„Zweierlei Maß“

Vorweg: Ex-STASI-Mitarbeiter, die in der STASI-Unterlagen und Aufklärungsbehörde arbeiten, sind meiner unbedeutenden Meinung nach, von Anfang an nicht vertretbar gewesen. Aber erst mal die Moral ausblenden und dann 20 Jahre später ein Fass aufmachen, ist schon etwas merkwürdig und hat ein Geschmäckl.

Der Bundestag beschloss am Freitag, dem 30.09.2011, mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP die umstrittene Änderung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes. Die 45 früheren Stasi-Mitarbeiter, die noch in der Behörde des Bundesbeauftragten Roland Jahn tätig sind, sollen gegen ihren Willen in andere Dienststellen des Bundes versetzt werden. Künftig werden demnach gar keine ehemaligen hauptamtlichen oder inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten mehr eingestellt. Da fragt man sich natürlich schon, wo dieser Ehrgeiz war, als es um Altnazis ging? Und hier reden wir dann auch gleich von Strafvereitelung im Amt, Mithilfe bei der Flucht und Deckung der Taten von Massenmördern. Aktueller Fall ist Walther Rauff, der munter weiter vom BND finanziert wurde, wobei er nicht der einzige war. Wer als Ausrede damit kommt, dass CDU/CSU, Justiz und Behörden halt damals mit Altnazis durchsetzt waren, sollte sich diese Pseudoargumentation mal kurz durch den Kopf gehen lassen, bevor er sie anstellt. Warum sitzen Hitlers Helfershelfer nicht im Knast, sondern können in Ruhe Akten vernichten unter dem Siegel des Geheimhaltung zum Schutz der Bundesrepublik? Aber wir können ja mal zurück zu den „Kommunisten“ gehen, bevor man auf den Gedanken kommt, mit „die aber auch“ nach rechts ablenken zu wollen.

Was ist eigentlich mit all den STASI-Leuten der Blockparteien, die von CDU, SPD[siehe unten in den Kommentaren] und FDP übernommen wurden? Warum sind nur die Ex-STASI-Leute der Linkspartei „schlimm„?

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8 Antworten zu „Zweierlei Maß“

  1. Henning schreibt:

    Ich sehe das eigentlich genau gegenteilig:

    Ein zentraler Vorwurf der Linken in Deutschland war immer, die Konservativen hätten nach 45 den Mantel des Schweigens über die unmittelbare Vergangenheit gelegt. Ich beschreibe das immer als die Landung der als Nazis verkleideten Kleinen Grünen Männchen 1933, die 1945 wieder zum Mars geflogen sind. Der zweite Vorwurf ist dann, dass nicht zur Aufklärung der Verbrechen beigetragen wurde.

    Und jetzt müssen die Konservativen gegen den Protest der Linken genau die gleichen Fehler korrigieren, während Spezialisten wie Herr Klar zu ihren Taten schön die Fresse halten.

    Respekt!

  2. sirdoom schreibt:

    Und dieses Partei-hin-und-her-Gebashe, diese Vergangenheitsintifada geht mir auf den Sack. Hat nämlich mit der Sache um die es geht einen Scheißdreck zu tun.

    Die Konservativen haben sich nach 45 nicht mit Ruhm bekleckert, um es höflich zu sagen, und ein größerer Teil der Linken hat die dann nach der Wende nachgemacht. Beides moralisch, ethisch, teilweise juristisch grundlegend falsch.

    Du hast allerdings nicht die Frage beantwortet, warum Ex-Stasis nur bei der Linkspartei schlimm sind, aber nicht bei CDSU/FDP 😉

  3. 3-6 schreibt:

    Ich glaube, wir sind uns einig: alle Beide sind scheisse ^^

    Wahrscheinlich liegt es an der Häufung und Position. Obwohl es ja bei Merkel UND Gysi gleich „offiziell unbewiesen“ ist *g*.

  4. sirdoom schreibt:

    Das unterschreib ich mal^^

    Wenn auch unter Protest!!!*g*

  5. XDragoon schreibt:

    Das erinnert mich gerade an mein Referat zum Thema „Wiederbewaffnung der Deutschen“. Einer der wichtigsten Punkte bei der Aufstellung der Bundeswehr war ja, dass man einerseits erfahrene Leute als Offiziere brauchte und andererseits keine Nazis in der Armee haben wollte. Daher gab es einen eigenen Prüfungsausschuss des Amt Blank (die Keimzelle des Verteidigungsministeriums), durch welchen jeder Anwärter auf seine Verstrickungen mit der NSDAP und der politischen Unterstützung Hitlers hin überprüft worden ist. Und dazu gab es eine Karikatur über Adenauer mit dem Sprechblasentext: „Kanzler soll er bleiben, General dürfte er nicht sein!“ Was vor allem daran lag, dass er als Abgeordneter der ZENTRUM-Partei das Ermächtigungsgesetz mitunterstützte. Trotzdem wird er von der CDU immernoch als Held und Gründervater der Bundesrepublik verehrt.

  6. Cunningham schreibt:

    Ist er das denn nicht?
    Mal abgesehen, dass er natürlich auch Dreck am stecken hatte. Nur darf nicht außer acht gelassen werden, dass damals die Besatzungsmächte noch ordentlich mitzureden hatten, wer durfte und wer nicht.

    Und irgendwer musste den Karren aus dem Dreck ziehen oder?
    Eine andere Alternative wäre natürlich gewesen, dass man Deutschland den Besatzungsmächten zugeteilt hätte. Tja, dann hätte ich heute einen Britischen Pass und die Leute wären nicht mehr sauer auf mich, wenn ich wieder mal links fahre 😉 hätte ich kein Problem mit.

    Aber zum Thema:
    Da wir ja schon bei der Entnazifizierung so kläglich gescheitert sind, ist es tatsächlich eine Schande, dass wir bei der Entstasifizierung auf die gleiche Art und weise wieder ins Klo greifen.
    Aber um den Stiefbruder meines Chefs zu zitieren, der bis zum Untergang des 1000jährigen ein aufrechter Nazi war und anschließend ein genau so eifriger Komunist: „Ohne uns geht es doch nicht.“

  7. 3-6 schreibt:

    In der Verwaltung „drüben“ hat man ja versucht, durch Westimporte zumindest Führungspositionen durch Unbescholtene zu besetzen. Leider waren das oft weggelobte Deppen.

    Übrigens ist mir ein Fehler aufgefallen – es gab keine SPD-Blockpartei 😉

  8. sirdoom schreibt:

    Doch, es gab eine SPD-Blockpartei, ist aber trotzdem falsch von mir gewesen. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland erlaubte Sommer ’45 die Gründung von vier antifaschistischen Parteien, unter der Vorgabe, dass sie sich dem „Antifaschistisch-demokratischen Block“ anschlossen. Es handelte sich dabei um: Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU) und die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD)[müsste so in Reihenfolge der Gründung sein]. Allerdings wurde bereits im Frühjahr 1946 die Zwangszusammenlegung von SPD und KPD zur SED angeordnet(April oder Mai.)

    Insofern gab es zwar eine SPD-Blockpartei, dies spielt aber hier im Zusammenhang keine Rolle.

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