„Gebrauchthandel – Bedrohung der Wirtschaft?“

UsedSoft kauft Original-Software auf und bietet sie als Second Hand – Ware Firmen an, die sich nicht von MS & co über den Tisch ziehen lassen. Um Rechtssicherheit herzustellen bestätigt für Usedsoft ein Notar, dass ihm bestimmte Dokumente vorliegen, z.B. eine Bestätigung der ursprünglichen Lizenznehmerin, dass diese von UsedSoft den Kaufpreis erhalten und die Software auf ihren Rechnern gelöscht habe. Auf Druck der CONTENT-MAFIA sehen deutsche Gerichte dies aber anders. So zum Beispiel das Frankfurter(Main) Landgericht, dass davon ausgeht, dass man sich nach Gesetz die Gewissheit verschaffen muss, dass es sich um rechtmäßig erworbene Lizenzen/Software handelt. Da diese Gewissheit nur bei Kauf von der Quelle vorliegt, ist Gebrauchthandel daraus folgend eigentlich grundsätzlich illegal.

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Theoretisch begründet dieses Urteil sogar die Auffassung, dass der Kauf von Software bei einem normalen Elektronikhandel (Mädchenmarkt) illegal sein könnte, da auch hier der Kunde ebenfalls keine Gewissheit haben kann, dass der Mädchenmarkt dazu autorisiert ist. Wenn man dieses Urteil übrigens auf andere Gebrauchtwaren umdeutet wird die Schwachsinnigkeit besonders auffällig. Was den Herstellern und Anbietern aber durchaus Recht ist, denn Gebrauchthandel ist ihnen schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Siehe auch die Erfindung des Begriffes Parallelimport/Grauimport, der sich innerhalb einer freien Marktwirtschaft eigentlich nicht erklären lässt. Und da wundert sich noch wer, warum die Leute sich die Torrents runterladen und gar nicht mehr zahlen. Ein Gutes hat die Sache: Sollte sich dieser Unfug durchsetzen ist mit einer Explosion von Open Source zu rechnen.

P.S.: UsedSoft geht natürlich in Berufung…

Update: Ganz am Ende hat UsedSoft übrigens gewonnen…

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11 Antworten zu „Gebrauchthandel – Bedrohung der Wirtschaft?“

  1. Kell schreibt:

    Da bin ich ausnahmsweise mal ein kleines Stückchen auf Seiten der „Content Mafia“, weil es soetwas wie gebrauchte Software nunmal dem Sinn nach nicht gibt.
    Was ist denn der Vorteil von Gebrauchtwaren? Sie sind billiger. Und warum sind sie das? Weil sie in Benutzung waren und somit ein Teil ihrer Lebenszeit bereits aufgebraucht wurde.
    Aber gerade Software und Computerspiele haben keine Lebenszeit, mein Lieblingsspiel von vor 10 Jahren läuft auch heute noch so problemlos wie vor 10 Jahren. Was man von meinem 10 Jahre alten Fahrrad nicht behaupten kann.

    Der springende Punkt jedoch, ist dass Gewinn von Leuten generiert wird, die mit den Produkten nichts am Hut haben. Und der Gewinn fließt wiederum nicht in die Industrie zurück, von der er erwirtschaftet wurde. Während Firmen wie Micro$oft zwar nicht noch mehr Kohle benötigt, sieht dass bei kleineren Softwareschmieden aber schon anders aus.
    In der Gaming Industrie ist GameStop da schon lange ein eiternder Dorn im Fleisch der Spielehersteller.

    http://www.associatedcontent.com/article/1031722/why_gamestop_is_bad_for_the_gaming_pg2.html?cat=35

    Wobei wir uns in einem Punkt sicher einig sind, dass die Methoden der „Content Mafia“ in keinem Fall gutzuheissen sind. Anstatt zu klagen, müsste mit den Vorteilen gearbeitet werden die ein Kauf gegenüber der Piraterie oder dem Gebrauchtkauf hat. Aber das lernen die Idioten wahrscheinlich nie…

  2. sirdoom schreibt:

    Also Original Datenträger haben doch durchaus eine Lebensdauer und Abnutzungserscheinungen. Und Software an sich hat auch ein Verfallsdatum, weil diese irgendwann nicht mehr kompatibel ist mit aktuellen Systemen und anderen Programmen. Insofern… Und dann bezieh den Satz „Der springende Punkt jedoch, ist dass Gewinn von Leuten generiert wird, die mit den Produkten nichts am Hut haben. Und der Gewinn fließt wiederum nicht in die Industrie zurück, von der er erwirtschaftet wurde. Während Firmen wie Micro$oft zwar nicht noch mehr Kohle benötigt, sieht dass bei kleineren Softwareschmieden aber schon anders aus.“ mal auf gebrauchte Fahrräder…😉 Dem letzten Absatz stimme ich vollkommen zu. Auch weil ich mich bei einem verwandten Thema gestern in der Videothek sehr geärgert habe, wo ich demnächst noch was zu schreibe.

    • Thomas schreibt:

      Das Problem ist doch eher dieses: Ein gebrauchtes Spiel (den Datenträger brauch ich ja genau ein mal um es zu installieren) ist gegenüber einem neuen, aktuellen Titel vor allem dahingehend wertgemindert, weil es nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Dasselbe Spiel, packungsfrisch und nagelneu, aber eben vor 4 Jahren programmiert hat aber seither dieselbe Wertminderung mitgemacht.
      Das die CD einmal in einem Laufwerk steckte, das macht keinen großen Unterschied aus.

      Naja. Und was die Piratenfrage angeht mach ichs kurz: Über den Modus des Vervielfältigens von (digitalisierbaren) Inhalten ist in einer Welt des freien und bewußten Internets kein Geld mehr zu machen. Dass es noch single player Spiele, DVDs, CDs und Bezahldownloads gibt ist ein Artefakt einer dunkleren Zeit.und Merkmal von Prozessen, die die Freiheit und den Nutzen des Internets angestrengt beschneiden wollen. Der Zustand der Freiheit des Netzes wird sich in 10 Jahren schon allein an den Einnahmen der contentreproduzierenden Industrie feststellen lassen.

  3. farmerboy schreibt:

    Sorry, aber wenn ich etwas kaufe gehört es dann auch mir, d.h. ich darf dann damit tun was ich will. Vergraben, benutzen, verbrennen, verschenken, und ja, auch weiter verkaufen.
    Jede Einschränkung dessen empfinde ich persönlich einfach als Unrecht.

    Und sirdooms Ansatz stimmt schon: wo bitte ist denn der Unterschied zwischen Software und anderen Gebrauchtwaren?

    • Thomas schreibt:

      Besitz einer Sache ist eine Sache, und recht einfach zu identifizieren. Ein Stück Software ist aber keine Sache, kein Gegenstand, den man festhalten, abnutzen, behalten oder stehlen könnte. Insofern ist es richtig, dass „gebrauchte Software“ widersinnig ist.
      Es gibt gebrauchte Datenträger, aber eben keine gebrauchten Programme. Die Datenträger sind aber eigentlich egal und austauschbar, und jetzt wo jeder perfekte, vernetzte Kopiermaschinen zu Hause stehen hat ist uns das auch so richtig aufgefallen. 1720 waren Datenträger (man nannte die damals „Bücher“) noch ziemlich selten und Kopierprozesse waren sehr langwierig und störanfällig. (Ja, wenn man mal im Windows Explorer 200 mittelgroße Dateien kopieren will, dann hat man durchaus den Eindruck, dass sie das auch heute noch sind. Aber vertraut mir einfach, damals war es schlimmer.)
      Und vor allem die Vampire der Contentreproduzierenden Industrie verstehen das sehr genau. Deshalb gibt es überall diese Nutzungslizenzen die dir eigentlich das Recht verkaufen das Programm auf deinem Computer und bestimmten Bedingungen laufen zu lassen. Die Datenträger sind da egal. Die kaufst du nur mit, weil es noch Mediamarkt und Saturn gibt, die sich schwer tun Downloads zu verkaufen. (obwohl sie das auch versuchen. Nicht zu vergessen Futures auf Software, die es noch gar nicht gibt. Pre-Order nennt sich das.)
      Die eigentliche Frage ist also diese: Wenn ich das Programm irgendwann nicht mehr benutzen möchte, kann ich dann die Lizenz an jemand anderen weitergeben?

  4. gondrino schreibt:

    Wenn ich Eigentümer einer Sache bin, habe ich alle Rechte, also darf ich sie auch verkaufen. Das Argument, Gewinn wird von Leuten generiert, „die mit den Produkten nichts am Hut“ haben, ist für mich unverständlich. Damit würde ja jedweder Handel in Frage gestellt, denn der Händler hat ja mMn mit dem Produkt auch nix am Hut…

  5. sirdoom schreibt:

    Also im Endeffekt eine Begrifflichkeitsfrage, der Weiterverkauf einer „Lizenz für Programme“ müsste demnach erlaubt sein. Oder hat die Content-Mafia da auch schon wieder die Gesetze umschreiben lassen?

    Eigentlich müsste der Weiterverkauf einer Lizenz sogar noch einfacher und auch für die Industrie sicherer werden. Beispiel: Ich hab mir The Force Shit Unleashed 2 über Steam gekauft, festgestellt, dass das scheiße ist und sag meinem Kumpel auf Steam „Du, ist doof, geb ich dir für 2€“ und er sagt „Okay, 2€ tun ja nicht weh„. Über mein Steaminterface übertrage ich dann The Force Shit Unleashed 2 an ihn und behalte dabei dann garantiert keine Kopie. Ich kann weiterverkaufen und es gibt keine Kopie, die ich weiternutze.

  6. Thomas schreibt:

    Es sollte eigentlich keine Lizenzen geben, aber ja, eigentlich wäre das in eine solchen Kontext (Steam) wohl recht unproblematisch. Aber warum das anbieten, keiner gönnt dir die 2 Euro und wenn nur einer sich ohne diese Angebot die 40 Euro „Original“ Lizenz gekauft hätte, dann wäre dass ja ein „Verlust“.

  7. sirdoom schreibt:

    Also ist der Plan folgender: Das Recht Sachen weiterzuverkaufen wird aufgrund von Gewinnmaximierungsprozessen mit gekauften Gesetzen und technischen Unmöglichkeiten in die Tonne getreten. Einzige offene Baustelle sind noch die bösen Datenträger, über die man keine direkte Kontrolle hat. Deshalb sind sie da auch so hinterher, dass das nicht zu einfach wird und verhindern second hand Plattformen. Sprich die direkte und brutale Umsetzung reiner Konzerninteressen ohne Rücksicht auf die Belange von Bürgern im Einklang mit gekauften „Volksvertretern“. Oder irre ich mich da jetzt?😉

  8. Henning schreibt:

    Ist eben die Frage, was man da genau kauft bzw. ob man Eigentum erwirbt oder nur Besitz oder beides, und für was genau. Denn: wer liest schon EULAs😉

  9. sirdoom schreibt:

    Im Gegensatz zu den USA – die Southpark-Folge wo Apple und der Film Human Centipede verarscht werden anyone?😉 – muss man das auch nicht wirklich. Siehe HIER

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