„Review – Robin Hood (2010)“

Man sollte Material nie in den Archiv-Ordner verschieben, nur weil man es schon so gut wie veröffentlicht hat. So gut wie veröffentlicht gibt es nämlich nicht – was mich daran erinnert, dass ich da wegen einer anderen Sache noch mal nachhaken muss. Was alles übrigens so gar nichts mit der Qualität des Filmes, um den es hier geht, zu tun hat. Der Film ist nämlich durchaus gutklassig.

Robin Longstride (Russel Crow) ist ein charismatischer Soldat, der an der Seite von Richard Löwenherz im Dritten Kreuzzug kämpfte, und nun mit den Soldaten des Königs auf dem Rückweg nach England ist. Nun gilt es nur noch, eine französische Burg zu erobern, deren Bewohner sich der Belagerung verzweifelt zur Wehr setzen. Bei dieser Aktion stirbt König Löwenherz, die ganze Armee fällt auseinander. Die Ritter, die die Insignien des gefallen Königs nach England bringen sollen, werden von Verrätern überfallen und getötet, bevor Robin Longstride und seine Mannen die Verräter – und Franzosen, was man immer wieder erwähnen sollte – vertreiben.  Einer der sterbenden Ritter, Sir Robert Loxley nimmt Longstride das Versprechen ab, nach England zurückzukehren und seinen Vater zu informieren.

Währenddessen erweist sich König John als weinerlicher Versager und alles läuft auf Bürgerkrieg und Krieg gegen die Franzosen hinaus. Robin Longstride wird inzwischen von Sir Walter Loxley (Max von Sydow) als dessen Sohn anerkannt, um das Lehen zu retten und Lady Marian (CateBlanchett)  darf ungefragterweise mitspielen. Danach kommt: Woher kommt Robin Longstride? Diebesbandenentstehung im Sherwood Forest. Überforderter Sheriff von Nottingham. Magna Carta zur Verhinderung des Bürgerkriegs. Robin und Marian. Große Schlacht um England. Der Verrat von König John. Und, und, und…

Alles gut gemacht, schön gefilmt und zwischendurch blitzt auch mal echte Filmkunst auf. Aber selbst bei einer Laufzeit von 140min wirken die wichtigen Sachen gequetscht und man hat andauernd das Gefühl, das wesentliche Dinge fehlen, während andererseits Szenen ausgewalzt werden, die sehr viel kürzer abgehandelt werden können. Im Endeffekt hat man zwei Filme in einen gequetscht. NOTTINGHAM und ROBIN OF ENGLAND – o.ä.

Russel Crow spielt dabei Russel Crow, der den Gladiator spielt, was nicht schlimm ist, aber man merkt es irgendwie. Cate Blanchett ist hingegen trotz Drehbuchunterforderung bezaubernd kaltschnäuzig. Der Rest des Casts macht seine Sache auch ziemlich gut. Am Ende bleibt eine interessante und auch gute – natürlich historisch ziemlich frei angelehnte – Robin Hood-Verfilmung, die aber weit davon entfernt ist, der Robin Hood-Film zu sein.

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14 Antworten zu „Review – Robin Hood (2010)“

  1. Cunningham schreibt:

    Also ich fand den Film auch sehr gelungen. Vor allem die Darstellung von John ohne Land, der möglicherweise realitätsnaher dargestellt wurde als sonst. Ebenso Richard Löwenherz…

    Doch, der Film fand meine Zustimmung…

    *Russel-Crow-Fan bin*

  2. Agent Pöhlemann schreibt:

    Ich sage nur: Medieval D-Day!
    😀

  3. Farmerboy schreibt:

    Paradoxerweise empfinde ich diesen Robin Hood Film als einen der Besten, schon allein weil sie die Zeit besser eingefangen haben als in so manch anderem Film.

    Und was den historischen Hintergrund der Legende angeht, nun ja, Legende: nix genaues weiß man nich… 😉

  4. sirdoom schreibt:

    Ach, wie gesagt, der Film ist gut und ich mag ihn, aber imho merkt man doch stark, dass das ursprünglich mal auf 2+ Filme angelegt war.

    Und bei der obligartorischen „Freiheit, Demokratie, Rechte“ – Szene hätte ich FAST einen King Arthur-Wutanfall bekommen. Aber war ja nicht so schlimm und im Zusammenhang mit der Magna Carta auch gar nicht mal so an den Haaren herbeigezogen. Hatte aber kurz Bedenken 😉

  5. Cunningham schreibt:

    Die Magna Carta, die John ohne Land gezwungen war zu unterschreiben, ist ja obwohl keines der dortigen Gesetze heute noch bestand hat die Grundlage des britischen Rechts…

  6. Gondrino schreibt:

    Sorry Leute, ich fand den Film ziemlich grottig: hölzerne Landungsboote, französische Invasion in England und die Magna Carta von einem Handwerker geschrieben, dazu noch verwilderte Kinder auf Ponies und eine Frau in Rüstung, also das war mir zu viel freie Auslegung der Geschichte und dann noch dieser hilflose Sheriff; kommt mir auf keinen Fall in die DvD-Sammlung.
    Aber über Geschmack läßt sich ja kaum streiten…

  7. sirdoom schreibt:

    Ach, etwas Suspension of Disbelief bitte! 😉 Und wer King Arthur gesehen hat, ist da abgehärtet. Davon ab, dass auch der Costner-Robin Hood so seine ganz gewaltigen Haken hat. Eigentlich alle Robin Hood Verfilmungen, wenn ich recht drüber nachdenke… Also außer dieser recht aufwendigen Fernsehproduktion mit Patrick Bergin, Jürgen Prochnow und Uma Thurman glaub ich, die Fahrwasser vom Costner-Hood so derbe untergegangen ist.

    Persönlich gibts für mich ja eh nur die BBC Robin Hood Serie aus den 80ern.

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