„Gott bewahre – Flashback – Review“

Ich habe jetzt zwei Romane hintereinander gelesen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, aber auf eine gewisse Art doch zusammenhängen.

Die nahe Zukunft: Die USA stehen vor dem Kollaps, doch dem Großteil der Bevölkerung ist das völlig egal, denn sie sind abhängig von einer Droge namens Flashback, die es den Konsumenten ermöglicht, die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens immer und immer wieder zu erleben. Einer von ihnen ist Ex-Cop Nick Bottom, der seit dem tragischen Tod seiner Frau bei einem Autounfall nur noch in der Vergangenheit lebt und dank Flashback noch einmal die schönsten Momente mit seiner Frau verbringen kann. Doch dann wird der Sohn eines hohen Regierungsbeamten ermordet, und Nick beginnt eher widerwillig zu ermitteln. Bis er eine gigantische Verschwörung aufdeckt, die den desolaten Zustand der USA und ihrer Bewohner verursacht hat…

Flashback vom profilierten SciFi-Autor Dan Simmons ist gleich zwei Bücher in einem. Einmal ein wunderbarer (Post-)Cyberpunk*-Roman mit Tech-Ninjas, Weltverschwörung und Nackenschlägen an jeder Ecke. Und dann die verführerische Frucht des Antiislamismus plus Kapitalismus Rulez! USA, USA, USA! Soziale Absicherung = Kommunismus. Eigentlich rege ich mich über sowas gar nicht mehr auf, ich finde ja auch John Ringo interessant. Aber wenn das Rotz-US-Gesundheitssystem für den Niedergang und Verarmung der USA verantwortlich gemacht wird, weil es so sozialistisch ist, dann muss schon lachen. Simmons vermischt fieser Weise durchaus zutreffende Zustände mit Schlussfolgerungen, die so richtig lachhaft sind. Aus einer Bewertung bei Amazon: „One point of caution that I would like to make is this: If you are politically sensitive and are on the far left hand side of the political spectrum, you may not enjoy this book. If you are open minded and enjoy Dan’s writing style you will love this one.“ Buahahaha, ich bin mir nicht sicher, ob das nicht Satire sein soll.

Höhepunkt: Der Trucker belehrt den dummen, jüdischen, linken Philosophie-Professor, wie Geschichte wirklich war, manövriert ihn in philosophischen Fragen aus und hat natürlich auch ganz allgemein mehr Ahnung. Was bei John Ringo noch zum Flair gehört, stört mich bei Simmons dann doch, weil ich vom ihm was Intelligenteres erwartet hätte. Auch wenn Simmons erklärt hat, dass er das alles gar nicht so gemeint hat. Ansonsten ist das Buch wie gesagt gut geschrieben, super spannend und interessant. Kommt also drauf an, wie tolerant der eigene Bullshitsensor ist. Bedingt empfehlenswert.

*Post-Cyberpunk = Aktuellerer Technikbezug, moderner, Dystopie, aber ohne den unbedingten, antikapitalistischen, linken Punk-Bezug. Was jetzt nicht per se schlecht ist, aber deutlich vom Kern des Cyberpunk abweicht.

Kommen wir nun zu 400 Seiten Hardcover-Roman, die ich an einem einzigen Tag gelesen habe und mich dabei köstlich amüsiert habe – Danke noch mal Christo B.!

»Da kommt Gott – tut so, als wärt ihr beschäftigt.« Denn Gott ist stinksauer. Nachdem Er sich im Himmel eine einwöchige Auszeit für einen Angelurlaub gegönnt hat, kehrt Er nach etwa vierhundertfünfzig Jahren (ein Tag im Himmel entspricht siebenundfünfzig Erdenjahren) wieder zurück an Seinen Schreibtisch und muss mit ansehen, wie die Erde in der Zwischenzeit den Bach runtergegangen ist. Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose Kommerzialisierung – die Menschen sind auf dem besten Weg, sich selbst zu zerstören. Und so bleibt Gott nichts anderes übrig, als Seinen Sohn Jesus Christus, dem es im Himmel blendend geht und der mit Jimi Hendrix Gitarre spielt und Joints raucht, wieder auf die Erde zu schicken, um Gutes zu tun und das einzig wahre Gebot „SEID LIEB“ zu predigen. Widerwillig landet Jesus in New York und versucht, zunächst erfolglos, als Sänger und Gitarrist in einer Rockband Gehör zu finden. Derweil schart er seine ersten Jünger um sich – Drogenabhängige, Gescheiterte, Obdachlose, denen er zu helfen versucht. Als seine Mission, die Massen zu erreichen, zu scheitern droht, greift er zum letzten Mittel: Er nimmt an einer Castingshow teil. Damit beginnt eine denkwürdige Odyssee quer durch Amerika.

John Nivens Roman Gott bewahre!(Original: The Second Coming) ist fies, explizit, voller Schimpfwörter, rasant, brutal und dürfte so ziemlich jeden gläubigen Kirchenanhänger – NICHT gläubigen Christen –  so wie einen Großteil der Anhänger anderer Religionen Amoklaufen lassen. Als GOTT den Kreationismus in der Mittagspause auseinander nimmt, hab ich 10 Minuten durchgängig lachen müssen und das Gespräch am Autotelefon zwischen Gott und Mohammed ist auch priceless. Es ist vielleicht etwas übertrieben US-Jesusland Schwulen-, Schwarzen- und Minderheitenhasser, Abtreibungsklinikanzünder, usw. in der Hölle auf Fahrräder zu setzen, die einen mechanischen Dildo antreiben, so dass sich die Delinquenten beim radeln selber in den Arsch ficken, aber irgendwie passt es schon. Die Beobachtung, dass Jesus Christus ein verdammter Sozialist und anti-amerikanisch ist, reicht auch hier für ein schönes Waco-Finale.  Absolut empfehlenswert!

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4 Antworten zu „Gott bewahre – Flashback – Review“

  1. Cunningham schreibt:

    @doomi:
    Magst Du mir den zweiten zur Kittery mitbringen und ausleihen???? BÖDDÖÖÖÖ

  2. sirdoom schreibt:

    Erst mal muss ich den Heiko für die Fahrt hin/rück Messe überlassen und Ninja wollte den auch noch haben und… aber ich tu mein schlechtestes! 🙂

    Wobei das eigentlich als Kaufempfehlung gemeint war und nicht, dass ich die Kürzung bei den öffentlichen Bibliotheken ausgleiche 😉

  3. Cunningham schreibt:

    Der Ninja kann sich das kraft seiner perönlichen Ninjarität irgendwo anders organisieren… 😉

  4. sirdoom schreibt:

    Na, keiner von den Ninjas, die andauernd Infos für mich sammeln, sondern die Ninja… Wie ich mich da jetzt wieder rausreden werde, weiß ich echt noch nicht *amKopfkratz*

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