„Thalialisierung“

Seit einiger Zeit gibt es auch hier eine Thalia-Buchhandlung. Liegt günstig, Sortiment ist erwartungsgemäß mainstreamig, aber durchaus recht groß. Die Verkäufer sind zu erkennen und ansprechbar, ohne wie uniformierte Schergen letzter Klasse auszusehen. Und trotzdem hatte ich gleich ein schlechtes Gewissen, als ich den Laden betreten habe.

Amazon&co machen es möglich jederzeit jedes Buch zu bestellen und dies häufig günstiger als im normalen Ladengeschäft, zumindest was englische Bücher angeht. Ich stöbere aber auch gerne mal und nehme ein Buch in die Hand. Online bestelle ich Bücher dann, wenn ich sie im Laden nicht oder nur unter sehr störenden Umstände erhalte oder wenn die Preisdifferenz wirklich abartig ist. Damit bin ich nicht allein und der kompetente Buchhandel vor Ort hat somit eine durchaus lukrative Nische gefunden. Hier kommt Thalia ins Spiel, die das „Amazon_in_schlecht„-Prinzip offline umsetzen wollen und einen brutalen Verdrängungswettbewerb gestartet haben.

Die zentrale Einkaufsmacht Thalias setzt die Vertriebskonditionen der Verlage unter Druck und benachteiligt den kleinen Buchhandel, der zum Ausgleich für den Aderlass der Verlage, schlechtere Konditionen erhält. Interessant war auch der „Vorschlag“ Thalias 2006, die Verlage möchten sich doch bitte finanziell am Ausbau und der Einrichtung neuer Firmenfilialen beteiligen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind Versuche Thalias, durch Angriffe auf die Buchpreisbindung die Margen der kleineren verbleibenden Buchhandlungen zu drücken und diese so aus dem Markt zu drängen. Als Folge stehen inzwischen größere Zukäufe der Thalia-Buchhandelsgruppe unter Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes.

Besonders hinterhältig war 2010 die Aktion in Österreich, wo ein lokaler Verlag und Buchhändler unter Androhung der Einstellung bestehender Lieferantenbeziehungen zum Verkauf gezwungen werden sollte[Link]. Natürlich alles ein Missverständnis…

Also Leute, kauft bei Amazon&co oder eurem lokalen Buchhändler, aber nicht bei Thalia. Über Weltbild reden wir nicht, meine zwei Freiverteidigungen pro Jahr bei sind schon durch…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, Kunst&Kultur, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu „Thalialisierung“

  1. XDragoon schreibt:

    Wenn man kurzfristig ein Buch braucht – etwa für morgen einen Koran zum Verbrennen – bleibt einem manchmal eben nichts anderes übrig, als den Bücherladen zu nehmen, der Öffnungszeiten wie ein Supermarkt hat und nicht erst um 1000 aufmacht und um 1600 wieder schließt, bei einer Mittagspause von 1200 bis 1400. Das sehe ich als das wesentlichere Erfolgsrezept von Thalia gegenüber den kleineren Bücherläden.

  2. sirdoom schreibt:

    Da ist hier kein Unterschied festzustellen, die Öffnungszeiten der größeren Buchgeschäfte hier sind genauso wie bei Thalia, daran liegst nun nicht. Keine Ahnung wie es in anderen Städten aussieht.

  3. Heiko schreibt:

    Nur dass den Kriegerfrauen auch nicht zwangsläufig alles golden ist: Amazon jetzt ohne NPD – aber weiterhin mit Antisemitismus und Rechtsrock

    lange URL ist lang…

    [Anmerkung d. Redaktion: Ich hab das mal editiert, der Link war echt etwas lang und es sah auch ein bißerl doof aus ;)]

  4. sirdoom schreibt:

    Wobei ich zwar durchaus das Problem sehe, andererseits ein grundlegendes Problem mit Zensur habe und Leuten die mir erzählen wollen was ich sehen darf und was nicht…

  5. Heiko schreibt:

    Oh, ich bin absolut der Meinung, eine gesunde, funktionierende und von mündigen Bürgern gestaltete Demokratie muss auch ein Paar Flachzangen vertragen können, Voltaire und so.
    Nur: Wo gibts die und wie komm ich da hin?
    Und: Auch, wenn ich irgendwelchen Schrott fragwürdiger Natur nicht zwangsläufig wegschließen und totschweigen möchte, kann ich’s trotzdem doof finden, wenn dem Zeug im weltgrößten Internetgemischtwarenladen eine Plattform geboten wird.

  6. sirdoom schreibt:

    Vollkommen nachvollziehbar^^

    Ich hab bloss, um mich mal in düstere SPD-Kreise zu begeben, ziemliche „Bauchschmerzen“ einerseits gegen Zensur zu sein und dann in den Kritikerchor gegen Amazon einzustimmen 😉

  7. Pingback: “Alle gegen Amazon.com” |

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s