„Kongo – Pilcher mit Sturmgewehren“

KONGO spielt vor dem Hintergrund eines fiktiven Auslandseinsatzes der Bundeswehr im Ostkongo, wo weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit seit langem ein immer wieder neu aufflackernder Krieg und Bürgerkrieg tobt.

Oberleutnant Nicole „Nicki“ Ziegler, Ermittlerin bei den Feldjägern, wird zu einem Auslandseinsatz nach Bukavu in den Ost-Kongo geschickt, wo deutsche Soldaten im Rahmen eines EUFOR-Einsatzes die Blauhelm Mission der UN unterstützen. Gemeinsam mit ihrem erst mal großkotzigen Kollegen Malinckrodt soll sie den Selbstmord des Soldaten Wenz klären, der sich offenbar in der Bar des Feldlagers erschossen hat. Doch als Nicki auf dem Handy des Toten ein obskures Video findet, das den Tod in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt, vermutet sie nicht Selbstmord, sondern Mord, was die Führungsoffiziere der Truppe nicht gerade begeistert.

Kongo ist wieder eines dieser Beispiele, wo man sich einfach ärgert. Gut gewollt, mittelmäßig umgesetzt. Trotz vergleichsweise aufwändiger Außendrehs, hat der Film das Look&Feel von GZSZ-Kinematographie, Rosamunde Pilchers Kongo mit mehr grau. Bildlich etwas mehr Michael Bay wäre ein Segen gewesen. Der militärische Ausrüster der Produktion hat sich übrigens durchaus Mühe gegeben, aber so wirklich überzeugend war das auch nicht.

Aber das eigentlich Problem ist das Drehbuch. Gute Dialoge und Ideen werden umgehend durch Peinlichkeiten und Clichés wieder vernichtet. Spannende Momente durch Familienfilmgefühlsduselei konterkariert, wichtige politische Fragen im entscheidenden Moment ohne Konsequenzen gelassen. Mangelnder, filmischer Kompromisslosigkeit folgt ein Film, der das Thema durchaus versucht klug anzugehen und dann immer wieder im Mittelmaß versandet. Es gibt dutzende Tatortfolgen die mutiger waren und auch schon des Öfteren ein ähnlich und besser umgesetztes Thema hatten. Schade ist auch auch um die teilweise durchaus guten Schauspieler.

Positivkritiken wie hier, sind da vollkommen unverständlich, obwohl man auf die Idee kommen könnte, dass hier allein der Versuch gelobt wird. Befriedigend für ZDF-Konsens, ansonsten setzen, mangelhaft. Für eine glatte 6 reicht es dann aber doch nicht.

In der ZDF Mediathek fehlt der Film natürlich, da man die DVD verkaufen will. Dafür findet man ein – durchwachsenes – Behind the Scenes-Feature.

^^Siehe ersten Comment mit Link, schätzungsweise 7 Tage lang abrufbar.

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5 Antworten zu „Kongo – Pilcher mit Sturmgewehren“

  1. Nyx schreibt:

    Gestern ging es, wenn man auf der Seite des „Films der Woche“ (http://fernsehfilm.zdf.de/ZDFde/inhalt/29/0,1872,2101149,00.html?dr=1) über Video starten ging…

    Ich persönlich würde ein „ganz nett“ vergeben (also etwas besser als bei dir durchklingt). Recht positiv fand ich das allgemeine Story-Setting in Bezug auf die aufeinanderprallenden Welten (Waffeneinsatz nur zur Selbstverteidigung in einer Bürgerkriegslage mit unzurechnungsfähigen Antagonisten, abgeschobene Asylbewerberin als Übersetzerin, Umgang mit Kindersoldaten, Frau als Ermittlerin in Männerdomäne, gegensätzliche Interessen der beteiligten Offiziere, psychische und familiäre Belastungen der Soldaten etc.). Problem war, dass keines der Felder erschöpfend abgearbeitet wurde, sondern sie nur angerissen wurden. Ein paar der Konflikte rauskegeln, sich auf den Rest konzentrieren, 120 statt 90 Minuten und dafür dann mal in die Tiefe… die Probleme müssen (und können IMHO teilweise) noch nicht einmal gelöst werden, aber etwas mehr Kampf der Frau Oberleutnant gegen den widerborstigen Hauptmann z.B. oder die Ohnmacht der Soldaten gegen das Chaos um sie herum anstatt nur ein paar lamentierende Seitenkommentare… dann kann’s richtig gut werden.

  2. sirdoom schreibt:

    Was ja auch mein Problem ist: Durchaus guter Ansatz, Potential und dann imho so richtig verkackt.

    Ich schreib nachher noch nen Artikel zu einem der wenigen guten und spannenden Filme in den öffentlich-rechtlichen dieses Jahr!

  3. 3-6 schreibt:

    Was soll man schon von einem Film halten, den Menschen erstellen, die nicht gedient haben.

  4. sirdoom schreibt:

    Gedient zu haben ist keine Vorraussetzung, um Filme übers Militär zu drehen. Da können sogar auch gute bei rauskommen.

    Aber anständige Recherche, Detailgenauigkeit und einfach mal wen fragen, DER Ahnung hat gehören da dann eigentlich zum notwendigen Handwerkszeug!

  5. Pingback: „Zwölf Uhr mittags – auf Amrum“ « sirdoom’s bad company Weblog

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