„Review – Repo Men“

Repo Men - LogoNach dem Roman „Repossession Mambo“ von Eric Garcia

Wer ein künstliches Organ braucht, muss zur „Union„, die diese zu horrenden Finanzierungskrediten anbietet, weswegen Barbezahlung auch nicht gerne gesehen wird, denn die Wucherzinsen der „Union“ machen das Geschäft erst richtig lukrativ.

Repo Men - The Union - LogoWenn jemand die monatlichen Raten nicht mehr zahlen kann, werden private “Gerichtsvollzieher” der “Union” losgeschickt, sogenannte “Repo Men“(von “repossession“), um die künstlichen Organe wieder rauszuschneiden, was der Patient meistens nicht überlebt. Deshalb gibt es auch eine lebhafte Untergrund-Szene von Flüchtigen, die ernsthaft um ihr Leben fürchten. Parallelen zu US-Hypothekenkrise sind nicht rein zufällig.

Repo Men12Remy(Jude Law) und Jake(Forest Whitaker) sind die besten Repo Men der „Union„, wobei Remy Probleme mit seiner Frau, ob seines Jobs hat. Während eines Einsatzes wird Remy schwer verletzt und bekommt ein künstliches Herz, welches er natürlich bei der „Union“ abstottern muss. Aufgrund eines Traumas, ist er allerdings nicht mehr in der Lage die wehrlosen Schuldner aufzuschneiden und wird somit selbst zum überfälligen Schuldner. Die „Union“ schickt ihre Jäger los um Remy aufzuschneiden. Dieser versteckt sich zusammen mit der Sängerin Beth(Alice Braga), die er am Anfang der Story kennengelernt hat, die ebenfalls eine weit überfällige „Schuldnerin“ der „Union“ ist, und bereitet einen Fluchtplan vor. Als dieser scheitert muss er das tun, was er am besten kann. Zurückschlagen und Leute aufschneiden. Aber die Dinge sind nicht ganz so, wie sie scheinen, oder am Ende doch und sogar noch wesentlich einfacher?

Repo Men - Heart

Law und Whitaker liefern solide Leistungen ab, Laws Filmehefrau ist eine nervige Überflüssigkeit, Braga ist bezaubernd, Liev Schreiber als Corporate Goon ist eine Punktlandung bei der Besetzung.

Repo Men11Die Story und die Dialoge sind gutmütig, aber stilistisch unterliegt der Film doch einigen Schwankungen. Am besten ist er immer dann, wenn er sich auf den zugrundeliegenden Roman besinnt und Musik und Bilder als eine Art Tanzchoreographie harmonieren. Grandioses und wundervolles Kino ist die Szene, wo die verschwitzenden, dreckigen Remy und Beth ihre künstlichen Organe in einem klinisch weißen Raum manuell einscannen müssen, d.h. sich selbst aufschneiden, einen Barcode-Scanner in die Organmasse reindrücken müssen. Eine Mischung aus Splatter, Tanz, Sex, die wundervoll umgesetzt ist. Auch die Messerkampfszene im „Union“ Hauptquartier lässt sich nur wohlwollend als wunderbar inszenierte Fleischer-Oper beschreiben. Die bösartige Konzernwerbung ist bei Robocop allerdings doch etwas besser.

Der Splattergehalt ist für eine als FSK 16 eingestufte Produktion unglaublich hoch. Der Film wurde garantiert geprüft, als gerade hohe kirchliche Feiertage und Schützenfest auf den Prüftermin fielen. Abgerundet wird die ganze Sache durch ein klassisches Mindfuck-Ende, das die Dinge brutal geraderückt und auf den Boden der Tatsachen holt, weit weg von Hollywood.

Obwohl sich der Film manchmal nicht ganz entscheiden will, was er sein möchte, insgesamt sehr empfehlenswert.

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9 Antworten zu „Review – Repo Men“

  1. XDragoon schreibt:

    Bin ich der einzige, den es irritiert, dass das künstliche Herz den Gardena-Gartenschlauch-Anschluss verwendet?

    Ah ja… und noch eine Sache… Er kann also mit seinem eigenen künstlichen Gardena-Herzen nicht mehr seinen Job ausüben – ist aber weiterhin fit genug um sich der Leute gleichen Gewerbes noch zu erwehren? Ich weiß, das ist Hollywood-typisch, aber ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn ein Konzept schon solche Logiklücken hat nur um mehr Action in eine Handlung zu bekommen.

  2. sirdoom schreibt:

    Hab mir gerade mal die Gardena-Anschlüsse angeschaut und sehe da jetzt nicht so die Ähnlichkeit, außer dass halt was angeschlossen wird, wo Flüssigkeit durch soll, was auf gewisse, gemeinesame Designpunkte hinausläuft 😉 Google mal „Artificial Heart“ und schau dir die Bilder an, du wirst überrascht sein.

    Das andere ist der psychologische Aspekt: Es ist wohl ein Unterschied Leute in Notwehr umzulegen oder absolut wehrlosen Leuten, bei noch lebendigen Leib, die Organe rauszuschneiden und sie damit „abzuschlachten“. Folge: Schweissausbrüche, zitternde Hände, Schwindelanfälle, usw. Kann also den Job nicht mehr machen.

    Die in eigentlich jedem Film vorhandenen Logiklücken würde ich also ganz woanders verordnen…

  3. 3-6 schreibt:

    Den hast Du jetzt erst gesehen? 😉

    Besorg Dir mal eine Fassung von Idiocracy, da wäre ich auf eine Rezension gespannt 🙂

  4. sirdoom schreibt:

    Leider, als der im Kino lief hatte ich keine Zeit 😦

    Idiocracy hab ich natürlich gesehen und bin da zwiegespalten. Einerseits ist der Film teilweise unglaublich peinlich-dümmlich, dann trifft er wieder sowas von brutal den Kern der Wahrheit…

  5. Nyx schreibt:

    Japps… v.a. der Einstieg mit den „Stammbäumen“ ist sehr treffend…

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