„Päpstliche Angsthasen“

Weil sie Nacktfotos in der Ottobeurer Basilika angefertigt haben, sind eine 46-jährige Memmingerin und ein 40-jähriger Hobby-Fotograf aus Oberbayern vor dem Amtsgericht Memmingen jeweils zu Geldstrafen wegen Störung der Religionsausübung verurteilt worden. [Link]

Und wer hat sie angezeigt? Ein gläubiger Katholik, der in einem registrierungspflichtigen Seitensprungportal ein Bild gefunden hat, dass seine Religion beleidigt???

Davon ab, seit wann ist Sex in der Kirche strafbar? Dann wären der Katholischen Kirche doch längst die Priester ausgegangen! Aber Kindesmissbrauch ist wahrscheinlich eine lässliche Sünde, während einvernehmliche Sexualität zum Lustgewinn eine schwere Sünde ist.

Der betreffende Paragraf(§167 StGB) lautet übrigens: Störung der Religionsausübung: 1. den Gottesdienst oder eine gottesdienstliche Handlung einer im Inland bestehenden Kirche oder anderen Religionsgesellschaft absichtlich und in grober Weise stört oder 2. an einem Ort, der dem Gottesdienst einer solchen Religionsgesellschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Persönlich würde ich doch gerne wissen, wie sich „beschimpfender Unfug“ mit dem Bestimmtheitsgebot verträgt, aber wahrscheinlich bin ich da zu wenig Jurist für.

Davon ab, dass ich selber auch nicht unbedingt Leuten beim Vögeln in der Basilika zuschauen möchte – was relativ unwahrscheinlich ist, da ich mich selten in Kirchen aufhalte – liegt das eigentliche Problem aber in einer anderen Richtung.

Der Glaube an Gott oder eine wie auch immer geartete, höhere Entität ist eine absichtlich verfolgte Strategie der Unwissenheit. Denn wer „glaubt“ braucht nicht „wissen“. Im Gegenteil, das Wissen ist sogar eine Bedrohung. Aber wie und warum entsteht dieses doch recht merkwürdige Konzept einer institutionalisierten Verdummung?

Menschen haben Angst vor Dingen die ihnen fremd sind und die sie – je nach Wissenstand – nicht verstehen. Seien es Blitz, Donner, Menstruation oder Nanotech. Mit der Erringung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Funktion unserer Realität werden die klassischen Methoden der Religionsgemeinschaften wie Abgrenzung – und einhergehend Hass auf das Andersartige -, Angst, Unwissenheit und Hass größtenteils unwirksam, denn Wissen ist Macht. Das einzige Prinzip was weiterhin funktioniert, ist die Angst vor der ungewissen Zukunft, bzw. die Angst vor etwas, das man möglichst nicht widerlegen oder beseitigen kann.

Womit wir beim bösartigen, aber genialen Konzept der Erbsünde sind. Denn das kann man denn gegen die Erbsünde tun? Gar nichts, denn sie existiert einfach, seitdem Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden. Nun hat ja theoretisch Jesus unsere Sünden auf sich genommen, oder man wird davon durch die Taufe befreit, oder… aber die verinnerlichten Prinzipien funktionieren weiter. Und wie in jeder guten, patriarchalischen Gesellschaft ist Eva dabei die Sündengemse, das Symbol für Sex und Lasterhaftigkeit. Denn Sex, der nicht nur der Fortpflanzung – welcher auch zumindest bedenklich ist – dient, ist absolut teuflisch. Wissenschaftlich bewiesen ist, dass Menschen mit gesundem Sexleben sind glücklicher und zufriedener sind und weniger Ängste haben. Was natürlich ein Problem darstellt, denn… siehe oben.

Siehe auch: Die Katholische Kirche, Sexualität und co

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Eine Antwort zu „Päpstliche Angsthasen“

  1. Stefan Wehmeier schreibt:

    „Man bedenke, es handelt sich nur um einen Roman. Die Wahrheit wird – wie stets – weit erstaunlicher sein.“

    Arthur C. Clarke (Vorwort zu „2001“)

    Vor über 40 Jahren visualisierten Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke nicht nur die voraussichtlichen technologischen Möglichkeiten im Jahr 2001. Heute hängen wir weit hinter diesen Möglichkeiten zurück und befinden uns in einer globalen Wirtschaftskrise, die aufgrund der atomaren Bedrohung das Ende der Menschheit bedeuten kann. Die Ursache ist eine künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten, die uns seit jeher davon abhält, die Makroökonomie zu verstehen:

    (Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

    Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in „dieser Welt“ ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um diese „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ endgültig zu eliminieren.

    (Logion 113) Seine Jünger sagten zu ihm: „Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?“ Jesus sagte: „Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: „Siehe hier oder siehe dort“, sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:

    http://www.deweles.de/willkommen.html

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