„Cablegate – Operation: Cannot possibly fail“

Wikileaks ist gefährlich. Für den Bürger, die Freiheit und die Sicherheit der Menschen! Zumindest ist dies die Argumentationsstruktur gegen die Veröffentlichungen bei Wikileaks. Der DARPA/CIA Operations-Codename nach dem Iraq  War Diaries Leak war „Operation: Cannot possibly fail

Diejenigen die argumentieren, dass Wikileaks falsch liegt und die Veröffentlichungen „gefährlich“ sind, sind auch der Meinung, dass Regierungen die alleinige Kontrolle darüber haben dürfen, was die Bürger wissen dürfen und was nicht. Und wie wir unserer Regierung vertrauen können, wissen wir ja eigentlich alle, oder muss man da ein paar Schlagworte einwerfen wie „Celler Loch“, „wissenschaftliche Entscheidung für Gorleben“, oder gar gewisse „Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak“?

Jeder der jetzt vor all den Toten warnt, die durch die bösen Veröffentlichungen von Wikileaks verursacht werden, sollte sich folgendes immer vor Augen halten:

Das Konstrukt einer Regierung hat keine Freunde. Eine Regierung tut auch – häufig – nicht das, was für seine Bürger am besten ist. Regierungen haben Interessen und zeitweilige Verbündete. Ihre Bürger zählen da nicht unbedingt zu. Nehmen wir mal ein populäres, polemische Beispiel, bei dem ich mir Mühe gebe, mich zurückzuhalten.

Die USA haben den Irak mit Waffen versorgt, um den Iran anzugreifen. Man hat eine Dekade lang einen Massenmörder unterstützt, um – wenn ich böse wäre, würde ich sagen, weil sie beleidigt waren wegen der Botschaftssache – den Iran kleinzuhalten. Irgendwann hat der Diktator vor Ort nicht mehr mitgespielt. Und schwupps sind daraus zwei Kriege geworden bei denen wie viele Menschen gestorben sind? Zählt man nur die direkten Toten durch die Kampfhandlungen? Oder alles zusammen? Kann man sich aussuchen. Man kann also je nach Maßstab zwischen 200.000 und 2.000.000 Tote ansetzen.

Die Aussage, dass diese Veröffentlichungen Leben gefährden, ist also blanker Mumpitz, ganz davon ab, dass bei den bisherigen Warnungen zu den jeweiligen Leaks auch keinerlei menschlichen Kollateralschäden bekannt geworden sind.

Aber dann gibt es auch spezifische Warnungen, gerade was den Hexenkessel Naher Osten angeht. Und auch hier ist man nur sauer, weil man bloßgestellt wurde. Der Inhalt birgt keinerlei größere Gefahr als der sonstige Umgang miteinander in der Region oder den dort angeplanten kriegerischen Aktionen.

Dass der Großteil der monarchisch organisierten, arabischen Staaten Mahmud Ahmadinedschad für einen ungebildeten, grobschlächtigen Kleinbauern-Kamelficker hält, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig, dass man keine Träne vergießen würde, wenn die USA den Iran wegsprengen würden. Natürlich würde man öffentlich ein bisschen im Zuge der panislamischen Bruderschaft rumheulen, aber intern würden die Sektkorken knallen. Und jeder, der sich mit dem Thema auch nur oberflächlich beschäftigt, weiß dies auch.

Jemen ist ein US-Marionettenstaat und der „Präsident“ ein durchgeknallter Diktator? Die Hälfte der Terroristen vor Ort sind erfunden oder von den USA mal ausgerüstet worden und die andere Hälfte versucht man umzulegen, so what?

Die ganze Geschichte ist halt einfach peinlich. Der eigentliche Grund ist aber viel tiefgehender. Wikileaks stellt einen Angriff auf die geheiligte Kuh der hohen Politik da: Wissen! Und da muss man was gegen tun. Dass der Mist mit diesem doofen Kanonenboot in Vietnam rausgekommen ist, war ja damals schon schlimm genug…

P.S.: Der neue Plan um Wikileaks zu torpedieren und dichtzumachen heißt übrigens „Operation: CANNOT POSSIBLY FAIL A SECOND TIME

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8 Antworten zu „Cablegate – Operation: Cannot possibly fail“

  1. Henning schreibt:

    Ach ja…

    Trivia vorweg: DARPA verdanken wir das Internet. Die haben mit der CIA nichts zutun, da DoD-Dienststelle.

    Zum restlichen Geschwurbel:

    Die USA definieren sich als Supermacht und stellen damit sich und die definierten Interessen des Landes über alle anderen Staaten. Und die USA sind konsequent genug, die Mittel anzuschaffen und einzusetzen, die sie zur Durchsetzung brauchen. Die Folge davon ist übrigens, dass es uns echt gut geht. Mal gucken, was die Leute sagen, wenn es mal nicht mehr so ist.

    Kurz: die USA haben eine um Welten bessere Aussenpolitik als im optativen Raum schwadronierende Länder wie wir.

    Die resultierenden Handlungsweisen im Nahen Osten von den 80er Jahren bis heute kann man gern beurteilen, diese Beurteilungen bewegen sich dann aber auf dem Niveau von Smalltalk über das Wetter.

    Die Kritik, zumindest verstehe ich sie so, hat vor allem folgenden Beweggrund:
    Nichts von dem, was da veröffentlicht wird, führt auf der politischen oder strategischen Ebene zu bahnbrechenden neuen Erkenntnissen. Allerdings macht man der operativen Ebene das Leben schwer. Und das sind nicht irgendwelche Kommitees oder Stäbe, dass sind zum Beispiel Iraker, die für die USA als Übersetzer gearbeitet haben. Oder Infanteristen, die in AFG Dörfer gegen die Taliban schützen. Und das ist einfach falsch.

    Massen an Informationen von der taktischen Ebene sind bestimmt interessant zu lesen, aber der Personenkreis, der das auch einordnen und in ein Lagebild formen kann, liest den Kram sowieso schon.

    ps: Man sollte mal die schwedische Ermittlungsakte von Assange leaken. Da kann er dann beweisen, wie großmütig er mit Informationsfreiheit umgeht.

  2. sirdoom schreibt:

    @DARPA:

    Heute widmet sich die DARPA vorrangig der Terrorismusbekämpfung. In diesem Zusammenhang wurde beispielsweise das sehr umstrittene Information Awareness Office von der DARPA gegründet.

    Ansonsten ist mir bewusst, dass CIA und DARPA nicht dasselbe sind 😉

    Die USA können sich selber definieren wie sie wollen. Diese Definition wird dadurch nicht real. Und wie unglaublich erfolgreich die USA mit der Umsetzung ihrer „Definition“ sind, dürfen wir ja alle immer miterleben. Immer noch besser als Diktaturen wie China oder Schwuchtel-Oligarchen wie in Europa, aber ganz davon ab, könnten sich „die Guten(TM)“ sich auch mal so verhalten. Wäre doch mal nett. Und nicht andauernd Scheiße bauen…

    Natürlich bieten die aktuellen Leaks keine besonderen Geheimerkenntnisse. Wenn dem so wäre, wäre das Geschrei ja auch noch viel größer.

    Dein Beispiel ist übrigens der einzige Punkt der mich ebenfalls stört.

    Beispiel Iraker, die für die USA als Übersetzer gearbeitet haben. Oder Infanteristen, die in AFG Dörfer gegen die Taliban schützen. Und das ist einfach falsch.

    Informanten vor Ort in Lebensgefahr sind zu schützen, in dem man ihre Namen unkenntlich macht.

    Die operativen Probleme von Botschaftsstaff hingegen sind kein bedauerliches Problem in diesem Zusammenhang.

    Die schwedische Ermittlungsakte von Assange würde ich auch gerne mal lesen, weil ich wissen will, ob man sich die Mühe gemacht hat, da was anständiges zu fälschen oder ob da gleich gar nichts drin steht! Der Ablauf der Aktion lässt jedenfalls eine Schlangengrube erahnen. *g* 😉

    P.S.: Der Angriff des australischen Attorney-General Robert McClelland auf Assange ist übrigens eine Frechheit. Australische Regierung will Australier den pass entziehen und/oder ihn einbuchten, weil er US-Geheimnisse preisgibt? Was für abscheuliche Hinterlader-Marionetten!

  3. Henning schreibt:

    @ IAO: Also sowas wie Google? 😉 Uuuhhuuuu…

    Die USA verfolgen ihre Interessen, dass sie die Menschenrechte und Freiheit von allen gegen jeden verteidigen wollen, dichten nur die Deutschen ihnen an.

    @ Informanten: und genau das passiert eben nicht. Nur, weil der Name wegfällt, wird Auswertung und Zielfahndung nicht unmöglich.

    @ Assange: Entweder sie erledigen auf die russische Tour oder sie sorgen dafür, dass er als alter Mann im Schlaf stirbt. Das dürfte allerdings die einzige Möglichkeit sein, das sein Tod den USA nicht angelastet wird…

  4. sirdoom schreibt:

    @IAO: Na ja, Google kann sowas sicherlich auch wenn sie es drauf anlegen. Aber so wie du es formulierst, klingt es etwas sehr verharmlosend. Selbst eine neutrale Beschreibung sollte einen eigentlich schon misstrauisch machen.

    …by achieving Total Information Awareness (TIA). This would be achieved by creating enormous computer databases to gather and store the personal information of everyone in the United States, including personal e-mails,credit card records, phone calls, medical records, and numerous other sources, without any requirement for a search warrant

    @Informanten: Dann sollte dies anders gehandhabt werden. Sind die Personen allerdings nicht mehr unmittelbar betroffen, dann fällt die Notwendigkeit natürlich weg.

    @Assange: Umbringen werden die ihn nicht, geht ja dann eh jeder davon aus, dass sie es waren. Und da gibts dann garantiert wieder nen Leak ;). Deswegen werden sie auch alles tun, um ihn auf andere, nicht-lethale Weise ruhigzustellen. Australien hat sich ja schon vorgewagt(s.o.)…

    Übrigens ein weiterer Grund, warum diese Veröffentlichungen wichtig sind: „Blackwater/Xe Services verstösst gegen deutsches Kriegswaffengesetz – etc.

    Wenn Regierungen Verbrechen decken, gegen die sie eigentlich vorgehen müssten, dann kann deren Aufdeckung gar kein Verbrechen sein, sondern ist unumgänglich. Ist jetzt vielleicht etwas zu idealistisch, aber wat mut dat mut…

  5. DarkISI schreibt:

    Aus deutscher Sicht ist die Veröffentlichung im Übrigen nicht mal illegal(siehe dazu das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Steuer-CD). Die Nutzung illegal beschaffter Informationen ist legal.

  6. sirdoom schreibt:

    Wobei das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Steuer-CD ein gaaanz flaues Gefühl hinterlässt, was das Thema „fruit of the poisoned tree“ angeht… *grlm*

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