„Leichte Kotzkrämpfe“

Horst Seehofer holt mal wieder den Stammtisch aus dem bayrischen Brauhaus und und haut auf selbigen drauf [Link]. „Christliches Menschenbild„, „judäo-christliche Geschichte“ – meistens in den Medien auch noch falsch geschrieben – , „keine Einwanderung“, „Patriotismus muss erlaubt sein“…


Ist mit „judäo-christliche Geschichte“ der Antisemitismus von Martin Luther gemeint, oder was? Sind mit „christliches Menschenbild“ Zwangsarbeiter für die christlichen Kirchen gemeint, oder doch eher die Misshandlungen und Verbrechen nach dem 2. Weltkrieg? Oder eher sowas? Die europäischen Völker waren alle mal Paganisten/Naturgläubig. Dann kam die Antike, die weit über ihren eigentlichen Zeitraum prägend war. Dann gab es die Christianisierung, Rückschritt, christliche Glaubenskriege, während der Islam sich als Bewahrer von Wissen und Liberalität hervortat – bitte im zeitlichen Kontext betrachten. Und auf wen beriefen sich die Geister der Aufklärung und des Humanismus, dieser aus dem Denken der Antike weiterentwickelten Rettung Europas?

Über der Doktorurkunde von Immanuel Kant findet sich ein arabischer Satz: Bismillah ir-Rahman ir-Rahim – Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen. Kant hat ihn eigenhändig in Arabisch geschrieben. Auch Goethe lernte die arabische Schrift. Sein Lehrer Herder sowie dessen Zeitgenosse Lessing studierten die arabische Kultur und den Islam. Lessings berühmte „Ringparabel“ aus seinem Ideendrama „Nathan der Weise“ geht zurück auf Verse der fünften Sure des Korans. Der Islam, so ist heute oft mit Blick auf islamische Länder zu hören, kennt keine Aufklärung. Aber die europäische Aufklärung kannte den Islam. Giganten deutscher Dichtung und Philosophie wie Goethe, Kant und Lessing haben koranische Gedanken sowie Gottes- und Menschenbild der Muslime in ihren Werken verarbeitet. Was aus dem Islam heutzutage geworden ist, ist leider eine andere, traurige Geschichte.

Womit diese gesamte Rhetorik Seehofers und seiner Kollegen im Endeffekt nichts anderes als eine grenzenlose Beleidigung eines jeden gebildeteten und aufgeklärten Menschen ist! Was aber gar nicht das eigentliche Ziel ist, denn noch immer gilt Strauß‘Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben!“ Dem muss dann natürlich ab und an Rechnung getragen werden, weswegen man solche Nebelkerzen zündet.

Update 2014: Alle Jahre wieder – Debatte um Zuwanderer aus EU-Ländern CSU steht allein da

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12 Antworten zu „Leichte Kotzkrämpfe“

  1. Thomas schreibt:

    Es ist bei aller Polemik nicht zu leugnen, dass das Christentum eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Westens, also Europa und seiner europäisch besiedelten Kolonien, gespielt hat.
    Der Punkt sollte eher sein, dass es eine weitestgehend negative Rolle gespielt hat. Es sich hinter den Ideen der Aufklärung bequem zu machen bringt natürlich auch gewisse Probleme mit sich. Folgt man der „Dialektik der Aufklärung“ findet man von den sozialen Problemen des Kapitalismus bis zu Weltkriegen und Atombomben eine ganze Menge unerfreuliches, dass sich auf die Aufklärung zurückführen lässt.
    Aber, von alle dem abgesehen weiß ich nicht so recht warum derartige Fakten über die europäische Geschichte für Überlegungen zur Zukunft wichtig wären. Das kann wohl nur einem konservativen Hirn entspringen, dass wir irgendwie dem Christentum verpflichtet wären, weil es mal wichtig war.

  2. sirdoom schreibt:

    Reicht es zu meiner Verteidigung festzustellen, dass mir gestern einfach mal wieder der Kragen geplatzt ist?

  3. XDragoon schreibt:

    Auch ich erkenne die christlichen Altlasten Deutschlands an.

  4. wusselpompf schreibt:

    Ich bin ja schon irgendwie ein wenig enttäuscht von dir, dass du auf diese extrem insenzierte Empörungs- / „Nazis-zurück-in-die-CDU“-Rückholkampagne so anspringst. Das ganze ist doch wirklich nur ein musterbeispiel zeitlich inszenierter Schaupolitik.
    Inhaltlich solltem einem die von Seehofer/Merkel/Mißfelder lancierten Statements nicht mal ein müdes Gähnen wert sein.

  5. sirdoom schreibt:

    Welcher Inhalt? Ich hab da nix belastbares gefunden… Und die verwendeten Schlagwörter sind wie im Artikel beschrieben Mumpitz und Bullshit…

  6. 3-6 schreibt:

    Ich persönlich denke, dass die Phrase des „christlich-jüdischen“ nur aus der Überlegung stammt, von der autistisch-linken vierten Gewalt im Staate nicht direkt mit der Nazi-Antijuden-Keule geknüppelt zu werden.
    Das Seehofer mit der „Toleranz“-Keule zutun bekommt, war ihm wohl eh klar. Aber die zieht gottlob langsam nicht mehr.

  7. sirdoom schreibt:

    Ich persönlich denke, dass die Phrase des „christlich-jüdischen“ nur aus der Überlegung stammt, von der autistisch-linken vierten Gewalt im Staate nicht direkt mit der Nazi-Antijuden-Keule geknüppelt zu werden.

    Wo der greise Untotenrat der jüdischen Mitbürger Deutschlands so eine Bastion der Linksextremen ist…

    Und wer zur Hölle soll das denn nun bitte sein? Hat die Antifa neuerdings SO viele neue Mitglieder? Ich bin überrascht… 😉

    Ich bin mir übrigens immer noch nicht so ganz sicher, ob die CDSU sich des Themas angenommen hat, weil sie grade überall auf die Fresse kriegen und meinen damit punkten zu können, oder ob da doch brunnenvergifterische Tendenzen eine Rolle spielen…

  8. 3-6 schreibt:

    Hmh? Die vierte Gewalt sind die Medien insgesamt …

  9. sirdoom schreibt:

    Dass die sogenannte 4te Gewalt im Staat die Medien sein sollen ist mir schon klar. Und du weißt selber, was ich von der Medienlandschaft in Deutschland halte. Sie aber komplett als „autistisch-links“ zu bezeichnen ist doch etwas generalisiert, oder? 😉

  10. 3-6 schreibt:

    Dann nenne mir mal eine vernünftige 😉 Zeitung. Und FAZ gilt nicht.

  11. sirdoom schreibt:

    Solange Schirrmacher was mit der FAZ zu tun hat würde ich nie auf die Idee kommen, diese Zeitung zu nennen.

    Der Haken bei der Sache ist, da du vorher von „autistisch-links“ gesprochen hast, was denn dann vernünftig ist 😉

    Grundsätzlich ist aber immer die ZEIT einen Blick wert, auch wenn ich bei vielem oft anderer Meinung bin als die Redaktion der Zeit.

  12. 3-6 schreibt:

    Herausgeber und Chefredakteur sind Personen, wo ich Dir nicht widersprechen werde. Gilt aber nur für die Printausgabe. Online… das gleiche Geschwurbel.

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