„Nuclear Fallout 2011 – Expositionsszenario“

Seit dem Fukushima-GAU wird gerne mit Werten um sich geschmissen, meist ohne irgendwelche Vergleichsmöglichkeiten. Dem soll hier mal abgeholfen werden. Das Sievert (Einheitenzeichen: Sv, nach dem schwedischen Mediziner und Physiker Rolf Sievert) ist die Maßeinheit verschiedener gewichteter Strahlendosen. Sie dient zur Messung der Strahlenbelastung biologischer Organismen und wird bei der Analyse des Strahlenrisikos verwendet. Da 1 Sv eine relativ große Äquivalentdosis darstellt, werden praktisch vorkommende Werte meist mit Hilfe eines SI-Präfixes in Millisievert (1 mSv = 0,001 Sv = 10-3 Sv) oder Mikrosievert (1 μSv = 0,000 001 Sv = 10-6 Sv) angegeben.  Die Äquivalentdosis ist übrigens definiert als die vom Körper aufgenommene Energiedosis durch ionisierende Strahlung multipliziert mit einem Strahlungswichtungsfaktor, welcher der relativen biologischen Wirksamkeit (RBW) der jeweiligen Strahlungsarten Rechnung trägt.

Der entscheidende Faktor, neben der Strahlung an sich, ist die Zeit in der diese aufgenommen wird.

Unbedenkliche Dosis

1mSv (1.000µSv) pro Jahr

0,02mSv (20µSv) pro Woche

0,003mSv (3µSv) pro Tag

0,0001mSv (0,1µSv) pro Stunde

Spontan angesagter Umzug

100mSv (100.000µSv) pro Jahr

2mSv (2.000µSv) pro Woche

0,3mSv (300µSv) pro Tag

0,01mSv (10µSv) pro Stunde

Weitere Richtwerte(das sind ungefähre Richtwerte!):

1,2mSv – ungefähre Strahlendosis beim Röntgen der Wirbelsäule(mit moderner Ausrüstung/Equipmentabhängig)

2,1mSv – Durchschnittsjahresdosis (laut Bundesamt für Strahlenschutz)

2,4mSV – Durchschnittsjahresdosis(laut UNO-Bericht)

10mSv – ungefähre Strahlendosis bei einer Ganzkörper-Computertomographie

100mSv – Jahresdosis, bei der Strahlenbedingte Krebserkrankungen nachgewiesen werden können

250mSv – Richtwert, bei dem Strahlenkrankheit ausbricht, wenn die Menge in kurzer Zeit aufgenommen wird

400mSv – Strahlendosis pro Stunde, Fukushima 1, 15. März 2011

4000mSv – wenn innerhalb weniger Tage aufgenommen, 50% Sterblichkeit

ab 6000mSv aufwärts – wenn innerhalb weniger Tage aufgenommen, annähernd 99%+ Sterblichkeit

Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz, NRC, u.a.

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12 Antworten zu „Nuclear Fallout 2011 – Expositionsszenario“

  1. Miew schreibt:

    Problem ist nur, dass man immernoch nicht weiß, wieviel wo ankommt.
    Da heißt es dann, die Dosis im Leitungswasser ist so und soviel mal höher als das was üblich ist, aber wieviel man davon trinken müsste um irgendwelche Auswirkungen zu spüren kann man sich schwer ausrechnen. Auch, wieviel mSV man letztendlich über verstrahltes Gemüse oder so aufnehmen könnte weiß man nicht. Man weiß eigentlich garnix. 8)

  2. sirdoom schreibt:

    Oh, da kommt vieles zusammen. Neben der Strahlung gibt es auch die rein chemisch-toxische Belastung der Stoffe, die direkte Aufnahme und Verdauung von dem Zeug über Lebensmittel treibt den Äquivalenzwert nach oben, usw… Genau abschätzen kann das keiner und es gibt durchaus genug Argumente für eine eher leichte Auslegung der Strahlenschäden als auch für eine weit schwerere.

    Aber wenn demnächst mal wieder Strahlenwerte im TV verkündet werden, dann kann man sie zumindest grob einordnen.

  3. sirdoom schreibt:

    Kleiner Tipp: ARTE-Dokumentation „Alles im Griff?„[Link]

    Für oder gegen Kernkraft? Wer sich diese Frage stellt, muss auch untersuchen, unter welchen Bedingungen die Nuklearindustrie heute wirtschaftet. Während für die Branche früher die Grundsätze für öffentliche Dienstleistungen galten, werden nun im Zuge der Liberalisierung des Energiemarkts Rentabilitätskriterien angelegt; Finanz- und Gewinninteressen herrschen vor und führen oft dazu, dass Arbeiten von Subunternehmen ausgeführt und Sicherheitsbelange vernachlässigt werden.
    Beschäftigte französischer und anderer europäischer Kernkraftwerke räumen ein, dass es das Nullrisiko nicht gibt. Deshalb kontrollieren sie die Anlagen täglich und decken mitunter Gefahren auf.

  4. Miew schreibt:

    Hmpf, wieso ist mein Smilie da zu einem mit Sonnenbrille geworden? Es sollte in mysteriös schauender Smilie sein, mit einer Acht als Augen, und kein deplaziert cooler mit Sonnenbrille.

  5. sirdoom schreibt:

    Immerhin ist sein unerwartetes Auftauchen in dieser Form ziemlich mysteriös ;). Wobei WordPress einfach nur eine gewisse Anzahl von Smilies kennt.

  6. cerbero schreibt:

    kleinere Ergänzung: von den 2,1 mSv Jahresdurchschnitt eines Deutschen ist der Großteil durch Röntgenaufnahmen und andere medizinische Anwendungen versacht. Manche bekommen allein durch ihren Wohnort mehr natürliche Strahlung ab (Radon, Pechblendeerze usw)

    < 1mSv: keine Überwachung im Berufsleben nötig.
    bis 6 mSv: Grenzwert für die Kategorie A beruflich strahlenexponiertes Personal
    bis 20 mSv: Grenzwert für die Kategorie B beruflich strahlenexponiertes Personal
    400 mSv: Grenzwert für die Lebensarbeitszeit, mehr darf bis zur Rente nicht aufgenommen werden

    (und ja, ich darf so ein netten Filmdosimeter bei meiner Arbeiten tragen, der Geigerzähler ist auch vorhanden. Und trotz Warnungen und Hinweisaufklebern stellen sich die Leute genau neben das munter strahlende Messgerät….)

  7. sirdoom schreibt:

    thx^^

  8. sirdoom schreibt:

    Aktueller Höchststand: „Die von Betreiber Tepco gemessene Radioaktivität in Reaktor 2 erreichte am Sonntag einen Wert von mehr als 1000 Millisievert(mSv) pro Stunde.

    Update: Tepco stellt eigene Zahlen in Frage und rudert zurück, zieht aber Arbeiter ab.

    Und die recht eindringliche Warnung, was ein Tsunami mit ihrem AKW anrichtet haben sie auch ignoriert. Hätte auch richtig Geld gekostet, wenn man es beachtet hätte[Link]

    Update: Anscheinend werden ungewollte Ergebnisse gerne als „Messfehler“ ausgegeben, wie z. B. im AKW Biblis.

    Biblis A ging 1974 ans Netz. Doch erst in den 90er Jahren wurde geprüft, ob das Rohrleitungssystem dieses Reaktors die Basissicherheitsanforderungen erfüllt und der entsprechende Nachweis als gegeben angesehen werden konnte. Das war nicht der Fall. Also wurde entschieden, den Nachweis nachträglich zu erbringen. Im Jahr 2000 wurden zu diesem Zweck Sonderprüfungen durchgeführt. Ergebnis: An einem Verbindungsstutzen zwischen Notkühlsystem und Reaktorkühlkreislauf wurden Risse festgestellt v. Schon zweimal waren in früheren Jahren an dieser Stelle bei Ultraschallprüfungen Anzeigen aufgetreten, die aber als Messfehler interpretiert worden waren.

  9. Henning schreibt:

    Soviel Strahlung wird momentan übrigens gemessen:

    (am Kraftwerk)http://www.grs.de/sites/default/files/Radiation-Data_20110327-1630-Daiichi.pdf

    (in de umliegenden Orten) http://www.grs.de/sites/default/files/ODL-Werte-Poll_110327-1715.pdf

    Die bisher schlimmste Auswirkung des Tsunami ist bisher also das Wahlergebnis von BaWü *g*

  10. sirdoom schreibt:

    Danke @ Link!

    Zu den Landtagswahlen schreib ich noch was*veg*.

  11. Chasm schreibt:

    Noch eine Strahlungsmessung:
    http://english.kyodonews.jp/news/2011/03/81522.html

    Bitte das exceeding beachten! Es gibt, wie bei den vorausgegangen 1000mSv/h Messwerten gestern, die Vermutung das dieser Wert den verwendeten Messgeräten geschuldet ist.

    TEPCO Pressemeldung: http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/11032805-e.html (unten, unterstrichen)

  12. sirdoom schreibt:

    Siehe auch hier

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