„For your own Protection!“

Berlin: Mindestens 20 Jugendliche haben in Berlin einen 17-Jährigen bewusstlos geprügelt. Der junge Mann wollte verfeindete Mitschüler bei einem Streitgespräch zusammenführen. Er wurde mit einem Schädelhirntrauma in ein Krankenhaus gebracht[Quelle]. Hintergrund ist natürlich nicht eine Horde gewaltbereiter Asozialer, sondern die virtuelle Klowand auf isharegossip.com, wo sich die Unterschicht gegenseitig ankackt.

Demzufolge hat man jetzt auch nach dem üblichen Muster reagiert und die Seite auf den Index gesetzt. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte den Betreiber des Online-Angebots bis Donnerstag Zeit für eine Stellungnahme gegeben und bereits angekündigt, das Angebot auf den Index zu setzen, falls dies nicht geschehe. Internetseiten, die von der Bundesprüfstelle indiziert werden, können auf den deutschen Versionen der einschlägigen Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo nicht mehr ohne weiteres gefunden werden. Die sechs größten Suchmaschinen in Deutschland hatten sich 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereiterklärt, die von der Behörde indizierten Seiten nicht mehr in den Suchergebnislisten anzuzeigen. Allerdings wird die technische Umsetzung der Sperrung einige Tage in Anspruch nehmen.

Diese Maßnahme ist natürlich vollkommen sinnlos, verhindert keine Gewalt, lässt die Seite nicht verschwinden und wirft – mal wieder – ein bezeichnendes Licht auf unsere Gesellschaft. Schnell verbieten, auch wenn es nicht bringt und „aus den Augen, aus dem Sinn„. Traurig dabei ist, dass es einen nicht mal mehr ansatzweise überrascht, weil man schon amit rechnet, dass wenn deutsche Behörden oder die Politik „etwas tun„, es garantiert dämlich ist…

 

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6 Antworten zu „For your own Protection!“

  1. DerUnheilige schreibt:

    Traurig dabei ist, dass es einen nicht mal mehr ansatzweise überrascht, weil man schon amit rechnet, dass wenn deutsche Behörden oder die Politik „etwas tun„, es garantiert dämlich ist…

    Traurig, aber leider immer wieder wahr. Da sich das Willkürargument „Killerspiele“ sowohl langsam abnutzt, als auch widerlegt ist, muß man sich einen neuen Sündenbock suchen, der blinden, sinnfreien Aktionismus „rechtfertigt“.

  2. sirdoom schreibt:

    Ich warte ja nur auf die Aussage „Twitter ist schuld an illegalen Volksaufständen von Verbrechern und Vandalen, schaltet es ab!“ 😉

  3. gedichtblog schreibt:

    Das Muster ist doch immer simpel: Gesellschaftliche Verhältnisse führen zu gesellschaftlich unerwünschtem Verhalten. Die dominante Reaktion darauf ist nicht die Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern die Kritik jeweils gerade neuer Technologien und kultureller Phänomene, die von der jeweils gerade das Wort ergreifenden Gruppe nicht verstanden werden. Ob das jetzt Jazz, Heavy Metal, D&D, Actionfilme, Gangster Rap, oder bestimmte Web-Angebote sind, ist dabei egal. Die jeweils neuen kulturellen Elemente bilden dabei eine Art „Schutzgürtel“ für die bewährten und vertrauten Elemente.
    Gesehen, dass es meistens Journalisten sind, die das Wort ergreifen, dann besorgte Mütter und Geistliche und ihre Anhängerschaft kann man sich ein Bild davon machen wer tendenziel wie wenig versteht.

  4. Knut schreibt:

    Also im Endeffekt sind Äußerungen von Jugendlichen jugendgefährdend. Kommen Jugendliche jetzt auf den Index?

  5. sirdoom schreibt:

    @Knurt: Joa, sind sie. Genauso wie Kinder Pornos sind…

    @Gedichtblog: Klar, ist die klassische Herleitung. Wobei die Motivation der (ZENSUR-)Schreier natürlich unterschiedlich ist. Journalisten brauchen Kontroversen und Aufmacher, die gelesen werden, also stürzt man sich auch alles was sowas ergeben könnte. Geistlichen geht es darum die Indoktrinationshoheit und das Deutungsprimat der Kirche zu erhalten. Alles was dies bedroht ist oder davon abweicht ist schlecht. Ihre Anhänger und die besorgten Mütter hingegen wissen nicht worum es geht, da es aber „anders ist“, ist es schlecht. Da spielt gerne auch mal Faulheit rein. Wenn nämlich alles wie gewohhnt und einfach ist, dann muss man sich nicht beschäftigen oder sich gar mit den Kinderchen auseinandersetzen…*sigh*

    Aber Geschichte wiederholt sich schließlich niemals, da wir immer aus ihr lernen…

  6. Pingback: „Aufrechte und angemessene Berichterstattung“ « sirdoom’s bad company Weblog

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