„State of Emergency – Fehler by Design“

Frontex ist weiterhin dabei aufzurüsten und schickt sich an die modernste und „beste“ Grenzpolizei der Welt werden zu wollen(siehe auch Frontex Griechenland). Aktuelle Projekte sind unter anderem AMASS und TALOS, die sich auf dem Papier erst mal ganz toll lesen. Aber wie üblich, wenn man mal etwas näher hinschaut, sieht die Praxis ganz anders aus.

Fast alle der neuen Frontex-Projekte  – abgesehen von den Waffen – leiden unter Fehlern im Design. Man macht sich um die Technik Gedanken, aber ignoriert vollkommen die Arbeitspraxis und tatsächlichen Schwierigkeiten vor Ort. Was soll denn eine Überwachungsdrohne machen, wenn sie nicht nur auf einen Menschen trifft, sondern auf eine ganze Gruppe? Wenn die nicht stehenbleiben, sondern alle losrennen? Soll die Drohne drüberfahren? Mit dem Bordgeschütz für Frieden sorgen? Was ist, wenn sie einen Einheimischen erwischt, der das einfach nur langlatscht? Was bringt es, wenn die Grenzschützer sich drahtlos von der Basis zum Einsatzpunkt leiten lassen sollen, aber wieder keiner dran gedacht hat, dass Laptop auf dem Schoß im Geländewagen bei schlechter Straße dabei nicht gerade hilfreich ist?

Zu diesen Fehlern im Technikdesign kommt natürlich auch die grundsätzliche Fehlannahme hinzu, dass Flüchtlinge, bzw. Schleuserbanden, sich vollkommen passiv einkassieren lassen und keinerlei aktive Gegenwehr betreiben. Wie z.B. Ablenkungsmanöver 100km weiter, Störsender, Heckenschützen die Sensoren und Drohnen ausschalten. Modernste Technik ist häufig mit den einfachsten Mitteln auszuschalten. Bewegungsdetektoren = Sack voller Katzen aussetzen, spätestens nach 2 Stunden Fehlalarm schaltet wer den Kram ab oder zumindest runter. Kameras = Sprühdose, wie oft fahren die raus und ersetzen pro Woche die Kamera, davon ausgehend, dass überhaupt Ersatz vorrätig ist.

Im Grunde genommen sind diese ganzen Projekte nichts als recht sinnfreie Geldumverteilungsmaßnahmen an die Industrie und Sponsoring von Schleusergangs, da die Flüchtlinge es alleine nicht mehr schaffen und deswegen ihr Heil beim Organisierten Verbrechen suchen.

Ist natürlich auch ein ethisches und politisches Problem. Um Grenzen/Absperrungen/Zäune halbwegs sicher zu machen bedarf es tödlicher Gewalt, siehe Eiserner Vorhang, aber selbst da hat dies viele nicht abschrecken können. Und im Ostblock sind die Menschen nur selten verhungert. In Afrika reiht sich eine Katastrophe an die andere und Leute denen Vergewaltigung, Verhungern und allgemein ein grausiges Schicksal droht, nehmen gerne ein paar Risiken in Kauf, um ihre Lage zu verbessern.

Und um ehrlich zu sein, braucht man gar nicht groß die Logik dabei auszupacken. Man muss einfach nur lesen können. Dann schaut man sich nämlich mal die Aufrüstung der US-Mexikanischen Grenze an, wie viel der Quatsch gekostet hat, was es gebracht hat und wie die Schleusergangs gejubelt haben. Und natürlich die Rüstungsindustrie. Weniger illegale Einwanderer hat es übrigens nicht gegeben…

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11 Antworten zu „State of Emergency – Fehler by Design“

  1. Cunningham schreibt:

    „Was bringt es, wenn die Grenzschützer sich drahtlos von der Basis zum Einsatzpunkt leiten lassen sollen, aber wieder keiner dran gedacht hat, dass Laptop auf dem Schoß im Geländewagen bei schlechter Straße dabei nicht gerade hilfreich ist?“

    Bei allem anderen habe ich ja zustimmend genickt, aber die US-Amarikanischen Polizeibehörden haben in ihren Ford Crown Victoria http://en.wikipedia.org/wiki/Ford_Crown_Victoria_Police_Interceptor seit 15 Jahren oder so, Labtops und Computerterminals.

    Dieser Werbespot wurde unterstützt vom Margrave Sheriffs Department

  2. sirdoom schreibt:

    Diese Erfahrung bedeutet ja nicht, dass man die Sache nicht trotzdem verbocken kann. An der US-Mexikanischen Grenze – also off road – hat man es mit Jeeps und Laptops versucht was erwartungsgemäß schiefgegangen ist. Irgendwann wird man auch bei Frontex auf die Idee kommen Telematikkram fest in die Wagen einzubauen,. aber erst wenn noch viele Millionen verschwunden sind 😉

  3. Cunningham schreibt:

    Davon ist in der Tat wohl auszugehen.

  4. Wallace schreibt:

    Man muss eigentlich nur die richtige Technik kaufen/entwickeln lassen…
    – Ein Toughbook (oder Mitbewerber) in entsprechender Offroad-Halterung (habe gerade keine Lust die, die ich auf der C-Bit gesehen habe raus zu suchen) funktioniert so ziemlich überall und unter so ziemlich allen Bedingungen. Und mit an einem Schwingsitz angebracht, bewegt es sich relativ zum Insassen beispielsweise kaum. Ich würde es wohl noch mal anders machen, aber daran das das funktionieren würde, habe ich keine Zweifel. Ich war nun schon einige Male an Entwicklung und Einsatz von (zivilen) Fahrzeugen für extreme Aufgaben mit Unmengen an Technik an Bord beteiligt und es gibt da immer einen Weg.
    – Kameras kann man auch versteckt, gesichert und/oder extrem schwer erreichbar anbringen. In einem kugelsicheren Gehäuse auf einem 20 Meter Pfahl mit Sicherung gegen Erklettern ist eine Sensorplattform schon ziemlich sicher. Wahlweise halt in einem Busch oder in einem Stein, totem Baum, bis auf das Objektiv verbuddelt, …
    – Entsprechende Bewegungsmelder sind heutzutage durchaus in der Lage „Kleintiere“ von „Großtieren“ zu unterscheiden.
    – Drohnen müssen nicht zwangsweise Kontakt zu einer Gruppe suchen. Sie sollten eigentlich im Gegenteil Spähen und dabei möglichst nicht gesehen werden.

    Man muss all solche Projekte halt mit einer Mischung aus Sach- und Menschenverstand angehen. Die ist zugegebenermaßen heutzutage selten, um so seltener bei Behörden und Ähnlichem. Und vor Allem ist Technik kein Ersatz für Ausbildung, Personalstärke, Wissen um die Materie und daraus gefolgertes taktisch kluges Vorgehen.

    Wo ich allerdings vorbehaltlos zustimme, ist das das Problem sicherlich nicht durch eine noch so gute Polizeitruppe in den Griff zu bekommen sein wird. Will man kein Flüchtlinge mehr, muss man den Grund zum Fliehen weg nehmen.

  5. Cunningham schreibt:

    Es sprach einer der leitenden Detectivs des Major Crimes Unit des Margrave Sheriffs Department.

    Aber Wallace, man kann fast alles machen, wenn man nicht aufs Geld schauen muss.
    Gut nun kann sich jeder selbst ausmalen, was LANGFRISTIG günstiger ist, eine Kamera, die für teures Geld einmal richtig versteckt/gesichert wird oder eine Kamera, wo ich alle paar Wochen nen Inst.-Trupp losschicken muss um die kaputte durch eine neue zu ersetzen…

    Andererseits, will ich wirklich, dass bei FRONTEX Leute sitzen, die wirklich nachdenken…?

  6. sirdoom schreibt:

    @Wallace: Stimme dir vollkommen zu, allerdings wissen wir doch aus Erfahrung, dass noch so viel gesunder Menschenverstand und Logik absolut nichts gegen die Dummheit der verantwortlichen „Entscheider“ ausrichten kann 😉 Wobei ich ja fairerweise sogar erwähnen müsste, dass es durchaus unterscheidliche Entscheidungsgründe gibt, je nachdem von welcher Seite man die Sache betrachtet(militärisch, ökonomisch, politisch, usw.)

    @Cunningham: Kommt drauf an für wen du arbeitest ;)*g*

  7. XDragoon schreibt:

    Wenn man die an der Grenze aufgelesenen Mexikaner als Zwangsarbeiter zur Wartung und Installation der Sicherungsanlagen (also z.B. das Ausrollen von Stacheldraht etc.) verwendet, könnte man die Kosten doch gut drücken.

    (Sorry – ich habe mich neuerdings mal wieder mit Hartz IV-Regelungen befasst – da kommt man einfach recht schnell auf einen solchen Transfer)

  8. sirdoom schreibt:

    Wobei die Idee wirklich nur für Wirtschaftshai logisch ist. Ich meine, was passiert wohl wenn An der Grenze aufgelesene mexikanische Zwangsarbeiter die Grenzistallationen warten? Ich tippe auf mehr Mexikaner die NICHT an der Grenze aufgelesen werden…

  9. XDragoon schreibt:

    Klar besteht die Möglichkeit von Sabotage und schlechter Arbeit – aber wieviele der durch jüdische Zwangsarbeiter hergestellten Artilleriegranaten waren denn Blindgänger im Vergleich zu den durch bezahlte Arbeiter produzierten? Ist zwar eine sehr zynische Sicht der Dinge, aber wenn man da skrupellos genug ist, ist das definitiv machbar. Und in den USA werden Sträflinge ja durchaus für Zwangsarbeiten eingesetzt – ich nenne mal nur das klischeehafte Auflesen von Müll entlang von Highways. Ich denke nicht, dass es dort juristisch ein Problem wäre, illegale Einwanderer zumindest zu kurzfristiger Zwangsarbeit (lass es als Anfang mal ein oder zwei Wochen sein) zu bringen bevor sie wieder deportiert werden.

  10. sirdoom schreibt:

    Aehm, ich behaupte jetzt einfach mal, dass sich die Sanktionmöglichkeiten Nazis/Juden und US State Trooper/Illegal Immigrants doch etwas unterscheiden. 😉

  11. XDragoon schreibt:

    Du meinst, weil letztere so viel mehr haben?

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