„Nuclear Fallout 2011 – Infowar“

Die Informationspolitik der japanischen Regierung, der japanischen Atomaufsichtsbehörde und des Betreibers TepCo war bisher den Begriff „Information“ nicht wert. Erst gab es keine Strahlenmesswerte, dann waren die „under survey„, dann waren es Mikro-Sievert und nun sind es plötzlich Milli-Sievert. Da liegt ja auch nur der Faktor 1000 zwischen. Erst bestand keine Gefahr, dann war die Gefahr äußerst gering und ganz plötzlich fliegen die Containment-Bunker durch die Landschaft. Natürlich alles vollkommen unvorhersehbar. Und dann taucht Alt-Kanzler Helmut Schmidt auf und zeigt für diese Mischung aus Inkompetenz und Verlogenheit Verständnis.

Es ist notwendig, vermeidbare Paniken zu vermeiden. Die Regierung ist nicht gezwungen, alles zu sagen, was sie weiß. Sie ist nur dazu gezwungen, dass das, was sie sagt, der Wahrheit entspricht. Sie dürfe nicht lügen.“ Helmut Schmidt in der Zeit/15.03.2011

Diese Aussage zeigt eindeutig den Generation-Gap und die Unvereinbarkeit zwischen obrigkeitshöriger Gründerzeit der BRD samt Rückständen der Nazi-Nibelungentreue und der Realität des Internetzeitalters auf.

Bereits am Wochenende wanderte ein Text sowohl in deutscher Fassung als auch in englischer durch die sozialen Netzwerke. Die deutsche Fassung erschien auf „Die Achse des Guten“ und erklärt, warum es in Japans Atomkraftwerken garantiert nicht schlimmer werden kann[Link]. Wie fast schon zu vermuten, ist dieses Machwerk ziemlich wahrscheinlich nicht nur Propaganda, sondern ein Astroturfing-Versuch der Atomlobby, die allerdings rechts von der Realität überholt wurde[Link].

Merksatz: Wenn Containment-Beton-Teilchen durch die Landschaft fliegen, glaubt nie denjenigen die behaupten, dass  „alles unter Kontrolle“ sei.

 

 

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Antworten zu „Nuclear Fallout 2011 – Infowar“

  1. rabenaas schreibt:

    Danke für die Links und die anhaltende Berichterstattung. Im Grundsatz aber muss ich Schmidt trotzdem Recht geben: Der Staat kann nicht 100% transparent sein, da der Bürger weder 100% intelligent und besonnen ist noch so reagiert. Mit der Ansage des Kapitäns: „Guten Tag, die Titanic wurde gerade von einem Eisberg gerammt und wir haben nicht genug Plätze auf den Rettungsbooten, bitte geraten sie JETZT in nackte Panik und töten sie sich gegenseitig, mögen die Stärksten gewinnen“ ist letztlich niemandem geholfen, und es hätten nichtmal die mickrigen wenigen Überlebenden überlebt.

    Ebenso bezweifele ich, dass es beim Mauerfall sinnvoll gewesen wäre hätten alle involvierten Regierungen das volle Ausmaß dessen was sie wissen offiziell verlautbart.

  2. Cunningham schreibt:

    Der die Realität überholende Link führt zu einem „suspendierten Account“ …

  3. sirdoom schreibt:

    Krass, vor einer Stunde ging der noch, keine Ahnung was da los ist.

    Da war nachzulesen, dass die Seite, die den Bericht von Dr. Oehmen online gestellt hat, einige interessante Verbindungen zu Nuklear-Lobby Organisationen und Siemens hat.

    Als Beispiel: Die Quellen und Websites die in dem „Alles ok-Oehmen-Artikel“ verlinkt werden:

    world-nuclear-news.org: This site belongs to the “World Nuclear Association (WNA)”. So, what does Wikipedia tells us about it? „The World Nuclear Association (WNA), formerly the Uranium Institute, is an international organization that promotes nuclear power and supports the many companies that comprise the global nuclear industry.

    bravenewclimate.com: Registered by Mr. Barry Brook from the University of Adelaide where he holds a professorship for “Climate Change & Sustainability”. As such, he’s not exactly likely to be an expert on nuclear power plants as such either. Furthermore, he’s a *strong* lobbyist for nuclear power as well but let his words speak for himself: „Fortunately, the world is passing them [Greenpeace & other environmentalists, Ed. note] by. Australia should too. It’s time to go nuclear green.

    ansnuclearcafe.org: This website belongs to American Nuclear Society (ANS), another lobbying organisation. Let’s cite Wikipedia again: “Its main objective is to promote the advancement of science and engineering relating to the atomic nucleus.” Note the word “promote” – these guys *promote* nuclear power plants and that stuff. They’re (among other topics) in *marketing*

  4. sirdoom schreibt:

    @AAS: Wenn aber die ganze Welt nachprüfen kann, dass das was sie von sich geben Bullshit ist und das Zurückhalten von Messwerten recht offensichtliche Gründe hat und sogar andere Staaten Aufklärung FORDERN, dann hat dies nichts mit dem Schutz der Bevölkerung, sondern mit dem Verspielen von jeglicher Glaubwürdigkeit zu tun und ist IMHO weitaus fahrlässiger.

  5. XDragoon schreibt:

    Ich weiß, ich trage gerade nicht wirklich zur Diskussion bei und ich bin mir auch bewusst, dass es einen gewissen Unterschied zwischen einer Atombombe und einem GAU gibt, aber trotzdem, in diesem Sinne:

  6. 3-6 schreibt:

    http://www.grs.de/informationen-zur-lage-den-japanischen-kernkraftwerken-fukushima-onagawa-und-tokai

    Alle Informationen, komisch nur, dass die Presse sowas nicht auf die Reihe bekommt.

  7. sirdoom schreibt:

    Du hast aber schon gelesen, dass die sich häufig auf „Presseinformationen“ berufen und die Presse sich das auch erkämpfen muss, weil TepCo bisher ziemlich gemauert hat – zumindest über das WE. Ansonsten ist das eine schön informative Auflistung!

  8. Thomas schreibt:

    Komisch ist das nicht. Einmal besteht die Presse ja nicht aus Spezialisten, zum anderen deren Publikum auch nicht, da heißt Informationen müssen aufbereitet werden. Die Liste unter deinem Link kann man sich zwar erschließen, aber Tagesschautauglich sind sie nicht. Beispiel, es werden abwechselnd die Ausdrücke „Containment“ und „Reaktorsicherheitsbehälter“ verwendet, die dieselbe Sache zu meinen scheinen, was das Verständnis nicht gerade erleichtert.
    Des weiteren hat die Presse ja auch noch Erdbeben, Tsunami, Flüchtlingselend, Blackouts,… auf der Agenda.
    In soweit finde ich es einleuchtend, dass eine Kommunikation von Spezialisten an Spezialisten, oder zumindest nicht an Laien, an der Sache informativer ist.

  9. sirdoom schreibt:

    Japan was warned more than two years ago by the international nuclear watchdog(IAEA) that its nuclear power plants were not capable of withstanding powerful earthquakes, leaked diplomatic cables reveal. [Link Daily Telegraph]

  10. 3-6 schreibt:

    Was im Nachhinein betrachtet nicht richtig ist, da erst der Tsunami die Stromversorgung gestört hat.

    Wobei ich mich echt frage, wen da bei der Planung der Teufel geritten hat =)

  11. sirdoom schreibt:

    Ich könnte mich zwar selber schlagen sowas zu sagen, aber man darf natürlich nicht vergessen, wann diese Reaktoren gebaut worden sind(Projektbeginn 1966 – 45 Jahre), mit Planung ist es ja noch länger her. Deshalb wird – ich weiß grad nicht in welchem der Blöcke – auch Atom-Restmüll in den obersten Stockwerken gelagert, lief gestern Nacht auf BBC.

    Dass sich nicht mal zwischendurch jemand das Gesamtkonzept angeschaut hat und dabei festgestellt hat, „SO geht es nicht weiter“ ist eine andere Geschichte.

  12. Ben Teddy schreibt:

    Vielen Dank für die informativen Links. In den Medien habe ich gehört, dass die japanische Regierung ihre Informationen ja auch nur von der Firma TepCo beziehen kann und somit keine Schuld an den anfänglichen Informationsmangel hat.

    Weiß jemand von euch welche Folgen ein Supergau hätte?
    Nach Medienangaben soll z.B. Tokio für mehrere tausend Jahre nicht mehr bewohnbar sein und auch hier zu Lande soll laut eines Physikers eine erhöhte radioaktivität messbar sein, wenn diese auch nicht gesundheitsschädlich sein solle.

    Nach einer vollkommenen Kernschmelze lässt sich das Plutonium wohl nicht wieder eindämmen und verseucht das Grundwasser und über Jahre hinweg den ganzen pazifischen Ozean, der die Radioaktivität überall hinträgt. @.@

  13. Knut schreibt:

    Der Knackpunkt ist halt auch: Wenn ein Gaskraftwerk brennt, dann kann man es löschen. Und wenn es so richtig auseinander fliegt, dann dreht man die Zuleitungen ab und lässt es halt abfackeln. Abgesehen von den Leuten, die das Pech hatten grade in der entsprechenden Schicht zu arbeiten, trifft es keinen, und wenn das Feuer erstmal aus ist, dann ist die Sache gegessen.
    Bei einem AKW gilt aber: Je schlimmer es wird, desto schwerer kommt man ran. Ich stelle es mir schwierig vor, einen Reaktor unter Kontrolle zu bekommen, dem man sich nicht nähern kann. Außer man macht es wie die Russen und schickt einfach ein paar tausend Soldaten rein, wohl wissend dass die daran mittelfristig verrecken werden.
    Und es ist dann auch nicht damit getan abzuwarten, bis es vorbei ist.

    Inkompetenz, Ignoranz und Gier sind die Risikofaktoren, die unkalkulierbar sind, von Böswilligkeit mal ganz abgesehen. Von daher ist „sicher“ bei AKWs auch eher relativ.
    Und seien wir ehrlich: Mir ist eigentlich egal, wo der Atommüll in 1 Mio Jahren ist. Mich würde eher interessieren, wie sicher er noch in 50 oder 100 Jahren verstaut ist.

  14. 3-6 schreibt:

    Ben:

    AFAIK ist nicht zwingend, dass bei einer Kernschmelze der „uranium puddle“ alle Barrieren überwindet. Und angeblich ist unter dem Kraftwerk eine riesige Schicht Gestein. Vielleicht hilft das ja.

  15. farmerboy schreibt:

    So als kleiner Vergleich, Tschernobyl hatte ca 1 Mio Quadratkilometer verseuchte Erde zur Folge.

    Und so hart es ist: sind wir in Japan nicht an dem Punkt wo die Methode Russland angesichts der möglichen Folgen(Supergau, Grundwasser, Pazifik) nicht eine Option darstellt?

  16. sirdoom schreibt:

    Vor Ort Bilder Fukushima, die Aufnahmen wurden von Bord eines Hubschraubers gemacht und am Donnerstag von der Zeitung „Asahi Shinbun“ ins Netz gestellt

  17. sirdoom schreibt:

    Nachtrag zum Link von oben(Daily Telegraph/IAEA), die Zeit berichtet da jetzt auch drüber: LINK

  18. sirdoom schreibt:

    ??? Ist die Mitglied der „Church of Atom„(Fallout 3)???

    Aber schauen wir mal kurz nach, wer Ann Coulter eigentlich ist…

    Coulter liegt im Clinch mit der liberalen New York Times und bedauerte einmal, dass der Oklahoma-City-Attentäter Timothy McVeigh nicht zum New-York-Times-Gebäude gegangen sei.

    Aha! Aber mal schauen, was sie sonst so von sich gibt.

    Wir wissen, wer diese mörderischen Verrückten sind. Es sind diejenigen, die jetzt jubeln und tanzen. Wir sollten in ihre Länder einfallen, ihre Führer töten und sie zum Christentum bekehren.

    Muslime sollte der Zugang zu Flugzeugen verwehrt bleiben, als Alternative sollten entweder fliegende Teppiche oder Kamele dienen

    Das Problem mit dem Frauenwahlrecht ist […], dass Frauen nicht verstehen, wie Geld verdient wird. Aber sie haben jede Menge Ideen, wie man es ausgibt.

    Gott gab uns die Erde. Wir herrschen über die Pflanzen, die Tiere und die Bäume. Gott sagt: ‚Das ist eure Erde. Nimm sie. Vergewaltige sie. Sie gehört euch.

    Ann Coulter ist eines dieser Beispiele von radikalchristlichen Rechten, wo man aktiver Satanist werden sollte, falls Gott wirklich auf deren Seite ist.

    Vielleicht wäre es hilfreich Ann Coulter auf Fukushima zu droppen, ihr schadet es nach eigener Aussage nicht und vielleicht kann sie da dann ja etwas aufräumen…

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