„Little Russian Rape Ridin‘ Hood“

Little Russian Rape Ridin‘ Hood oder die Geschichte von Rotkäppchen, ihrer Freundin und dem bösen, bösen Wolf…

Was steckt eigentlich hinter der Anklage gegen Julian Assange wegen sexueller Belästigung/Vergewaltigung in minderschwerem Fall in Schweden. Abgesehen von einer CIA-Honeypot-Falle natürlich, die aber nicht vollkommen unwahrscheinlich ist…*wink*

Am 20. August 2010 geht Anna A. mit ihrer neuen Freundin Sofia W., die ihr vor kurzem erzählte, dass sie ebenfalls mit Julian Assange verkehrte, zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Deshalb mussten auch die Twitternachrichten von Anna A. gelöscht werden, da die angebliche Tat am 14. August 2010 stattfand. Was jetzt etwas komisch aussieht. Auch die von ihr angefertigte, schwedische Übersetzung des 7-Punkte Plans für Rache, dürfte hierbei ein Indiz sein. Von belastenden Absprache-SMS zwischen Anna A. und Sofia W. reden wir mal lieber nicht, die sind zum Schutz der Zeuginnen unter Verschluss.

Folgerichtig lehnte die erste Staatanwaltschaft den Fall ab. Nun wurde die Sache anscheinend weitergereicht, bis man jemanden fand, der auf diese Gelegenheit schon lange gewartet hatte.

Staatsanwältin Marianne Ny arbeitet nämlich schon länger daran das scharfe, schwedische Missbrauchsgesetz noch weiter zu verschärfen. Einvernehmlicher Sex ist genau dann ein Verbrechen, wenn die Justiz dies nach Lage entscheidet, nicht das Opfer. Bisher ist sie damit noch nicht durchgekommen – verständlicherweise – weshalb sie jetzt versucht das bestehende Gesetz so weit zu dehnen, wie es nur möglich ist. In den drei folgenden Wochen, die Assange übrigens noch in Schweden blieb, war es der Staatsanwaltschaft nicht möglich ihn zu vernehmen. Assange verließ Schweden dann, nachdem die schwedische Einwanderungsbehörde ihn freundlich aber bestimmt aufforderte das Land zu verlassen, da sein Visum längst abgelaufen war. Und dann kam der internationale Auslieferungsantrag…

Die ganze Sache ist eine Farce, was aber die internationale Systempresse nicht daran gehindert hat wochenlang vom „Vergewaltiger Assange“ zu schreiben, jedes Mal, wenn es neue Wikileaks-Nachrichten gab. Erst seit kurzem hält man sich zurück, da die ganze Sache einfach zu offensichtlich eine Farce ist. Abgesehen von Fox News und dem Springer-Verlag natürlich. Wobei die zum Springer-Verlag gehörende WELT ehr damit beschäftigt ist, die richtigstellenden Kommentare ihre Leser zu löschen, als sich um ihre Art von Journalismus zu kümmern, was auf eine gewisse Weise vielleicht nicht mal schlecht ist, denn diese Art von „Journalismus“ wird es zwar immer geben, aber sie wird zunehmend irrelevanter.

Leseempfehlung: 5 Aspekte der aktuellen WikiLeaks-Revolution auf Neunetz.com

Aber, was hat die ganze Geschichte jetzt mit den Russen zu tun? Abgesehen davon, dass Rotkäppchen ein rotes Cape getragen hat und die Russen nun mal die „Roten“ sind…

Nun ja, die Russen lachen sich gerade auch im Zusammenhang mit dem Friedensnobelpreis für den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo den Arsch wund und ballern diplomatisch eine Schote nach der anderen raus.

Der Kreml regt den Friedensnobelpreis 2011 für Assange an[Quelle] und Vladimir Putin beißt sich auf die Zunge, um nicht lauthals lachen zu müssen und verkündet[Quelle]:

Wenn Demokratie, dann völlige! Warum hat man denn Herren Assange hinter schwedische Gardinen gebracht? Zuerst sollte man unter dem eigenen Teppich kehren womit ich den Ball an meine amerikanischen Kollegen zurückgebe

Man beachte das „wenn“ am Anfang. Die Quelle ist übrigens die Russische Agentur für internationale Informationen „RIA Nowosti„, die westliche Propagandastimme des Kreml.

In den USA hingegen kann anscheinend schon das lesen der Wikileaks-Dokumente zu Berufsverboten führen… [Quelle]

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11 Antworten zu „Little Russian Rape Ridin‘ Hood“

  1. XDragoon schreibt:

    Ich war ja schon versucht, ihn für das Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen – das wird ja auch schließlich in inflationäreren Mengen rausgehauen als der Friedensnobelpreis.

    Davon abgesehen ist Putin einfach ein unglaublich sympathischer Kerl, der ähnlich wie Ahmadinedschad oder viele Blogger dem Westen gerne mal den Spiegel vorhält.

  2. sirdoom schreibt:

    Setz „sympathisch“ mal in Klammern, aber ich weiß, was du meinst 😉

  3. Gast schreibt:

    Ich hoffe, ich bekomme keine beruflichen Nachteile, weil ich hier bei Siroom’s Bad Company Weblog lese und kommentiere @.@ (schluck)

  4. sirdoom schreibt:

    Streiche das „beruflich“ und setze ganz allgemein „nachteilig in jeder Hinsicht“, dann stimmts! 🙂

  5. sirdoom schreibt:

    Großes Kino! 🙂 Vladimir Putin mit seiner Interpretation von Blueberry Hill.

  6. Nevermind schreibt:

    Ein bisschen OT, aber das ist nicht ihr ernst, oder?

    quote Spiegel Online
    Und er steht nicht allein damit. Peter King, der designierte neue konservative Vorsitzende des Kongress-Geheimdienstausschusses, legte Ende der Woche die „Securing Human Intelligence and Enforcing Lawful Dissemination Bill“ vor – formell H.R.6506, kurz, knackig und sinnfällig aber einfach „Shield“ getauft.
    Unquote

  7. sirdoom schreibt:

    Doch, hab ich auch schon bei der Washington Post gelesen, der Gesetzentwurf heißt wirklich S.H.I.E.L.D.!

    Und er ist illegal, da er gegen das 1st Amendment verstößt, was denen aber zur Zeit relativ egal zu sein scheint…

  8. M schreibt:

    Was ich ja – unabhängig vom Inhalt betrachtet – immer wieder bewunderwert finde, ist, wie die ihre Gesetze passend zu Akronymen formulieren. 🙂

  9. sirdoom schreibt:

    PATRIOT Act > Providing Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism – Act

    oder auch

    PROTECT Act > Prosecutorial Remedies and Other Tools to end the Exploitation of Children Today – Act

    Allerdings muss man auch mal erwähnen, dass die das nicht immer so hinbekommen, aber so oft wie sie es versuchen, klappt es halt auch dann und wann mal. 😉

  10. Korsar schreibt:

    BTW: Die Englisch-Schwedisch-Übersetzung ist soweit mein Schwedisch reicht richtig.

  11. sirdoom schreibt:

    Da „the Guardian“ das auch sagt, nehmen wir es einfach mal als gegeben! 🙂

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