… *düster in den erinnerungen herumstocher*
    ___

    Die Kernaussage „Morde aus Feigheit vor Veränderung und dem Aufrechterhalten von Herrschaftsstrukturen“ bleibt aber valide… 😉 😛

  3. sirdoom schreibt:

    Weswegen ich auch extra leicht flapsig „Kirche, Staat und Dorfbevölkerung“ geschrieben hatte und absichtlich weder Katholische Kirche noch Inquisition erwähnte. 😉

    Was das andere angeht: Es gab Hexenverfolgungen auch schon im Mittelalter(und davor), allerdings fand das Gros der Festivitäten in der FRÜHEN Neuzeit statt, um auch mal Korinten zu kacken*g*

  4. DarkISI schreibt:

    Den letzten Hexenprozess in der westlichen Welt gab es ja auch noch 1944 in Großbritanien. Und bis 1950 haben die Inselaffen das Gesetz gerne genutzt, um Zeugen und Verdächtige zu bedrohen…

    So lange sind wir hier im Westen auch noch nicht darüber hinweg.

  5. Pingback: “Eilmeldung: PI-News von Islamisten übernommen” |

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.