„Vergeben und Vergessen“

Eigentlich ist Vergessen ziemlich schwierig, sogar unmöglich, wenn man selber in irgendeiner Form betroffen ist. Vergebung, wenn der Verantwortliche sie verdient, ist schon eher drin. In der heutigen Welt wird mittlerweile – zumindest gefühlt – jeden Tag eine neue Kuh durchs Dorf getrieben und oft wird die Nachricht als solche schon durch den persönlichen Realitätsfilter ausgeblendet. Bedenklich wird es, wenn dabei diejenigen, die von Berufswegen ein Auge auf solche Dinge werfen müssten, ebenfalls erblinden.

Lech Aleksander Kaczyński war Zeit seines Lebens ein ultrakonservativer, rechts-katholischer Nationalist, der sich nicht mal im Entferntesten vorstellen konnte, dass etwa für Homosexuelle die gleichen Rechte gelten könnten, wie für Heterosexuelle. Er verbot Demonstrationen, griff in die Hochschulen ein, um sein Weltbild im Lehrplan zu verewigen und befürwortete die Wiedereinführung der Todesstrafe. Eigentlich ist Kaczyński der Holzschnitt des Feindbilds eines jeden liberalen Menschen der den Ansatz von humanistischer Grundbildung besitzt. Diese Meinung muss bei weitem nicht jeder teilen, aber die derzeitige Heiligsprechung und das kollektive Vergessen angesichts seiner Ansichten ist erschreckend. Ein ähnlicher Fall war Jörg Haider, dessen Verehrung posthum so manchen Neonazi in Brandenburg ein paar Tränen vergießen lässt. Natürlich heißt es immer „Über Tote soll man nur Gutes reden“ [De mortuis nihil nisi bene], aber wo ist da die Grenze? So mag es verständlich sein, wenn Stalin , Mao und Atilla der Hunnenkönig eine strenge Befolgung dieser Regelung gutheißen würden, da diese für sie anscheinend nicht gilt. Interessant dürfte auch die große Festrede zum hundertsten Geburtstag der Odenwaldschule werden. Oder in 10-20 Jahren der Nachruf auf den beliebtesten Militärbischof Deutschlands.

In Anlehnung an Mark Twain – er möge mir verzeihen:

Man mag vielleicht etwas länger suchen bis, man die vergrabene Friedenspfeife findet, aber man sollte immer wissen wo das Beil ist.

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2 Antworten zu „Vergeben und Vergessen“

  1. Wallace schreibt:

    „Über die Toten nur Gutes“ ist einer der Lieblingssprüche von Pfarrer Fliege. Noch Fragen? 🙂

  2. sirdoom schreibt:

    Wo ist mein Beil, WO IST MEIN BEIL???!!!

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