„Landtagswahlen 2011 – Entscheidung im Südwesten“

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 2011 sind durch; und wie! Auch wenn die Auguren der Moderne, die Meinungsforschungsinstitute, es schon angedeutet hatten, so wurde die Wahrhaftigkeit der Aussage und ihre möglichen Auswirkungen, vielen erst nach 18:00 klar. Und einige werde noch Tage und Wochen brauchen, um auch nur ansatzweise die möglichen Folgen zu begreifen.

Baden-Württemberg: Ein einziges Massaker! CDU am Boden, SPD stabil, Grüne auf zu neuen Welten, FDP erhält Gnadenbrot. Um 18:00 konnte man so einige Male hören „Tunesien, Ägypten, Stuttgart, Mappus Schreckensherschafft beendet!“ Hier hat sich auch der Fukushima-GAU am – vergleichsweise – wenigstens ausgewirkt, denn die Wahl war eine Wahl gegen Stefan Mappus für irgendwen anders. Am Ende hat Mappus einfach niemand mehr geglaubt, nicht mal seine Parteifreunde, geschweige denn diejenigen, die seit Stuttgart 21 seinen Kopf fordern. Dass der Grünen-Spitzenkandidat und angehende Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, bis auf seine ökologische Ader auch für die CDU hätte antreten können und wesentlich sachlicher rüberkam hat natürlich auch geholfen.

Rheinland-Pfalz: Hier wurden zwar KorruptionsKurt Beckwobei ich aus rechtlichen Gründen anmerken möchte, dass er selber nie Gegenstand von Untersuchungen und Verdächtigungen war, sondern nur seine Mitstreiter – und  seine SPD abgestraft, aber nicht genug, um etwas zu ändern. Die CDU kann zwar einen kleinen Achtungserfolg erreichen, aber helfen tut es ihnen auch nicht. Die Grünen wissen gar nicht wo hin vor Freude und die FDP ist ein Trümmerhaufen, wobei das Ergebnis Rainer Brüderle durchaus endgültig den Kopf kosten könnte.

Wahlentscheidend dürften am Ende insgesamt die Auswirkungen der Katastrophe in Japan gewesen sein, die alles andere überschattet haben. Dabei ist es natürlich Mumpitz die Grünen als Kriegsgewinnler zu bezeichnen, die Grünen sind immerhin seit 30+ Jahren gegen Atomkraft. Allerdings hat die spontane Rolle rückwärts der CDSU und der FDP diese fast jeder Glaubwürdigkeit beraubt. Und hier wird es Konsequenzen geben. In der FDP wird seit längerer Zeit der Königsmord an Westerwelle vorangetrieben und bald ist Parteitag. Westerwelle wird nur schwer umhinkommen Brüderle zu opfern, um selber eine Chance auf Überleben zu haben. Wenn Westerwelle sagt, er habe „verstanden„, wird man abwarten müssen, was er wirklich verstanden hat. Auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel [korrigiert, freudsche Fehlleistung] wird die Luft zunehmend dünner, aber dank ihrer vorangegangenen Säuberungsaktionen ist die Anzahl ihrer Parteiinternen Kritiker insgesamt noch relativ gering. Bei der SPD herrscht hingegen Siechtum auf hohem Niveau, welches durch die Wahlerfolge der Grünen verdeckt wird. Dies wird noch zu einem bösen Erwachen führen, man fragt sich bloß, ob vor oder nach der nächsten Bundestagswahl. Bei den Grünen wird man sehen müssen, wie lange der Höhenflug noch anhält.

Ein Trostpflaster für alle Konservativen: Die Linkspartei spielt weder in Baden-Württemberg noch Rheinland-Pfalz eine Rolle. Es ist also in nächster Zeit nicht mit kommunistischen Revolutionen im Südwesten der Republik zu rechnen, auch wenn Wutbürger in Stuttgart nach Verkündung des Wahlergebnisses schon mal die Bauzäune von Stuttgart 21 niedergerissen haben, während die Polizei sich dünne gemacht hat, um den Fackelzug samt Lynchmob zum Stuttgarter Rathaus zu verhindern.

Mögen wir in interessanten Zeiten leben!Chinesischer Fluch

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20 Antworten zu „Landtagswahlen 2011 – Entscheidung im Südwesten“

  1. Andreas Moser schreibt:

    Nach diesem Ergebnis in Baden-Württemberg könnte ich ja glatt wieder nach Deutschland retournieren.

  2. Cunningham schreibt:

    „…Bundeskanzlerin Andrea Merke…“

    Also ich weiß, ich war nur auf einer blöden Hauptschule, aber heißt die nicht Angela?????

  3. cerbero schreibt:

    Jopp, tuts, aber vielleicht entgeht uns bei irgendwo die Ironie des Imperators 😉

    Für alle die, die ihre Meinung „meine Stimme zählt eh nicht“ vertreten wollen – Der Wahlkreis Tübingen ging mit stolzen 26 Stimmen Unterschied an die Grünen.

    Und ich bin mal gespannt was nun aus S21 wird, die SPD war „eigentlich dafür“ – die Grünen lautstark dagegen.

  4. Eismann schreibt:

    Ich hoffe die Grünen ziehen mal ungebremst durch, alleine um das Endprodukt mal zu sehen. Ist schließlich weit genug weg.

  5. Henning schreibt:

    @Eismann: *lach* Ja …

    Meine Prognosen:

    – Die Klage gegen den Länderfinanzausgleich wird nicht mehr angestrengt.
    – S21 wird gebaut.
    – Auf die Akzeptanz der Bildungsreformen bin ich schwer gespannt. Auf die Mongos, die dabei herauskommen würden, geht man ja von Seiten der grünen Khmer jetzt schon ein: mit dem Wahlprogramm in leichter Sprache *g*

    Cerb, Bayern gewährt Dir bestimmt Asyl. So weit weg ist die Landesgrenze nicht 😉

  6. sirdoom schreibt:

    *sigh* korrigiert, nie zwei Sachen gleichzeitig machen. Und nein, diesmal kann ich keine besondere Ironie reklamieren, so wie hier 😉

    Eismanns Vorschlag eines Sandkastenexperimentes finde ich eigentlich hervorragend, was allerdings auch daran liegt, dass ich nicht in B-W wohne. Andererseits, hallo, ich musste bisher Schröder, Wulff und jetzt David McAllister ertragen! Und seit Wulff war immer Schünemann dabei*arghs* McAllister kommt übrigens aus Bad Bederkesa, einem der braunsten Flecken Norddeutschlands. Von dem Internatsgymnasium das er besucht hat, habe ich übrigens „gehört“*höhö*. Lustigerweise waren wir beide beim Panzerbataillon 74 in Altenwalde, diesem Mekka für Alkoholiker und Strafversetzte, wo der MAD immer nur aus einem Grund auftauchte, nämlich weil wieder die falschen Lieder samt „Armgruß“ gesungen wurden. Insofern, sollen auch mal andere „leiden“!*veg*

    S21 dürfte ziemlich tot sein, wenn die damit jetzt wieder anfangen, da können sie sich auch gleich nen Strick nehmen. Das wäre unglaublich dämlich.

    Das Wahlprogrammm in leichter Sprache ist ein Witz, oder? o.O

  7. Eismann schreibt:

    Warum nicht? Wenn man Leute erreichen will, die von der Bildzeitung konditioniert wurden, dann ist das sicher ein Versuch wert.

  8. Henning schreibt:

    Nein, das ist kein Witz. Ein Wahlprogramm auf Schwäbisch gibt es allerdings nicht ^^

    Die Frage ist einfach, ob sie da rauskommen und wenn ja, was es kostet.

  9. cerbero schreibt:

    @Henning: ich bekäm wegen meiner Frau ohne Probleme Wohn&Arbeitsrecht 😉

    Und alles in RheinlandPfalz nochmal durchrechnen von wegen wer mit wem 😀
    http://www.swr.de/nachrichten/wahl/rp/-/id=7502030/nid=7502030/did=7829082/mv34gi/
    „Wir habbe da was vergesse“
    Noch so ein Beispiel wie knapp das am Wochenende war…

  10. sirdoom schreibt:

    @Wahlprogramm in „leicht verständlicher Sprache„: Ich habe grundsätzlich gar nichts gegen leicht verständliche und eindeutige Wahlprogrammme, die auch das *Achtung: Modewort zum vermeiden von Unterschicht* Prekariat erreichen. Bloss leider sind das da^^ 20 Seiten Blafasel und nicht unbedingt einfach, verständlich und eindeutig…

    Andererseits, wenn man sich die Wahlprogramme der anderen anschaut, da siehts ja auch nicht anders aus…

    @S21: Ramsauer hat ja schon gedroht und mit ENBW sitzt man dank Mappus ja auch auf einem Haufen Probleme. Andererseits können es sich die Grünen politisch einfach nicht leisten da zu viele Kompromisse einzugehen. Womit die Sache teuer wird. Hm, ich sehe ein Muster. Deshalb dann auch keine Klage gegen Länderfinanzausgleich, weil man den bald selber braucht*g*. 😉

    Die haben zwei freie Wahlen an einem Tag? Bisschen übertrieben!“ Muammar al-Gaddafi

  11. Henning schreibt:

    „Wir haben Recht, denn wir sind die Guten. Und wenn ihr uns wählt, gibts Maultaschen gefüllt mit Spätzle“ war ihnen wohl zu direkt 😉

    Oder vielleicht „Technik, noi!“?

  12. M schreibt:

    S21: Dürfte spannend werden, wie die Grünen sich diesmal mit der ungemütlichen Realität arrangieren:

    „bBauen und das Wahlvolk verärgern“ oder „nicht bauen, sich von der Bahn verklagen lassen, verm. über eine Milliarde als Entschädigung zahlen, riesengroße Bauruine mitten in Stuttgart bewundern können und keinen Bahnhof mehr haben“

    Wie ging die Musik von Jeopardy doch gleich…

  13. Eismann schreibt:

    Wie gehabt: Einfach mal brutalst möglich durch ziehen.

  14. cerbero schreibt:

    der nächste BW-Wirtschaftsminister sagts ganz schön
    „Wenn die Bürger lieber 1,5 Milliarden Euro für Schadensersatz ausgeben als für den Bahnhof, dann sind sie von dem Projekt einfach nicht zu überzeugen.“

    Von den 1-4 Milliarden die der K21 kosten würde, redet ja keiner

  15. Henning schreibt:

    „Wenn die Automobilindustrie nicht grüner wird, dann sind Arbeitsplätze in Gefahr.“

    In 5 Jahren gibt Pferdekarren mit dem Stern 😉

  16. sirdoom schreibt:

    Mercedes-Benz wäre auch dämlich einen zukünftigen Wachstumsmarkt zu ignorieren und sich da nicht mit guter, deutscher Technik gleich im Premiumsegment zu positionieren! 🙂

  17. Henning schreibt:

    Wer ein Auto für >50k€ kauft, der scheisst auf die Kosten der Betriebstoffe. Und solange Mercedes Premiumautomobile baut, sind verbrauchsorientierte Käufer nicht Zielgruppe.

    Das alles würde sich *vielleicht* dann ändern, wenn ein Auto in DEU nicht Statussymbol wäre. Ist es aber, durch (fast) alle Bevölkerungsgruppen hinweg.

  18. Karel schreibt:

    Neben den beiden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hatten wir in Hessen auch noch die Kommunalwahl … und diese Volksabstimmung zur Schuldenbremse.

    Ergebnis: Auch hier (Offenbach, da wo ich wohne) Erdrutschsieg für die Grünen.

    Dank Verzichts auf eine 5%-Klausel bei der Kommunalwahl in Hessen ist die Piratenpartei erstmals mit zwei Stadtratsmitgliedern dabei… die Republikaner allerdings leider auch wieder, was mich schon stört. – Aber andererseits waren die in den letzten Jahren eigentlich immer drin (und relativ unauffällig/skandalfrei).

  19. XDragoon schreibt:

    Als hautnaher Augenzeuge der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz kann ich nur sagen: Das war der große Sieg für die Grünen. Bereits vor Fukushima lagen sie in den Umfragen bei 10% und bei der Wahl wurden es dann über 15%. Das ging dann insbesondere in den Hochburgen der GRÜNEN zu Lasten von Parteien mit größerer Programmüberschneidung – maßgeblich ödp und PIRATEN.
    In den beiden Mainzer Wahlkreisen erreichten die GRÜNEN 23.8% bzw. 29.3% – im Innenstadtwahlkreis erhielt der GRÜNE Daniel Köbler sogar mehr Stimmen als der CDU-Kandidat Gerd Schreiner.
    Aber wo ich schon bei den Mainzer Wahlkreisen bin… da ist so eine seltsame Geschichte passiert. Eine Kiste mit Wahlbriefen ist nicht ausgezählt worden. Auf der Homepage der Stadt steht diese Pressemitteilung: http://www.mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/ekog-8fejls.de.html;jsessionid=A1B635B950E15C18D17844DF96418894
    Ich für meinen Teil bin jedenfalls nicht zu dieser Nachzählung eingeladen worden. Morgen tagt der Kreiswahlausschuss in nichtveröffentlichter öffentlicher Sitzung um auch darüber zu entscheiden. Ich werde da sein und mal ein wenig Stunk machen.

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