„Casa Käßmann – Kommentar“

Als Person öffentlichen Interesses, die christliche Werte predigt, betrunken ins Auto zu steigen und sich erwischen zu lassen, ist dumm, unglaublich dumm. Ende der Geschichte. Abgesehen von der Tatsache, dass wenn alle Politiker und Sakraldiener, die besoffen unterwegs waren auch zurücktreten würden, wir einen gewissen Personalnotstand zu beklagen hätten. Schön wärs…

Alles drum herum ist hingegen eine Darbietung von Erbärmlichkeit sondergleichen. Die EKD hat es sich mit ihrer Vorsitzenden schon immer schwer gemacht. Als sie gewählt wurde, gab es das entlarvende Argument einiger Kirchenvertreter, wer sich denn jetzt um ihre Kinder kümmern würde, da diese doch sicherlich vernachlässigt würden, wenn Bischöfin Käßmann dieses hohe Amt bekleiden würde. Bei ihrer Scheidung kam die nächste Welle an Heuchelei und verbalen Exkrementen. Aber Käßmann hat sich mit ihrer offenen Art durchgesetzt, bis heute. Ihre Entgleisung gab dem EKD-Rat eine weitere Chance sich als heuchlerische Weicheier zu profilieren.

In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll“ Pressemitteilung EKD

Waschen wir unsere Hände in Unschuld. Käßmann tat das einzig richtige, sie zeigte moralisches Rückgrat und trat zurück, nicht nur als Ratsvorsitzende, sondern auch als Bischöfin! Eine der Grausamkeiten unserer Zeit. Die halbwegs Aufrechten treten zurück, wenn sie es verbockt haben, oder sich einfach persönlich gezwungen sehen, die Verantwortung zu übernehmen, denn Käßmann hätte auch auf stur schalten und sich an ihren Posten klammern können und würde damit durchkommen, allerdings um den Preis der Beschädigung des Amtes. Und all der Abschaum, die Verbrecher der hohen Gesellschaft, bleibt uns erhalten und macht weiter wie bisher.

Die Kirche ist eine Institution, die höchste moralische Ansprüche stellt. Die Erkenntnis diesen Ansprüchen selbst gerecht werden zu müssen, ist in vielen Teilen der Kirche fast schon Ketzerei. Statt aufgrund der indirekten Unterstützung und Vertuschung von Kindesmissbrauch reihenweise „Jagdunfälle“ zu erleiden, sich selbst aufzuschlitzen oder wenigstens zurückzutreten, stellt die katholische Kirche im Gegenteil der Justizministerin ein Ultimatum, um sich dafür zu entschuldigen, dass sie Ross und Reiter beim Namen genannt hat. Eine verdrehte Welt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass auch die Justizministerin schon einmal aus Überzeugung zurückgetreten ist, um gegen den Großen Lauschangriff zu protestieren, den sie in der damaligen Koalition nicht mittragen wollte.

Eine vergeudete Warnung zum Schluss: Jeder halbwegs Geschichtsbewanderte weiß, was mit moralisch hochtrabenden Institutionen passiert, die ethischen Bankrott anmelden, egal ob bei kirche oder Politik. Sie gehen unter…hoffentlich bald…

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2 Antworten zu „Casa Käßmann – Kommentar“

  1. Knut schreibt:

    Man kann halt viel mehr Tam-Tam über eine Untat, die diverse Leute von sich selbst kennen und die akut so herrlich medial ausgeschlachtet werden kann, als jahrzehntealte Missbrauchskamelle, die will eh keiner mehr hören. Grade wenn auf der einen Seite eine mehr oder weniger erfolgreiche Person des öffentlichen Lebens am Pranger steht, und auf der anderen bloß anonyme 08/15-Priester, die sowieso per Klischee im Verdacht stehen, Ministranten nicht nur die Beichte abzunehmen.

  2. farmerboy schreibt:

    Stimmt schon.
    Andererseits ist es einfach so daß 1.5 Promill auch deutlich mehr sind als man nach einer durchschnittlichen Sitzung als Politiker o.Ä. so intus hat, das ist definitiv keine Lappalie mehr.
    Vor allem wenn man bedenkt daß in den Landeshauptstädten die Kennzeichen ALLER Personen in Ämtern den Polizeibeamten bekannt sind und die ganz sicher nicht den Ärger wollen den sie damit heraufbeschwören (mehr Papierkram = mehr Arbeit). Ich tippe eher die haben die Bischöfin beim Einsteigen gesehen und hatten keine große Wahl als sie anzuhalten…

    Trotzdem Respekt vor der Konsequenz Frau Käßmann´s, viele hätten sich am Amt geklammert.
    Hut ab!

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