„Brennendes Land – Interview mit Auslandskorrespondent Knut Hansen“

Diktaturen haben niemals ein Problem gelöst. Sie haben es nur – kurzfristig – verschwinden lassen.Otto von Habsburg , deutscher Politiker (1912 – ), Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karls I.

Die Ansätze fürs Länderdomino gehen weiter. Nachdem bereits Marokko, Tunesien und Ägypten gefallen sind und Griechenland brennt, Italien die Diktatur Berlusconi wohl bald beenden wird, tun sich die Potentaten gerade im Nahen Osten schwer genug den Flächenbrand unter Kontrolle zu halten. Saudi-Arabien ist dabei die wohl tickendste Zeitbombe, während Syrien schon komplett brennt und das Militär mit Hilfe von Polizei und Geheimdiensten das eigene Volk abschlachten. Mittlerweile wird man da auch in der Türkei unruhig, denn im schlimmsten Fall explodiert bei der ganzen Sache auch noch das Kurdengebiet samt Nordirak mit. Und der Westen ist mit Libyen beschäftigt und selbst da geht die Munition zur Neige. Und bei Weißrussland weiß man nicht, ob Lukaschenko ein geheimer Vasall von Zar Putin ist, oder nur einfach komplett durch.

Unbeachtet von der Welt mehren sich dagegen die Aufstände in einem anderen Winkel der Erde. Die aufstrebende Supermacht China hat schon lange die innere Lage nur noch durch brutalste Eingriffe halbwegs unter Kontrolle. In der Inneren Mongolei regt sich seit Jahren Protest gegen die rücksichtslose Ausbeutung von Bodenschätzen und Arbeitern. Nach einem weiteren tödlichen Unfall kam es Ende Mai zu den größten Demonstrationen seit 20 Jahren, sprich 2m von offener Rebellion entfernt. Die chinesische Regierung erklärte daraufhin weite Teile der Mongolei für unter Kriegsrecht stehend. In der südöstlichen Provinz Fujian sprengte sich Ende Mai ein Mann in die Luft, dem die Behörden sein Land einfach für Bauvorhaben wegnahmen. Insgesamt drei selbstgebauten Bomben detonierten vor Regierungsgebäuden und rissen zwei weitere Menschen in den Tod. Der Tod eine Lokalpolitikers, der in Polizeigewahrsam ums Leben kam löste in Lichuan Massenproteste aus. Peking schickte schwerbewaffnete zusätzlich Sicherheitskräfte, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen.

In allen Ländern herrscht brutale soziale Ungerechtigkeit, Armut und Unterdrückung, während  sich die herrschende Klasse wie in einem Selbstbedienungsladen ohne Kasse aufführt. Also wie in Nordeuropa, bloß dass es uns hier wirtschaftlich insgesamt besser geht und die neuen Antiterrorgesetze nur verhalten eingesetzt werden, da man Angst hat, dass das alles noch gestoppt werden könnte. Zu den Gründen und Lösungen nun ein Interview mit Knut Hansen, dem Auslandskorrespondenten der Bad Company .

SBC – Sirdoom’s Bad Company

KH – Knut Hansen

SBC: Knut, sie sind ein Kenner der Länder um die es hier vordringlich geht und bekannt mit fast allen Potentaten dieses Planeten. Wie konnte es so weit kommen?

KH:  Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Im Kalten Krieg haben alle aus Schiss vor den zwei Platzhirschen alle eine Nummer kleiner gekocht. Seit Ende dieser Situation und des Sieges des ungebremsten Kapitalismus denken alle sie könnten tun was sie wollen, weil sie eh nicht dafür bestraft werden. Nachdem dann die Wirtschaftsgrößen vollkommen schwachsinnige 25% Rendite als Ziel vorgegeben haben sind dann auch die letzten Hemmungen weggefallen. Man kannte dies schon von einigen Bananenrepubliken, wo der örtliche Potentat genau wusste, dass er höchstens 5 Jahre zum abkassieren hat, bevor der Gegenputsch kommt. Nun stimmen auch die eigentlich etablierten Potentaten mit ein und bedienen sich nach Lust und Laune. Da man nackten Leuten aber nicht in die Tasche fassen kann und in Zeiten des Internets ohne komplette Zensur der kleine Mann irgendwann die Nase voll hat, explodiert sowas. Gerade auch, wenn man erfolgreiche Vorbilder vor Augen hat.

SBC: Findet da denn jetzt ein Umdenken statt?

KH: Nicht wirklich. Die meisten bedrohten Diktaturen befinden sich in so tiefen Sackgassen, dass ein Umdrehen schlicht unmöglich ist. Blutbäder sind da wahrscheinlicher.

SBC: Was muss der Westen nun tun?

KH: Das, womit er nie hätte aufhören dürfen! Wir hatten damals alle diese kleinen abhängigen Regimes, bei denen man die Gier kontrollieren konnte und komplett durchgeknallte Diktatoren einfach ausgetauscht hat. Die USA und Russland müssen endlich wieder strategisch zusammenarbeiten und eine Bedrohungskulisse aufbauen, die so furchtsam ist, dass jeder kleine Potentat es gar nicht wagen würde, zu laut zu pfurzen. Man muss da auch selbstkritisch sein. Früher haben sich sogar die Mullahs in die Hose geschissen, vor Angst der Russe oder die Amis könnten die Geduld verlieren und bomben vielleicht das ganze Land zu einem einzigen großen Parkplatz zusammen. Aber heute? Jeder Idiot kann sich sein eigenes Atomwaffenprogramm zusammenbasteln und die NATO bekommt nicht mal Libyen platt, bei denen man in den Neunzigern 80ern [Admin Edit: So lange ist das schon her? Meine Fresse!] ja schon mal vorbereitend das halbe Militär weggebombt hat.

SBC: Mit China klappt das aber nicht, oder?

KH:Nein, natürlich nicht. China hat ja mittlerweile einen eigenen Flugzeugträger und plant weitere. Seit 2001 ist das Verteidigungsbudget von China um fast 200%  auf geschätzte 119 Milliarden U$D gestiegen, obwohl der prozentuale Anteil am GDP relativ gleichgeblieben ist. Was auch schon so einiges aussagt! Und die USA wollen wegen sowas lächerlichem wie einer Finanzkrise ihr 700 Milliarden U$D-Militärbudget zusammenstreichen, totaler Wahnsinn! Hier ist echte Kooperation von Russen und Amerikanern gefragt. Aufbau einer Untergrundarmee, Waffenlieferungen, nachrichtendienstliche Netzwerke und die gegenseitige Deckung, dass man damit absolut nichts zu tun hätte. Und wenn der Kram in Flammen aufgeht, schaut man lächelnd-winkend dabei zu und schickt danach wen zum aufräumen hin. Spart auch Munition. Man sollte diesmal aber besser auf die Atomwaffen aufpassen, damit nicht wieder so ein Dreck wie in den ehemaligen Sovietgebieten passiert.

SBC: Wir danken für das Gespräch!

Das Interview fand in der Präsidentensuite des Carlton-Ritz *****-Hotels in Dubai statt, wo Knut Hansen auf Einladung der Arabischen Liga sein neues Buch „Unter Hammer, Sichel und Sternenbanner“ vorstellt.

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu „Brennendes Land – Interview mit Auslandskorrespondent Knut Hansen“

  1. 3-6 schreibt:

    „bei denen man in den Neunzigern ja schon mal vorbereitend das halbe Militär weggebombt hat.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_El_Dorado_Canyon

  2. sirdoom schreibt:

    Danke für den Hinweis^^. Kommt davon wenn man sich nicht ganz sicher ist und nicht noch mal nachschaut. Hab das aber echt nicht SO lange zurückliegend in Erinnerung gehabt.

  3. 3-6 schreibt:

    Es ging mir mehr um die zugeschriebene Wirkung 😉 Das war nämlich nur ein Fliegenschiss.

  4. sirdoom schreibt:

    Knut Hansen ist da anderer Meinung und von der Schlagkraft des US-Militärs im gegensatz zu dir Defätisten absolut überzeugt. Sie müssen sich bloß wieder auf ihre Stärken besinnen! 🙂 Und Knut Hansen ist ein echter Experte!!!

  5. Pingback: “Von tickenden Zeitbomben und Heuchlern – Auslandsreportage mit Knut Hansen” |

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.