„Leitkultur – deutsches Politik- und Geschichts-Voodoo“

Intro

Reformationstag und Hochfest Allerheiligen sind feste Bestandteile im christlichen Jahreskalender. Zwischen den beiden Feiertagen liegt jedoch ein für immer mehr Menschen „wichtigeres“ Ereignis: Halloween. Der von Kürbissen geprägte Karnevalsersatz verdrängt die traditionelle Zeit der Besinnung. Wollen wir unsere Kinder lieber mit Monstermasken zum Bonbonbetteln auf die Straße schicken, anstatt ihnen das religiöse Fundament unserer Gesellschaft näherzubringen? Ich sage: Nein. Wir sind in der Pflicht, christliche Traditionen gegen den Zeitgeist zu verteidigen, mag er noch so locker daherkommen. Philipp „Hüftgelenk“ Missfelder, Bundesvorsitzender der Jungen Union in der BLÖD.

>>>—<<<

North and South

Kürzlich fand ein kleiner Parteitag der CSU statt, bei dem Horst Seehofer mitgeteilt wurde, er hätte noch ein Jahr Gnadenfrist und dann wird der Tatort Internet – Adelige Karl-Theodor ins Amt gejubelt.

Als Norddeutscher krampft sich einem ja schon der Magen zusammen, wenn so ein Schluchtenscheißer wie Seehofer was von deutscher“ Leitkultur erzählt. Als geborener Protestant greift man automatisch zu Mistgabel und Fackel, wenn ein verdammter Kathole sowas sagt. Als Beute-Schwede wird sogleich die Armee mobilisiert, wenn die Habsburger Wittelsbacher wieder aufmucken.

Als Vegetarier wird man bleich, wenn man an die Weißwürste denkt. Als Fleischfresser wundert man sich, wie jemand freiwillig Weißwürste essen kann. Als Antialkoholiker ruft man die Polizei und die Therapeuten, wenn man ans Weizenbier denkt. Als norddeutscher Alkoholiker macht man ein Pils auf und wünscht denen die Pest an den Hals.

Wenn jemand weiß, wo im CSU Parteiprogramm  eine klare Definition der deutschen Leitkultur zu finden ist, ich wäre sehr dankbar. Mir sind nur Allgemeinplätze und Einzelaussagen bekannt.

Allerdings gibt es auch genug Gründe das vage Bild der „deutschen Leitkultur“ nicht zu ausführlich zu betrachten. Denn was ist hier Leitkultur?

Sprache kann es nicht sein, denn Bayern, Sachsen, Schwaben und Franken reden auch nichts, was man als Deutsch bezeichnen könnte. Aufklärung und Humanismus? Dazu können BLÖD-Leser auch nichts sagen. Das Christentum? Sicherlich DER entscheidende Punkt deutscher Leitkultur! Was sagen eigentlich die annähernd 30% Atheisten in Deutschland dazu? Ganz abgesehen von den anderen Religionen?

Zieh ’nen Zaun drum, dann gehts

Zwangsläufig kommt man bei dem Thema auch auf Parallelgesellschaften zu sprechen. Die 30-köpfigen, Ölaugen-Ghettofamilien, die alle nicht die Landessprache sprechen. Deren männliche Mitglieder alle Vergewaltiger, Räuber , Mörder und Erpresser sind und deren weibliche Mitglieder minderbemittelte Gebärmaschinen sind. Solche Aussagen sind zwar eindeutig Rassismus, aber sowas wollen wir je keinem Konservativen oder BLÖD-Leser unterstellen.

Parallelgesellschaften sind übrigens schon etwas merkwürdiges. Diese merkwürdigen, zinsgeilen Geldverleiher-Ghettos voller Bartträger mit merkwürdigen Kopfbedeckungen, die zum Glück von guten teutschen, sexy gekleideten Sicherungseinheiten bewacht wurden während des Zweiten Weltkriegs sind wohl mit Parallelgesellschaft nicht gemeint.

Die Japsen-Ghettos im Ruhrgebiet, wo keine Sau Deutsch spricht? Auch ok. Politiker in 2. oder 3. Generation, abgekoppelt vom Bürger in jeglicher Hinsicht? Auch ok! Hessen, in seiner inzestösen Ganzheit? Nicht ok, wenn es nach den Norddeutschen geht und selbst die Bazis wären da wohl etwas vorsichtig. Und was ist mit der Parallelgesellschaft der Superreichen? Eigene Krankenhäuser, Ghettosiedlungen, eigen Schulen, Banken und Kaufhäuser?

Darf ich mich selber eigentlich als „Deutscher“ bezeichnen, nur weil ich hier geboren wurde? Die ehemalige CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer meint, man müsse dazu etwa „ein Grundwissen über deutsche Bräuche und Traditionen vorweisen„.

Na toll, angeschissen. Bin ich nun Staatenlos? Ich habe KEINE Ahnung von Schützenvereinstraditionen und der Mist interessiert mich auch nicht die Bohne. Selbiges gilt für „Trachtenvereine“ und Kegeln.

Unbequeme Wahrheit

Meist ist dies der Augenblick, wo gute, teutsche Stammtischgelehrte die Fresse aufreissen und irgendwas absondert wie „Dann wander doch aus, du Komunnist!„. Als ob dieser Mensch überhaupt wüsste was ein Kommunist ist, oder wie man Kommunist schreibt. Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen, alias Friedrich der III.,  pflegte in solchen Momenten gerne zu sagen „Machd doch eiern Drägg alleene!„, auch wenn dieses Zitat meist nur in Zusammenhang mit seiner erzwungenen Abdankung am 8. November 1918 erwähnt wird.

Was bei all dieser Diskussion nämlich untergeht, ist folgendes kleines Problem. Die Staatswerdung Deutschlands ist eine künstlich herbeigeführte Situation. Wer von deutscher Geschichte Ahnung hat, dem ist bewusst, was für ein bunter Flickenteppich der deutschsprachige Raum ist.

Wir waren schon immer Multikulti. Ohne Multikulti  gäbe es gar kein Deutschland!

Dass wir uns dabei alle an gewisse grundlegende Spielregeln halten müssen, damit dieses Flickwerk funktioniert ist eine vollkommen andere Geschichte!

Alle Religionen Seindt gleich und guht wan nuhr die leüte so sie profesiren Erliche leüte seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land Pöpliren, so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen.*Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz

*hochdeutsche Übersetzung: „Alle Religionen sind gleich und wenn nur die Leute, die sich bekennen, ehrliche Leute sind, auch wenn es Türken und Heiden sind, die kämen und das Land besiedeln wollten, so bauen wir ihnen Moscheen und Kirchen.“ aus dem Immediat-Bericht des General-Directoriums, Berlin 15. Juni 1740: Ein Katholik sucht in Frankfurt das Bürgerrecht nach – Rand-Verfügung des Königs.

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, Kunst&Kultur, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu „Leitkultur – deutsches Politik- und Geschichts-Voodoo“

  1. Kathe schreibt:

    Wobei das Zitat von Friedrich dem Großen nur beweist, daß der Preußenkönig (ungeachtet seines immer noch absoluten Machtanspruchs, des Leids, das seine Militärpolitik – Schlesische Kriege 1 bis 3, Soldatenwerbung in Nachbarländern – verursacht hat und der Ausgaben für sein Privatvergnügen – Neues Schloss in Potsdam, noch ehe sein Land sich auch nur ansatzweise von den wirtschaftlichen Folgen des Siebenjährigen Krieges erholt hatte) in einigen seiner Ansichten seiner Zeit auf eine positive Art deutlich voraus war.

  2. Cunningham schreibt:

    @doomi: Du bist BEUTE-Schwede?

    Kennst Du nicht den Spruch: „Trau, schau wem, keinen Schweden, keinen Dänen!“

    Dazu hat sich auch schon Dein Mitbewerber ausgelassen http://ace-kaiser.blogspot.com/2010/10/tipps-die-bundesregierung-ii.html

  3. XDragoon schreibt:

    Nationalismus hat eben als Polarisierungsinstrument ausgedient, daher muss ein europa- bzw. eher EU-weit verbindendes Element herangezogen werden, wenn man dennoch unbedingt nicht dazugehörige ausgrenzen will. Und da z.B. sowas wie Menschenrechte nicht passen, da es in der EU ja auch Staaten gibt, die noch die Todesstrafe in ihrer Verfassung haben (z.B. Hessen) nimmt man eben das noch weniger passende Christentum.

    Und mal als Kontrast zur CDU:

    „Kein Religionsbezug in der Landesverfassung

    Ein weltlicher und demokratischer Staat steht für die Achtung von Menschen unabhängig ihrer religiösen Ansichten. Statt spezifischem Religionsbezug fordern wir ein Bekenntnis zu allgemein gültigen Werten, auf denen die Gesellschaft aufbaut. Deutschland garantiert als weltlicher Staat Religionsfreiheit. Religiöse und religionsfreie Weltanschauungen sind Privatsache und die Freiheit der Wahl sowie Gleichbehandlung ist durch eine Verfassung ohne Bezüge zu einem Gott oder einer bestimmten Religion zu garantieren.“

    Quelle: Landtagswahlprogramm der Piratenpartei Rheinland-Pfalz ( http://wiki.piratenpartei.de/RP:Landtagswahl_2011/Wahlprogramm/Offiziell )

  4. Farmerboy schreibt:

    Hessen ist kein Staat.
    *Norddeutscher Klugscheisser-Modus*

  5. Thomas schreibt:

    Deutsche Leitkultur: Döner, Titten auf Seite Drei, Lohnarbeitsismus, Alkohol, Kinderlosigkeit, Einkommensschere, Karneval/Fasching/Alkohol (ja, hatten wir schon), Wissen, dass alle Politiker Lügen aber trotzdem alles ignorieren und die Wahrheit ins Kabarett abschieben.

  6. wusselpompf schreibt:

    Ich als Hesse sehe den Neid der niederen Sachsen ja immer mit Humor 😀

  7. sirdoom schreibt:

    @Kathe: Der alte Fritz war nun mal trotz seines ziemlich aufgeklärten und liberalen Stils immer noch ein Monarch und ein Kind seiner Zeit.

    Ist genauso, als wenn man Martin Lutter Antisemitismus wirklich zum Vorwurf macht. Antisemitismus war der Standard zu der Zeit. Judenghettos und Progrome sind ja auch keine Erfindung der Nazis oder der Deutschen allgemein…

    @Cunningham: Wobei Ace sich ja zumindest um etwas Objektivität bemüht, während ich das Polemikpedal bis zum Anschlag durchtrete 😉

    Als Norddeutscher solltest du mit Aussagen über Schweden vorsichtig sein. Wir alle in Norddeutschland waren mal Beuteschweden. Gustav Adolphder coole von den zwei „deutschen“ Adolfs*g* – und Dreißigjähriger Krieg, klingelt da was? 😉

    @XD:Todesstrafe in ihrer Verfassung haben (z.B. Hessen)“ >>> Ist schon etwas übertrieben, da Bundesrecht Landesrecht bricht. Es ist ehr peinlich, dass man sich noch nicht drum gekümmert und rausgestrichen hat.

    Ich bin ja persönlich der Meinung, dass die CDSU nur so auf Christentum und Leitkultur setzt, weil sie Schiss davor haben wie die SPD zu enden(Aufsplitterung, gleichzeitiger Verlust von Wechsel- und Stammwählern). Religion ist den CDSU-Granden eigentlich – bis auf vielleicht 1-2 Durchgeknallte – vollkommen wumpe.

    @Farmerboy: Offiziell leider schon, wir müssen aber nicht anerkennen*ggg*

    @Thomas: Deine Version von dt. Leitkultur halte ich für nicht vollständig, du hast noch Wetter, Selbsthass und RTL2 vergessen, wobei dies schon durch Titten abgedeckt sein könnte 😉

    @Wusselpompf: Weiche er hinfort, inzestuöser Binnenlandmolch!*g*

  8. Knut schreibt:

    Ich mag mich irren, aber: Wittelsbacher, nicht Habsburger.

  9. sirdoom schreibt:

    Joa, stimmt@Wittelsbacher. Allerdings standen innerhalb der Katholische Liga die Österreichischen Habsburger 1-2 Stufen höher, deswegen sind die etwas präsenter hängengeblieben. Mein Fehler…

  10. XDragoon schreibt:

    Hessen definiert sich in seiner eigenen Verfassung als Staat – wie übrigens die meisten Bundesländer.

    [zurückgeklugscheißt]

    Und ja, Bundesrecht bricht Landesrecht – aber ich lebte die meiste Zeit der großen Koalition über in Hessen und hatte durchaus die Sorge, dass man für den lieben Roland Koch nicht doch mal eine Ausnahme macht.

  11. Cunningham schreibt:

    @XD:
    Soweit ich weiß, ist der Untershied zwischen einer Konföderation und einer Föderatin (wie wir es sind) die Gewichtung des Bundesrechtes.

    Letztlich sind wir ein Zusammenschluss einzelner Staaten und Bundesregierung sei Dank, wünsche ich mir manchmal austreten zu können.

    @doomi:
    Bin Mennonit!

  12. Avi schreibt:

    Das ist doch alles nur ein ganz blödes Missverständnis: Eigentlich war die deutsche *light* Kultur gemeint. Die Migranten sollen halt nicht so viel Kultur mitbringen. Das verträgt der Durchschnittsdeutsche nicht mehr, könnte zu einem kritischen Standpunkt gegenüber der eigenen Gesellschaft führen …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.