„WTF – I really need to kill someone!“

Es ist – wie könnte es auch anders sein – Montag. Und die Batterie vom Auto ist tot.

Das Auto steht in der Tiefgarage. 20m zum Anschieben (alleine), dann kommt die 90°-Kurve, die man kriegen muss, sonst knallt man in parkende Autos. Genug Speed bekommt der Wagen ca. 5m Meter vor der Kurve. Da muss man dann in den Wagen hüpfen, Motor anbocken lassen, voller Lenkradeinschlag und beten, dass der Wagen nicht – warum auch immer – ausgeht, weil man das Prozedere sonst noch mal versuchen darf. Beim 3ten „Anlauf“ hat es geklappt,  Jogging fällt heute aus. Auf zur Vertragswerkstatt, Öl, Wasser und Reifendruck ist eh fällig und billige Supermarkt-Autobatterien kauf ich nicht mehr. Aus Fehlern lernt man ja meist. Meistens jedenfalls. Es sind lauter verhinderte Selbstmörder unterwegs, die bei Rot über die Fußgängerampel schleichen, obwohl grade Autos kommen, Fahrradfahrer ohne Lebenswillen, die ohne Zeichen zu geben quer über die Straße ziehen und Einheimische die zur Hauptverkehrszeit mit Tempo 30 auf der Hauptverkehrsader rumschleichen, während die Leute hinter ihnen die Knarren aus dem Handschuhfach holen.

Während die Ölaffen am Wagen rumschrauben, kann man ja mal in das Einkaufszentrum um die Ecke latschen, stehen eh noch Besorgungen auf der Liste. Ich halte nicht an, als mir Achmed mit ausufernder Familie auf der falschen Seite entgegenschlendert. Er murmelt sauer irgendwas in einer fremdländischen Sprache, die ich nicht verstehe, nachdem ich ihn samt Familie beinahe überfahren hätte. Metaphorische Hakenkreuze in meinen Augen überzeugen ihn davon, dass heute nicht der Tag ist, um zum Märtyrer zu werden. Lustige, angeblich fröhliche und unglaubliche nervtötende Amok-Fahrstuhlmusik klingt durch den Markt und mein Magengeschwür meldet sich; es hat Junge.

Ich muss durch einen eigentlich recht breiten Gang. Kosmetikabteilung, es riecht krebserregend nach Chemie – wenn das Parfüm ist kann man auch in Reaktorkühlwasser baden gehen – und zu meiner ungeteilten Freude stehen zwei White Trash Tussis im Gang und schaffen es trotz vergleichsweise normaler Körperfülle den Gang zu blockieren. Sie tun so, als ob sie mich samt Einkaufswagen nicht bemerken. Ein knurrendes „Entschuldigen Sie bitte“ verhallt nutzlos im Raum. Zeit für volle Kraft voraus, die angerempelte White Trash Tussi kommt bis „Ey, was solln die…“ bevor mein freundliches, mit Rasierklingen versehenes „WAS!!!???“ den Geräuschpegel kurz auf null stellt. Auch White Trash Tussis haben Ur-Instinkte, sie bleiben still.

Vor mir schleicht ein junger Vater mit Kleinkind im Einkaufswagen durch den Hauptgang, man nähert sich den Spielsachen. Meine Imperatoren-Sinne spüren eine Erschütterung der Macht als der Vater anfängt alle zwei Sekunden „Ach du meine Güte“ in hoher Kinderstimme zu quieken und dabei auf leuchtend-bunten Spielzeugkram zeigt. Die Katastrophe ist absehbar, da die Objekte der Begierde jetzt in Griffreichweite sind und der Vater auch noch gegenklopft, den Wagen samt Kleinkind aber gnadenlos weiterschiebt, während das Kind gerade die Greiferchen ausfährt. Es kommt, wie es kommen muss, die Heulbombe explodiert mit 180 Dezibel auf einer Frequenz die ich eigentlich nicht mehr hören kann, die aber meine Plomben bröckeln lässt. Während er das kreischende Kind weiterschiebt sagt er „Ach du meine Güte, Bella, nun reg dich mal nicht so auf!„. Ich möchte den Kerl mit einer Kettensäge schlachten. Bin mir sicher einige andere Kunden denken dasselbe.

Die Kassiererin fragt mich nach meiner Postleitzahl. Denke kurz drüber nach irgendwas zu sagen wie „Ich habe keine Postleitzahl„, nenne dann aber aus purer Boshaftigkeit eine nicht existente. Nach 10 Sekunden fällt der Kassiererin auf, dass 5622425 keine in Deutschland gültige Postleitzahl ist. Glücklicherweise fällt ihr nicht auf, dass die Transkription von 5622425 „Leck mich am Arsch du blöde Kuh“ lautet, ist allerdings auch etwas unfair. Sie rechnet zum Dank extra langsam ab.

Auf dem Weg zur Werkstatt werde ich auf einem Zebrastreifen beinah von einem Audi überfahren. Örtliche Politprominenz, ich weiß wo der Kerl wohnt. Geistig ist die Ammoniumnitrat-Lastwagenbombe schon zusammengebaut. Dem Mechaniker steht der Schweiß auf der Stirn. Ja, die Batterie ist leergesaugt, was aber nicht das Problem ist. Stattdessen kann man der Lichtmaschine beim zerlegen zusehen. Schwindender Outputlevel, der nicht mal 1/4 der normalen Leistung bringt. Für Blinker, Bremslicht und Innenleuchte reicht es, ab Abblendlicht wird es kritisch, Anlage und Fernlicht killen das System. Jeden Monat eine neue Batterie und ab jetzt hochtourig fahren, ohne Garantie, dass sich die Sache nicht doch noch weiter verschlechtert, oder eine neue Lichtmaschine. Dem Mechaniker zittern die Hände, als er den Preis nennt. Ein „GAAAAAAAAAARGS!“ schallt durch die Landschaft, es ist meins. Mit kratzender Stimme wird ein Termin festgemacht, vor meinem geistigen Auge implodiert der Ordner mit der Aufschrift „Full HD 100Hz LED 94cm+„.

Der Weg zurück ist vergleichsweise ruhig, trägt aber nicht wirklich zu einem Verschwinden dieses drängenden Gefühls bei. Zu Hause, ich schleppe Kram aus der Tiefgarage in den ersten Stock. Typ den ich nicht kenne wuselt durchs Haus, ich rieche den GEZ-Abschaum schon aus 15m Entfernung. Natürlich fragt er mich, als ich an der Wohnung ankomme, ob ich bei der GEZ angemeldet bin. Ich frage ihn wie er ins Haus gekommen ist. Er fragt mich, ob ich einen Fernseher habe(s.o.)! Ich frage ihn, was der Scheiß soll, wo eh bald alle die gleiche Zwangsabgabe löhnen müssen, wie er ins Haus gekommen ist und ob ich die Polizei rufen sollte. Er sagt, er habe das Recht dazu im Haus zu sein. Ich habe den inständigen Wunsch mit den Gedärmen des GEZler die Innenwände zu dekorieren. Einen kleinen Wutausbruch später tritt er den Rückzug an. Mit viel zu viel Gepäck versuche ich die Tür aufzuschließen, natürlich fällt die Hälfte runter. Das Telefon blinkt wild ob der Anrufe in Abwesenheit, ich frage mich ob ich meine Emails abrufen soll, da dies Unheil für die Welt bedeuten könnte. Es gibt so Tage…


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13 Antworten zu „WTF – I really need to kill someone!“

  1. Ravenscroft schreibt:

    „A briefcase, a lunch and a man on the edge…“

    Solche Tage sind wunderbar… Mir sind an so einem Tag die Zeugen Jehovas in die Quere gekommen. Die sind nie wieder gekommen *hysterisches Lachen*

  2. 3-6 schreibt:

    Bei mir hat es damals geholfen, einfach nur die Abnehmerbürsten der Lichtmaschine auszutauschen. ADAC, Dauer 15 Minuten, Kosten erinnerte 8,50€.

    Aber ich fuhr ja auch ein aus dem vollen Stahl gefrästes deutsches Automobil und nicht so ein vierrädriges frankonisches Gefährt mit 20 Rückwärts- und 1 Vorwärtsgang.

  3. sirdoom schreibt:

    Danke für den Tipp, da werde ich mal nachhaken!

    Frankonische Gefährte haben als Problem nur die Bordellfederung und miserable Kurvenlage. Dat mit den Gängen sind die Italiener, abgesehen von gewissen italienischen Sportwagen, denen man aber beim Rosten in Nordeuropäischer Luft zusehen kann 😉

    Und eigentlich bin ich immer noch sauer…*grlm*

  4. Cunningham schreibt:

    Man doom, da hast Du ja… , alta was nen Scheißtag.

    Ich hätte hier in Hamburg letztens beinahe ein paar Schlipsträger morgens und Mann mit Hund abends platt gefahren.
    Gucken in meine Richtung, haben rot und gehen trotzdem los… solche Wichser.

    Aber mit Einkaufen, da hast Du es ja echt…

  5. Andai schreibt:

    Hm, fast schon normaler Tag in Berlin. Sei froh, dass du hier nicht Bus fahren musst..oder als halbwegs ordentlicher Radfahrer troz Signalen und Erkennbarer Kleidung in der 30er Zone fast umgekarrt wirst ^^.

    Doom, du sprichst mir aus der Seele und hast wenigstens meinen Tag gerettet, danke fürs Lachen 😉

  6. Thumbs schreibt:

    Wollte er Dir ’ne neue Lichtmaschine verkaufen oder eine instandgesetzte? Ist deutlich günstiger bei gleicher Garantie.

  7. sirdoom schreibt:

    Also an den Abnehmerbürsten lag es nicht, aber danke für den Tipp.

    Wäre eine instandgesetzte Lichtmaschine, beim Preis einer neuen wär ich an dem Tag wohl auch explodiert…

    Wobei Autoteile, wenn man die Massenproduktion betrachtet, irgendwie insgesamt verdächtig teuer sind…

  8. C.Cloud schreibt:

    bevor du dich beim nächsten mal zuviel Abrackerst… als ADAC Goldmitglied oder Fahrzeugführer eines solchen kommt der ADAC zu dir in die Garage und hilft dir bei Startproblemen… die haben meist auch eine sehr gute Meinung zu solchen Problemen, da sie nicht die großen Gewinninteressen haben (Die neue Batterie müsste man ihnen im Zweifelsfall zugestehen)

  9. sirdoom schreibt:

    Wenns nur um ne neue Batterie gehen würde, würde ich Jubelschreie ausstoßen, also vergleichsweise 😉

  10. Thumbs schreibt:

    Was ist den defekt? Die letzte Reperatur eines Generators hat mich ’nen 10 gekostet.

  11. sirdoom schreibt:

    Gargs, musst du sowas jetzt sagen? Auf dem Datenblatt steht multipler, mechanischer Defekt und Verschleiss, nach 7 Jahren kann das auch ehrlich gesagt passieren. Ist im Endeffekt preiswerter geworden als erwartet, aber immer noch zu viel, weil man natürlich in einer Werkstatt immer beschrubbt wird und es billiger ist, wenn wer privat von Ahnung hat.

  12. Thumbs schreibt:

    Ich selbst habe auch nicht so viel Ahnung davon. Aber meine Kollegen verdienen damit ihr Geld.

  13. Pingback: „Ressourcenmanagement auf NOCH höherem Niveau“ « sirdoom’s bad company Weblog

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