„Lex Christi Europa*“

*nicht allzu richtiges Latein

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sieht durch Kruzifixe in Klassenzimmern keine Grundrechte verletzt – weder das Recht auf Bildung, noch das Recht auf Religionsfreiheit und widerspricht damit seiner eigenen Entscheidung von 2009.

In Italien, wo der Streit damals begann, hatte es nach den ersten Urteilen in den Instanzen, die den Klägern recht gaben, großes Geheul gegeben.

Das Kreuz könne niemanden beleidigen„, sagten sogar die oppositionellen Linken. Der Vatikan warf dem Gericht gar „laizistischen Fundamentalismus“ vor.

CSU-Rechtsaußen Bernd Posselt sagte kurz vor der Bekanntgabe des Urteils, sowohl Menschenrechtskonvention als auch EU-Grundrechtecharta seien „auch in Zukunft ohne Kreuz und Christentum völlig undenkbar„, sonst drohe der „geistige Zusammenbruch durch Substanzverlust„.

Da fasst man sich schon an den Kopf. Das Kreuz außerhalb von Kirchen, in staatlichen Einrichtungen ist eine Beleidigung der Trennung von Staat und Kirche, ganz davon ab, dass das Kreuz an sich eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand darstellt, aber da will ich mal fair sein und es als persönliche Meinung verbuchen. Was hingegen frech ist, ist die Aussage des „geistigen Zusammenbruches“ ohne Kreuz, gerade in Anbetracht der erst letztes Jahr aufgedeckten Verbrechen der Kirche.

Wie konnte also so ein Urteil in letzter Instanz überhaupt ergehen? Ganz einfach, Lobbying und Druck der alten Seilschaften, die seit Monaten daran arbeiten. Allerdings hat man sich beim Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein – zumindest theoretisches – Hintertürchen offengelassen, damit es nicht ganz so erbärmlich aussieht. Denn Kruzifixe sind nur legal, sofern es zu „keiner Form der Indoktrinierung“ kommt.

Interessanterweise wird dieses Urteil unseren lieben Katholisch-Konservativen noch im Hals steckenbleiben, wenn sich die ersten Schleiermädchen darauf berufen. Auf das Geheule bin ich mal gespannt.

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu „Lex Christi Europa*“

  1. sirdoom schreibt:

    Im angesicht des Urteils redet sich doch HIER glatt einer um Kopf und Kragen, was „Sonderrechte“ angeht.

    Dem Teil mit „Grundgesetz first“ stimme ich übrigens vollkommen zu. Danach wird es argumentativ dünn.

  2. Skyrock schreibt:

    Interessanterweise wird dieses Urteil unseren lieben Katholisch-Konservativen noch im Hals steckenbleiben, wenn sich die ersten Schleiermädchen darauf berufen. Auf das Geheule bin ich mal gespannt.
    Der Islam gehört historisch nicht nach Deutschland, und damit wahrscheinlich auch nicht zu Europa.
    Auf der anderen Seite kommt es ohne Kreuz zum „geistigen Zusammenbruch“.
    Beides weiß doch jedes Kind (und jeder Jünger der Front National).

    Tada, Fall gelöst.

  3. sirdoom schreibt:

    Die Argumentation ist aber nach aktueller Lage nicht allzu gerichtsfest ;)*g*

  4. Skyrock schreibt:

    Hören Sie auf, meine vorgefasste Meinung mit Fakten zu verwirren!

  5. sirdoom schreibt:

    Tschuldigung, schlimme Angewohnheit von mir religiöse Menschen mit Fakten zu verwirren 😦

    Hilft es wenn ich als Ausgleich 1-2 Kreuzzugsartikel schreibe, die den christlichen Feldzug um Ölreserven gegen Nahost glorifizieren?

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