„The Book of Max Rockatansky*“

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Nach dem Debakel mit Knowing hatte ich arge Bedenken mir direkt hinterher einen weiteren, durchaus religiös geprägten, Film anzuschauen. Gerade wenn er wieder von Summit Entertainment produziert wurde, die u.a. für die bigotte „Kein Sex-vor-der-Ehe„-Vampir-Highschool-Soap Twillight und dass schon erwähnte Knowing verantwortlich sind. Zum Glück sollte ich mich größtenteils irren.

BoE - LogoIm Jahr 2044 versucht der einsame Held Eli (Denzel Washington) ein geheimnisvolles Buch quer durch die völlig verwüsteten USA nach Westen zu bringen. Alle anderen bekannten Ausgaben sind nach dem großen Krieg zerstört worden, da man dem Buch und seinen Anhängern wohl eine etwas größere Mitschuld gab. Gleichzeitig gibt dieser legendäre Status dem Buch auch Macht. Eli weiß nur, dass er es nach Westen bringen muss, damit sich sein Schicksal erfüllt. Gleichzeitig versucht Carnegie (Gary Oldman) als Despot einer kleinen Stadt seinen Einflussbereich zu erweitern, aber mit einer begrenzten Anzahl an Männern, die weiter als drei zählen, geschweige denn lesen können, ist dies schwierig. Aber wie alle der wenigen älteren Menschen, die sich noch an die Zeit vor und kurz nach dem Krieg erinnern können, weiß er um die Macht und den potentiellen Einfluß des Buches und lässt es suchen.

THE BOOK OF ELINach einem kleinen on-the-road Gemetzel mit einigen Banditen erreicht Eli natürlich die Stadt, die Carnegie beherrscht, wo es folgerichtig im Saloon zu einer entspannten Metzelei samt Fleischereinlage kommt. Carnegie ist von Elis Kampfkraft und seiner Intelligenz und seinem Wissen durchaus beeindruckt und versucht ihn zum dableiben zu überreden, weshalb er neben bewaffneten Wachen auch die Tochter (Solara – Mila Kunis) einer seiner blinden Sklavinnen zu Eli schickt, um diesen auszuhorchen, was dieser als leicht gestörter Gentlemen natürlich ablehnt. Dummerweise bemerkt Solara das Buch und wiederholt später, beeindruckt von einigen weisen Worten Elis vor dem Abendbrot, selbige in Gegenwart von Carnegie. Dementsprechend wird Elis Abreise blutig. Solara läuft ihm hinterher, Carnegie und seine Bande verfolgen sie, großer Last Stand, Carnegie gewinnt, Eli wird zum sterben zurückgelassen. Womit Carnegie nicht gerechnet hat ist, dass Solara samt eines Wagens fliehen kann, um Eli wieder einzusammeln.

Spoiler Ahead! Was ihr auch gelingt. Beide reisen weiter nach San Francisco und erreichen Alcatraz, wo eine Gruppe überlebender im Stile Alexandrias eine Bibliothek bewahrt hat und weiter am ausbauen ist. Was Carnegie nämlich nicht wusste ist, dass Eli das Buch auswendig gelernt hat und dem Kurator Lombardi (Malcolm McDowell) vortragen kann. Währenddessen ist Carnegie langsam am verrecken, ob einer Infektion durch eine Schusswunde und muss feststellen, dass das Buch dessen er sich bemächtigt hat in Blindenschrift verfasst ist, die er nicht lesen kann. Und seine einzige blinde Sklavin die es lesen könnte, weigert sich. Währenddessen fangen die Bürger der Stadt an Carnegies Hauptquartier zu plündern, da dieser nach den Gemetzeln mit Eli nur noch wenige, demoralisierte Gefolgsleute hat, die den Mob nicht bändigen können. Das Buch um was es geht, ist natürlich die Bibel in der King James-Fassung, die ihren Platz zwischen Tora und Koran in der Bibliothek findet. Eli findet seine letzte Ruhestädte und Solara wandelt auf seinen Pfaden und verlässt die Insel, um ihre Leute zu befreien. Ende.

BoE02Kritik: Mit der Erlegung zu Nahrungszwecken einer polytheistischen Sphynxkatze dachte ich nach dem Summit-Logo eigentlich schon „Ok, das wars, ich tu mir den Scheiss nicht zweimal an!„. Zum Glück habe ich dann doch weitergeschaut. Denzel Washington spielt einen leicht verrückten, aber eigentlich gutmütigen Reverse-Zatoichi, Oldman versucht an Overacting Jack Nicholson zu schlagen, scheitert daran, aber wirklich meckern kann man auch nicht. Mila Kunis stört nicht großartig und schaut nett aus. Die Kämpfe sind direkt, brachial und blutig, die Bildgestaltung schön dynamisch, auch wenn das abschließende Feuergefecht teilweise arg den Michael Bay/Bad Boys-Stil klaut. Die Farbgebung und Landschaftsaufnahmen sind absolut wunderbar gelungen und man kann sich daran gar nicht sattsehen, zumindest wenn man einen gewissen Faible für postapokalyptische Szenarien hat. Der befürchtete Religions-Overkill hält sich sehr kleinlaut in Grenzen und stört so gut wie nicht.

Sicherlich nicht Washingtons oder gar Oldmans bester Film, aber ein visuell überragender, spannender Endzeit-Western mit guter Action und einem Hauch von Anspruch und Botschaft, den man sich aber nach eigener Facon interpretieren darf. Fazit: Anschauen! Ach ja, tut euch nicht die als Bonusmaterial auf der DVD enthaltenen Character-Background-Comics an, die sind nämlich schlecht, triefen vor billigen Clichés und lassen die beiden Hauptcharaktere ehrlich gesagt ziemlich blöd aussehen.

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5 Antworten zu „The Book of Max Rockatansky*“

  1. wusselpompf schreibt:

    Da bin ich ja beruhigt, das dir der wenigstens gefällt, sonst hätte ich dann doch langsam angefangen an deinem Filmgeschmack zu zweifeln. 😛

    Als nächstes würde ich dann The Road mit Viggo empfehlen, neben Book of Eli noch ein sehr düsterer, toller Endzeit-Film.

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