„Scorched Earth*“

*

Manchmal frage ich mich, ob ich der einzige geistig gesunde Mensch auf diesem Planeten bin. Oder ob ich der Irre bin, der die Realität nicht begreifen kann. Wie kann man einen Menschen Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Humanismus lehren, ihm beibringen die Welt mit offenen Augen zu sehen, Selbstreflexion und Wahrheit als hohes Ziel zu begreifen und ihm dann diese Welt präsentieren? Und dann flüchte ich mich in Sarkasmus, Ironie, Zynismus, wüste Beschimpfungen und geringfügig cholerische, verbale Amokläufe.

Jean-Paul Sartre sagte einst in Huis Clos „L’enfer, c’est les autres.“ („Die Hölle, das sind die anderen“ aus „Geschlossene Gesellschaft„). Damit hat er nicht ganz Unrecht, aber er selbst sagt auch „Demain viendront les oiseaux noirs“ ( aus „Les chemins de la liberté„, Schlußsatz/“Morgen werden die schwarzen Vögel kommen“ aus „Die Wege der Freiheit„), wenn wir sie nicht stoppen. Heutzutage hagelt es täglich Beispiele, bei denen weder die freiheitlichen Werte der westlichen Welt berücksichtigt werden, noch überhaupt eine Argumentation stattfindet. Nur verbrannte Erde* wird hinterlassen und an allen Fronten bröckeln die Fassaden während die Geier der Zivilisation, rechte und linke Populisten, Faschisten und Nationalisten am Himmel kreisen und ihre Fäkalien auf eine zutiefst verunsicherte Bevölkerung herabfallen lassen. Eine Bevölkerung zerrissen zwischen Eigeninteressen, Tradition, Angst, Verführung und Menschen denen es mittlerweile einfach egal ist. Und schon besteht der kategorische Imperativ aus der Anzahl an Munition, die zur Verfügung steht.

Allein heute bin ich über folgende Dinge gestolpert:

Wir alle beteiligen uns an einem Gesamtdeutschen PayTV, auch bekannt als öffentlich-rechliches Fernsehen, welches neutral über die Ereignisse der Welt berichten und den politisch mündigen Bürger mit Informationen  versorgen soll. Ein Witz, wir wissen ja alle über den Bimbes, die Korruption, das Postengeschacher und die Einmsichung der Politik bescheid. Und dann gibt es auch noch eine Neuerung im Rundfunkstaatsvertrag. Wir alle zahlen zwangsweise für die Inhalte von der öffentlich-rechtlichen Anstalten und trotzdem werden diese Inhalte im wichtigesten Medium des 21. Jahrhunderts nach 7 Tagen gelöscht, weil… genau, warum? Ganz einfach, weil Springer, Newscorp und das restliche Gesocks sonst mit ihrer gequirlten Scheiße angeblich kein Geld mehr, oder nicht so viel Geld wie sonst, verdienen. Man gibt sich nicht mal Mühe zu verbergen, dass das Verarsche ist. Und noch nicht genug!

Denn dann gibt es demnächst auch noch das neue Leistungsschutzrecht, welches nur einem Zweck dient. Das Rad der Zeit zurückzudrehen, um jede Menge Geld zu verdienen, die Bürger zu verarschen und alle Politikerhansel machen wie abhängige Cracknutten aus Bangkok freudig mit beim Gangbang  des deflorierten Oligopols auf Informationen[Link1][Link2][Link3].

Und dann gibt es auch noch die INDECT – Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment – die innereuropäische Forschungsabteilung für Gedankenverbrechen, Totalüberwachung, kleine Schwester von Frontex und Cousin der DARPA. Die machen sogar beschissene Werbevideos.

Und dann sind sie pissig, weil ihnen zu viel und die falsche Art von Aufmerksamkeit zu Teil wird. Sie betrachten „einige Menschenrechte als problematisches Hindernisse auf dem Weg zu einer besseren Sicherheit“ . [Link1][Link2] Und ja, gute chinesische Laserpointer jenseits deutscher Grenzwerte, holen so eine INDECT-Drohne ohne Probleme runter, nur zur Info. Wenn man sich näher mit den Ansichten dieses Vereins befassen möchte – Achtung, Kotzgefahr – und zu viel Zeit hat, dann kann man sich z.B. die vertraulichen INDECT Reports zum Thema User Requirements und Komponentenevaluierung durchlesen

Und sonst so?

>Was wir in Griechenland finanzieren und warum

>Eichmann, BND, CIA, Mossad und Kanzleramt, aber pssst, geheim, weil peinlich

>Die demokratischen Ansichten eines Politikers und warum Bürgerpartizipation eine Frechheit ist

>Rechtsstaat Deutschland – So überwachen wir heute, auch wenn wir wissen, dass es illegal ist

Wenn man einen guten Bunker, jede Menge Waffen und Fanatismus hat, könnte man sich fast an den Ratschlag von Arnold Almerich halten, den er einem Kreuzritter gab, der fragte wie er Katharer und Katholiken auseinanderhalten könne: „Kill them all and let God sort ‚em out!

Persönlich möchte ich es diesmal noch bei einem Rat belassen, den einst John Emerich Edward Dalberg-Acton, 1. Baron von Acton, niedergeschrieben hat:

„Liberty is not a means to a higher political end. It is itself the highest political end!“

Gute Nacht.

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu „Scorched Earth*“

  1. Daniel schreibt:

    Ich stimme dir hier fast komplett zu (leicht andere Ansichten zu den öffentlich-rechtlichen, aber nicht so wichtig). Nur was ich mich immer frage – was soll man eigentlich wirklich machen?

    Aktionen nach Art der RAF mögen wirkungsvoll sein, sind aus meiner Sicht aber nur eine andere Form des Fanatismus, die ich nicht unterstütze. Demonstrationen halte ich in der überwiegenden Anzahl für lächerlich – kümmert sich keine Sau drum. Was bleibt?

    Aus meiner Sicht nur politische Aufklärung. Damit kann man zumindest ein paar Leute vielleicht überzeugen, nicht mehr die schwachsinnigsten Parteien zu wählen oder alles zu glauben. Aber wieviel hilft das wirklich bei der Masse an ignorantem Volk?

    Das einzig Effektive was ich im Moment sehe sind Bewegungen z.B. in der Blogosphäre, die so groß werden, dass sie von den Massenmedien aufgegriffen werden. Das hat zumindest manchmal noch Erfolg.

    Insgesamt frage ich mich aber einfach, was man effektiv überhaupt machen kann. Viel bleibt nicht.

  2. gedichtblog schreibt:

    Wir sehen die Dinge inzwischen eben mit den Augen des Webs. Es ist schwieriger geworden unangenehme Details, Korruption und Machtmissbrauch geheim zu halten. Allerdings haben längst nicht alle die Kulturtechnik Internet erlernt, obwohl sie es täglich benutzen. Dennoch hat sich der Medienraum geöffnet und dass wir so viel über die Ungeheurlichkeiten der Mächtigen wissen ist ein gutes Zeichen.
    Wir stehen auf einem Hügel und sind entsetzt und erschrocken darüber, was im Tal passiert, jetzt, da wir die Dinge von oben sehen. Dabei vergessen wir, dass es den Hügel noch nicht so lange gibt, dass wir ihn aufgehäuft und dann hochgeklettert sind und dass wir davor, im Tal, immer nur sehr wenig auf einmal gesehen haben.

  3. Miew schreibt:

    Tatsächlich sind die Bedingungen um „etwas zu machen“ aber heutzutage besser als je zuvor.
    Solche Kommunikationsmöglichkeiten jenseits der Massenmedien, mit denen man Informationen in Echtzeit überall auf der Welt verteilen kann, gibt es eben noch nicht lange. Zumindest auf Ottonormalbürger-Ebene. Und auch wenn Sirdoom hier Anspielungen auf 1984 macht, kann man zuerst einmal äussern was man will.
    Anders gesagt ist das Internet ein Massenmedium auf das jeder einzelne Einfluss haben kann, und dadurch natürlich auch auf andere Einfluss nehmen kann.
    Dass die meisten Stimmen ungehört untergehen liegt dann natürlich in der Natur der Sache, aber die Möglichkeiten sind im Grunde genommen fantastisch.

  4. sirdoom schreibt:

    Ich finde den „Berg“ toll, von dem man alles sehen kann. Deshalb hassen ihn auch Politiker und die Wirtschaft. Der „Berg“ hat aber auch ein Problem: Man wird visuell mit so viel Scheiße überhäuft, dass einem der Überblick teilweise schon wieder verloren geht. Es ist die Datenautobahnversion von „jede_Woche_ein_neues_Schwein_durchs_Dorf_jagen“ 😉

    Konsequenzen hat schließlich keiner zu befürchten. Inkompetenz wird ge- und befördert(Oettinger, Stoiber) oder man sitzt die Sache einfach aus. Ich hoffe ja, dass der aktuelle Atomvertrag hier mal wirklich einen Denkzettel auslöst.

    Gestern lief V wie Vendetta im Fernsehen, der eigentlich viel zu subversiv ist, um gezeigt werden zu dürfen. In diesem Sinne:

    People should not be afraid of their government, Governments should be afraid of their people.

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