„GORed“

1966  erschien der erst Band von John Normans GOR-Saga, Tarnsman of Gor(in Deutschland Die Gegenerde/Der Krieger). Der einfache Stil und das Thema ließen nicht erwarten, wie langlebig und erfolgreich GOR würde.

Beschrieben werden die Ereignisse auf dem Planeten Gor, der sich mit der Erde auf einer Umlaufbahn befindet, dieser jedoch genau gegenübersteht und dadurch wegen der dazwischenliegenden Sonne von dort nicht gesehen werden kann. Die auf Gor herrschende Gesellschaft ist durch kulturelle Elemente vergangener, irdischer Welten geprägt. Hervorstechendes Merkmal von Normans GOR-Romanen ist neben der antiken Prägung der Kultur die detaillierte Beschreibung von Sklaverei. Norman beschreibt in einigen Bänden als Ich-Erzähler männliches Sklaventum, häufiger geht es jedoch um die Unterwerfung von Frauen, die oft zur Einleitung eines Romans von der Erde entführt und mittels eines Raumschiffes nach Gor verbracht werden und deren dortige Erlebnisse dann beschrieben werden, wobei die Welt auf Gor archaischen Prinzipien gehorcht und Raumfahrt oder ähnliches dort keine Rolle spielt.

Die einfach nachzuvollziehende Fantasywelt Gors mit ihren autoritären Strukturen und den Betrachtungen zum Verhältnis von Meister und Sklave, so wohl in der freiwilligen als auch der unfreiwilligen Variante, fanden starke Beachtung innerhalb der BDSM-Szene, sind allerdings auch außerhalb dieser durchaus interessant, Stichwort „kinky„. Da in den Büchern immer wieder Unterwerfung mit sexuellen Motiven beschrieben wurde, hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wiederholt Bände aus dem Zyklus auf den Index  gesetzt. In den deutschen Ausgaben der Bände wurde bereits vom Heyne-Verlag ca. 45 % des ursprünglichen Textes gekürzt, darunter alle härteren Passagen. Eine authentische Darstellung des goreanischen Verständnisses war lange Zeit nicht existent. Trotzdem wurden auch diese zensierten Werke häufig kurz nach der Veröffentlichung indiziert und seit 1989 lehnten mehrere, größere deutsche Verlage eine Fortsetzung der Serie ab.

Glücklicherweise fand sich 2007 mit dem Basilisk Verlag ein Verleger der eine vollständige Neuausgabe des Gor-Zyklus in ungekürzter Neuübersetzung herausbringen will, die auch die in Deutschland bisher nicht veröffentlichten Bände 22, 26 und 27 umfassen soll. Bis April 2010 sind bislang sechs Bände dieser Neuausgabe erschienen (Band 1, 2, 3, 4, 5 und 22). Für den dritten Band verfasste John Norman ein exklusives Vorwort für die deutschen Leser.

GOR ist einerseits eine archaische, fast platte Fantasywelt mit einem Haufen Gewalt und Sex, andererseits spricht sie aber auch auf interessante Art Themen wie Freiheit und Unfreiheit in verschiedenen Gesellschaftsmodellen an, ganz davon ab, dass die GOR-Saga ein Klassiker innerhalb der fantastischen Literatur ist. Der Splatter&Sex-Gehalt der Romane ist übrigens nach heutigen Maßstäben nicht allzu ausufernd. Trotzdem sollte man mal reinschauen, bevor ein übereifriger Staatsanwalt mal wieder in Beschlagnahmungslaune kommt.

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3 Antworten zu „GORed“

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