„Privatisierter Überwachungsstaat“

Nachdem sich die MPAA und die RIAA in den USA schon länger nur noch lächerlich gemacht haben, versuchen sie es nochmal auf einem anderen Weg. Sie haben sich mit den großen US-Telekommunikationsprovidern(AT&T, Comcast, Cablevision, Time Warner Cable und Verizon) zusammengesetzt und diese von einer „freiwilligen Vereinbarung“ überzeugt. Man hat also schon durchgesetzt, was die deutschen Lobbyratten noch versuchen[Link].

Die Provider überwachen ihre Netze und verschicken auf verdacht hin Warnmails an die vermuteten Übeltäter – bis zu sechs Stück. Ab da wird dann die Geschwindigkeit des Anschluss gedrosselt oder andere „erzieherische Massnahmen“ werden getroffen. Immerhin wird der Anschluss nicht gleich gekappt oder die Namen an die Rechteinhaber ausgehändigt. Es besteht sogar die Möglichkeit einer unabhängigen Prüfung der unbewiesenen Anschuldigungen, die von den Lobbyratten und den Providern einfach als Beweis umdeklariert werden. Diese kostet aber 35U$D. Da werden jetzt einige fragen, wo denn dabei das Problem sein soll? Ganz einfach:

1. Es gibt keine Rechtsgrundlage!

2. Wenn der Provider die Leitung drosselt, drosselt man dann im Gegenzug die Zahlungen? Sonderkündigungsrecht? Schadensersatz?

3. Woher weiß der Provider von den Downloads? Dazu müsste er die Download selber anbieten – sich also entweder selber strafbar machen oder die Rechte besitzen, womit der Download dann wieder legal wäre – oder aber der Provider versucht sich in Deep Packet Inspection und überwacht sein komplettes Netzwerk, so dass den Chinesen ganz warm ums Herz wird. Und wieder fehlt die Rechtsgrundlage.

Davon ab, funktioniert dies auch nur bei öffentlichen P2P-Netzwerken. Bei privaten P2P-Netzwerken oder Rapidshare kommt man damit auch nicht wirklich weiter, da muss man dann zu invasiveren Maßnahmen greifen. Wer jetzt übrigens damit ankommt, dass der Provider einfach seine AGBs ändert, den weise ich nur kurz daraufhin, dass einseitig dem Kunden gegenüber nachteilige AGBs sowohl in Deutschland wie den USA regelmäßig kassiert und als illegal aussortiert werden.

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7 Antworten zu „Privatisierter Überwachungsstaat“

  1. Miew schreibt:

    Was der Provider auf jeden Fall kennt, ist das Datenvolumen das ein User runterlädt.
    Vor einiger Zeit hat ein Bekannter (ja, wirklich ein Bekannter, nicht ich =) mal unglaublich viel runtergeladen und dann irgendwann vom Provider einen Brief bekommen in dem es hieß, er bekäme 30 Euro oder so, wenn er zu einem anderen Provider wechseln würde. Ist schon ein paar Jahre her, also ist es heute vielleicht aufgrund neuerer Technik anders, aber interessant ist es doch. Dass ein Provider offensichtlich an „Powerusern“ so viel Verluste macht, dass er sogar Geld anbietet um ihn loszuwerden.

  2. XDragoon schreibt:

    Das wäre ein Grund der Provider für Traffic-Begrenzungen bzw. Geschwindigkeitsdrosselungen ab einem bestimmten Datenvolumen (wie es ja bei UMTS gemacht wird) aber nicht für die Überwachung dieses Traffics.

  3. Andai schreibt:

    Aber da muss man wieder unterscheiden:

    Was machen dann die ganzen WOW und generell Leute, die Online spielen? Deren Datendurchsatzrate ist auch sehr hoch und lastet den TRaffic gut aus, wie will der Provider das so ohne weiteres unterscheiden.

    Alles in allem geht die Tendenz dann mehr zum Unrechts- und Überwachungsstaat.

    Ich finde es echt herrlich, wie die deutschen Bundesregierung, unsere „ELITE“ die USA so erfolgreich versucht nachzuäffen.

  4. sirdoom schreibt:

    PRO NETZNEUTRALITÄT!
    Oder auswandern ins DarkNet, aber sowas böses gibt es nicht, also vergesst was ich gerade gesagt habe*hust*

  5. Andai schreibt:

    Das lindert aber wieder nur Symptome, nicht die Ursache ^^. Und auch nur eines der Symptome an dem Geschwür, das die Bundesregierung bei Zeiten darstellt.

    Die müssen schon so weit weg von uns „Otto-Normal“ sterblichen sein, dass sie nicht einmal mehr die Vorstellungskraft besitzen, sich auszumalen, was das alles in der Zukunft negatives mit sich bringt.

  6. sirdoom schreibt:

    Wenn man sich anschaut, wie sie dran zu knabbern haben auch nur halbwegs aktuellen Entwicklungen hinterherzukommen, sprich, ca. 5 Jahre hinter dem Stand der Entwicklung zu agieren, dann kann man von ihnen doch nun wirklich nicht noch Zukunftsvisionen erwarten!

    In ihrem wöchentlichen Video-Podcast sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, bis 2010 sollen alle deutschen Haushalte mit einer Geschwindigkeit von einem Megabit pro Sekunde im Internet unterwegs sein.

    Davon ab, dass es nicht geklappt hat, wer 2010 1mbit als Breitband bezeichnet, sieht auch Dampfmaschinen als SOTA an… 😉

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