„Swept Away“

Mit der Katastrophe in Haiti kann man so allerhand tarnen. Die Absetzung von Peter Sawicki [Vita] als Leiter des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), oder Ministerpräsident  Wulffs kleines Buchungsmaleur, 100 Milliarden-Haushalt mit Loch ohne Boden, usw. Dabei gibt es da gerade noch ganz andere Eisen im Feuer.

Da Atomkraft eine wichtige aber schwierige Materie ist, die nur von absoluten Profis überwacht werden kann, muss man auch einen unglaublich erfahrenen Mann zum neuen Chef der Abteilung Reaktorsicherheit im Umweltministerium berufen, nämlich Gerald Hennenhöfer!

Hennenhöfer hat in den vergangenen 15 Jahren als der Troubleshooter der deutschen Atomstromlobby bewiesen und kein Eisen ist ihm zu heiss und von moralischen oder wissenschftlichen Erwägungen hat er sich noch nie abhalten lassen. Als Chef der Atomaufsicht ließ er in den 90er Jahren trotz Einsturzgefahr zigtausend Tonnen West-Strahlenmüll in die vormalige DDR-Atommüllkippe Morsleben schaffen. Er verhinderte die von der hessischen Landesregierung bereits beschlossene Stilllegung des Pannen-AKW Biblis per bundesaufsichtlicher Weisung. Informationen über verstrahlte Castor-Behälter ignorierte er und ließ sie weiter rollen. Als Vertreter des Stromkonzerns VIAG (heute: Eon) handelte er optimale Bedingungen für die AKW-Betreiber im „Atomkonsens“ aus. Noch 2008 war er maßgeblich mitverantwortlich für die Vertuschung der radioaktiven Verseuchung in der Atommüllkippe Asse.

Man muss sich das nochmal auf der Zunge zergehen lassen. Dieser Mann wird als Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit des Umwelt-Ministeriums künftig die Bundesaufsichtsbehörde für die Durchsetzung der sicherheitstechnischen Standards bei den 17 deutschen Atomkraftwerken leiten und für Fragen der nuklearen Endlagerung – also für Asse, Gorleben und Morsleben – zuständig sein. Das Sprichwort „den Bock zum Gärtner machen“ ist in diesem Fall eine Beleidigung sowohl der Böcke wie der Gärtner.

Aber Deutschland hat sich noch nie nur auf das eigene Land beschränkt, wir konnten schon immer gut exportieren. Ob Meinungen zu Religionen, die Jesus Christus ermordet haben, oder moderne Lagerführung und -verwaltung, mit freundlicher Hilfe von IBM natürlich.

Es gibt da etwas, das nennt sich Hermes-Bürgschaft. Eigentlich sollen dabei nur Projekte abgedeckt werden, die unter Umweltschutzaspekten abgesegnet worden sind, zumindest war das mal so gedacht. Aber sowas darf man nicht so eng sehen, weshalb Areva/Siemens gleich nach der Wahl einen Antrag für eine Exportbürgschaft über mindestens 1,5 Milliarden Euro gestellt haben. Atomkonzern und Bundesregierung wollen deshalb im Haushaltsausschuss am 27.01.2010 in aller Stille, gemeinsam Fakten schaffen, denn bisher wäre es undenkbar gewesen, für die Finanzierung eines Atomkraftwerk, das im einzigen Erdbebengebiet Brasiliens gebaut werden soll, in einem Land, in dem es nur unzureichende Pläne für den radioaktiven Abfall gibt und wo von einer unabhängigen Atomaufsicht keine Rede sein kann, eine Bürgschaft zu hinterlegen. Das angesprochene Atomkraftwerk heißt übrigens ANGRA und ist berühmt-berüchtigt für seine Pannen. Der bau des Vorgängers ANGRA 2 hat Brasilien übrigens schon in riesige Schulden gestürzt, deswegen wollen Areva/Siemens auch die hermes-Bürgschaft. Die für die im Haushaltsausschuss sitzenden Verantwortlichen findet man übrigens hier

Da fragt man sich doch, was erst während der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika alles heimlich durchgewunken wird…

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Eine Antwort zu „Swept Away“

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