„Rettet Karstadt“

[<<<Update Februar 2013>>> siehe unten]

Wie Karstadt von Kriminellen in den Ruin getrieben wurde, ist ja hinlänglich bekannt. Viele der Häuser gibt es aber immer noch und manchmal fragte man sich ja, warum man da überhaupt noch kaufen soll. Ich wohne in einer 120.000 Einwohner Großstadt, wo man ja meinen sollte, ohne Probleme gewisse Dinge kaufen zu können, was sich leider meistens als Irrtum herausstellt…

Rettet Karstadt -  LogoIm Zuge des Frühjahrsputzes kamen die Gardinen runter, im wahrsten Sinne des Wortes. Die uralten Halterollen verabschiedeten sich größtenteils und es musste Ersatz her. Zehn Geschäfte und zwei Malls später bin ich erstmal bei einem dieser Billiganbieter für Kleinwaren gelandet. Die hatten Halterollen, die eventuell gepasst hätten: Verpackung offen, intensiver Chemie-Weichmachergeruch und die Konsistent der Rollen ließ darauf schließen, dass sie das Aufhängen nicht überleben würden.

Leicht verzweifelt bin ich dann bei Karstadt gelandet, fragte entnervt nach und eine halbe Minute später hatte der Fachverkäufer verschiedene Halterollen und dazu noch passende Gardinenstopper anhand meiner groben Schätzung besorgt und hatte mir erklärt was was ist. Verdammt, ich war sprachlos! Ein kompetenter Fachverkäufer! Und der Preis war vollkommen in Ordnung, nur wenig über dem des Billiganbieters, aber 1000 Qualitätskategorien weiter oben.

Ein paar Tage später hat meine antike Küchen-/Eieruhr das Zeitliche gesegnet. So schwierig sollte es ja nicht sein, eine preiswerte Alternative aufzutun. Womit ich mich ziemlich getäuscht hatte. Überall gab es nur die beschissenen Fackelmann Eieruhr Funnykitchen. KOTZ!

Ich will einen Küchentauglichen, stabilen Zeitmesser, keine beschissene Plastikwurfgranate in hässlich, die beim Aufmachen der Packung schon bröselt! Da erinnerte ich mich an Karstadt und dachte mir „Was solls? Kann ja nicht schlimmer werden“ et voilà schaute mich die zuständige Fachverkäuferin für Küchengeräte kurz an, riet von sich aus von dem „Küchen-Ei“ ab und sagte „Stabil, einfach, klassisch und unkaputtbar?“ woraufhin ich „Jupp“ sagte und zeigte mir den heiligen Gral männlicher Küchenmessgeräte, die Dulton Co., LTD/Zassenhaus(Solingen) Speed. Klassisch und doch elegant, aus stabilem Metall – damit kann man echt Leute totschlagen, wenn der Schnitzelklopfer grade in der Spülmaschine ist! – mit extra starken Magneten zum befestigen der Eieruhr oder Stören von mies abgeschirmten Bildschirmen. Aufpreis zum Durchschnittspreis vom Plastik-Ei: 2 Euro.

Merke: Bevor ihr Billigkram kauft, schaut bei Karstadt nach. Die haben meist mehr Auswahl, wesentlich bessere Qualität, größtenteils kompetentes Personal und die Produkte sind den kleinen Aufpreis wert. Was würde ich für einen kompetenten Fachverkäufer bei den hier ansäßigen beiden Inzest-Elektronikmärkten geben. Gilt jetzt natürlich nur aktuell für den Karstadt hier vor Ort…

Update: Nach 2,5 Jahren Benutzung hat es die Dulton Co., LTD/Zassenhaus(Solingen) Speed dann doch erwischt. Läuft noch, man kann immer noch Leute damit totwerfen, aber der Alarmton ist verreckt. Also flugs zu Karstadt. Aber auch hier nagt der Kapitalismus an allen Enden. Das Modell führt man nicht mehr und das Sortiment wurde umgestellt. Auch bei Karstadt ist jetzt nur noch teurer Plastikmüll zu finden. Ich frage mich ernsthaft, ob die Verantwortlichen mein Geld einfach nicht wollen und ob die Versager irgendwann mal was von diesem neumodischen Internetz gehört haben, wo man sowas doch noch bekommt…

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10 Antworten zu „Rettet Karstadt“

  1. Nyx schreibt:

    Außerdem sind sie in Göttingen mein Laden des Vertrauens für Haargummis… 🙂

  2. Asel schreibt:

    Wenn man denn noch einen Karstadt in der Stadt hat.
    Bei uns (Kleinstadt mit ca. 57.000 Einwohnern) haben die das Haus geschlossen und es steht seitdem leer. Man verzweifelt, wenn man etwas so banales wie Kurzwaren oder auch Küchenkram kaufen will.

  3. Nyx schreibt:

    Aufgrund von Assels Kommentar wollte ich erst sagen „ach, soooo ein Nest ist man bei 57K Einwohnern doch auch nicht“…

    Dann habe ich mir mal spaßeshalber die Städte um die Größe von Wikipedia geschnappt…

    138. Platz – Herten – 63.133 Einwohner
    bis
    178. Platz – Wetzlar – 51.780 Einwohner

    40 Städte… 4 Karstadt (Landshut, Rosenheim, Offenburg, Gummersbach), 1 „Karstadt-Schnäppchenmarkt“ (Frankfurt/Oder).

    Übel übel… da würde ich auch sowas von „Landflucht“ begehen… und das bei Städten um 60.000 Einwohner. 😦

  4. Nyx schreibt:

    Nachtrag:
    Das ‚Assel‘ ist die geliebte „Rechtschreibkorrektur“, kein böser Wille… *grummel*

  5. DarkISI schreibt:

    Selbst Würzburg hat kein Karstadt. Hab ich mich schon mehrfach drüber geärgert. In Berlin wurde man mit denen ja förmlich bombardiert.
    Ist aber nicht der einzige Laden, der hier fehlt. Wüsste da noch diverse andere. Von Media Markt abgesehen gibt es hier nicht mal nen brauchbaren Elektronikgroßhändler. Und wie verzweifelt ich sein muss, um Media Markt brauchbar zu nennen, könnt ihr euch sicher vorstellen.

  6. sirdoom schreibt:

    @Nyx: Meine 60.000er Heimatstadt hat ihren Karstadt nur noch wegen der Millionen Sommerübernachtungen. Das sieht anderswo noch viel schlimmer aus.

    @Asel: Joa, entweder gibts gar nichts oder miesen Schrott in vergleichsweise teuer. Und seine Zeit verschwenden mit Geschäfte abklappern ist auch ganz toll…*grlm*

    @Isi: Oh ja! In GÖ ist die Metal/Hardrock-Abteilung bei *aturn ganz gut, aber nur, weil da ein langhaariger Bombenleger arbeitet, der halt „von privat“ aus kompetent ist.

    Neulich beim Mädchenmarkt, ich wollte ein verschissens Mauspad. Das was ich haben wollte, wird nur noch als Ausstellungsunterlage für die Mäuse benutzt, darf man nicht kaufen, ansonsten nur verschissene Glidepads die alle für kleinwüchsige Asiaten gedacht sind. Meine Hand ist ausgespreizt größer. Und auf meine Frage:“Ich kauf auch unverpackt die Unterlagen für ihre Ausstellungsstücke, das muss doch möglich sein“ hat Mädchenmarkt-Murat doof geschaut und meinte knapp „Geht nicht!“ Service ohne Ende… Von richtiger Elektronik haben die eh keine Ahnung, bis auf die arme Sau, die hinten im Kabuff zum Minimallohn Sachen schrauben darf, für die an der Rezeption ein zigfaches abkassiert wird…

  7. Andai schreibt:

    ISI kennt das ja, in Berlin kannst du dich mittlerweile vor Läden und Auswahl nicht mehr retten. Man findet alles, muss nur wissen, wo man suchen muss.

    Karstadt halte ich selber immer noch für die letzte Anlaufstelle, oftmals zu teuer, aber es gibt auch da Dinge, die es lohtn zu kaufen.
    Meist aufgrund von Haltbarkeit usw.

    ich persönlich halte sowohl von Media Mark, als auch Saturn recht wenig, ausser es geht um mainstream krams.

    Bestes Beispiel die Beratung: Wollt mich über PCs informieren und der Mitarbeiter hatte weniger Bock und Ahnung, als ich..gute Vorraussetzung, also auf zu CSV.

    Da merkt man halt, dass die Läden immer noch vond en einzelnen abhängig sind, sei es kompentente/inkompetente Mitarbeiter (und da kenne ich arbeitslose mit mehr Fachkenntnis…) oder eben „Vorstandsvorsitzende“ die ihre Firma ins Nirvana reiten..passiert heutzutage auch einfach zu oft.

  8. Korsar schreibt:

    Ja, Karstadt…
    Könnt ihr euch vorstellen, das Kiel 3 (4 mit dem Fahrrad-Karstadt) davon auf einer Länge von ca. nem Kilometer hatte? Gut, einer hat jetzt dicht gemacht (der direkt vor der Haustür. Verdammt.), aber die anderen beiden gibt es noch.

  9. wusselpompf schreibt:

    @ Nyx:

    Wetzlar ist ja eh nur ein Stadtteil von Gießen… 😉
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lahn_%28Stadt%29 (das erklärt auch – für alle die sich je gewundert haben – warum der Lahn-Dill-Kreis vor seinem jetzigen Kennzeichen LDK das pompöse L hatte. ^^

  10. Pingback: “An der Kasse” « sirdoom’s bad company Weblog

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