„Süßer das Kleingeld nie klingelt, als zur Frühlingszeit“

Es wird Frühling, die Sonne scheint und die Schnorrer verlassen ihr Winterquartier. Verwachsene Landstreicher und bunte Punks bereichern das Stadtbild und die „Kriegsversehrten“ knien vor Karstadt – falls es noch nicht geschlossen wurde – während die Bettelmafia die Bürger freundlich grüßt, während sie die Tageseinnahmen ihrer Außendienstmitarbeiter einsammelt, wobei es sich trotz der Warnung vieler PR-Agenturen immer noch nicht herumgesprochen hat, dass man die Spenden an Bedürftige nicht mit dem 7er BMW abholt. Gilt allerdings auch für bislang offiziell als gemeinnützig anerkannte Vereine und ihre Sozial-Maseratis.

Doch aus dem Dickicht der urbanen Vielfalt taucht ein neuer Typus auf, der sich nur schwer einordnen lässt.

Wie der mit vergleichsweise hochwertiger Jugendkleidung ausgestattete ca. 17-jährige, der seit den ersten Sonnentagen, jeden Tag sein Zuggeld nach Duderstadt nicht zusammenbekommt, mittlerweile allerdings nicht mehr direkt vor dem Bahnhof lauert, sondern zum nächstgelegenen Einkaufszentrum umgezogen ist.

Ein anderer Fall ist der Brille-tragende Psychopath, der irre umherschauend Leute folgendermaßen anspricht: „Ey, Du, haste mal Kleingeld? Kippen? Handy?“ Vom Blick her fehlt dem armen Kerl nur das Geld, um sich seine eigene Knarre im Schützenverein zu beschaffen, um dann mal eine anständige Flurbereinigung der Arschlochkinder seiner Schule durchzuführen. Das sind Schicksale die bewegen. Allerdings ist es seinem Anliegen nicht förderlich, mit geballten Fäusten in den Hosentaschen, Mitbürger nach einer kleinen Amokspende zu fragen.

Weitaus lustiger ist da der gutbürgerliche Nachwuchsirre, der als laufendes Werbeplakat angesagter Labels aus der Hip-Hop-Szene, laut Musik hörend und mit überdimensionierter Sonnenbrille, im Laufstil „Dildo_im_Arsch“ durch die Innenstand „breitbeinelt“ und die lieben Mitbürger gleich nach Dope fragt, ohne den Umweg über Geld zu nehmen. Ich habe immer noch den Verdacht, es handelt sich um einen besonders perfiden Undercover-Einsatz des LKA…

Ohne monetäre Hintergedanken – zumindest erst mal, wer weiß was später kommt – sind die Jesus-Only-Jünger, die hippere Version der Studenten für Jesus. „Kann ich mit Dir über Gott reden?“ Die Gegenfrage „Welchen?“ wird meist betont gelassen aufgenommen, aber wütende, von Ekel zeugende Microexpressions lügen nun mal nicht. Jedenfalls weiß ich nun, dass ich mich jeden Donnerstag „Am Markt 6(66)“ einfinden kann, um mit wildfremden Menschen meinen persönlichen Glauben zu diskutieren, der diese einen verdammten Scheißdreck angeht und wenn ich mir deren Schwesterseite „Soulsaver“ anschaue, weiß ich nicht wovon mir zuerst schlecht wird, vom Design oder dem schwachsinnigen Inhalt. Aber immerhin schnorren sie nicht…

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3 Antworten zu „Süßer das Kleingeld nie klingelt, als zur Frühlingszeit“

  1. Korsar schreibt:

    Du hast die militanten Veganer vergessen, die dir vorschreiben wollen, was du essen sollst 😉

  2. sirdoom schreibt:

    Die mag ich auch nicht, sind mir aber nicht in der Innenstadt übern Weg gelaufen noch haben sie mich aktiv angequasselt. Zumindest bisher nicht…

  3. Knut schreibt:

    Moderne Zeugen Jehovas. Die konnte man mit einer kurzen Übersicht über die Aggressionsbewältigung der Bonobos immer ganz gut beschäftigen.

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