„Freiheitliches Schnellgericht“

Die Lybische Revolution geht los und die westlichen Staaten sehen ihre Ölverträge wegbrennen. Und Gaddafi unterstützen? Bei dem Presseklima? Wie verkauft man heutzutage die Unterstützung von Gaddafi als Garant der Freiheit und Sicherheit, während die alten und neuen Medien – zutreffend – von dessen Terrorregime berichten? Nun ja, gar nicht. Also hat man den Vertragspartner gewechselt und sich auf die Seite der nun als Freiheitskämpfer bezeichneten Aufständischen begeben. Nach monatelange Kämpfen und kräftiger Luftunterstützung der NATO, Waffenlieferung, Special Forces Einsätzen und allem was man noch tun konnte, ohne dass offiziell westliche Truppen in Uniform durch Tripolis laufen, haben die „Freiheitskämpfer“ gewonnen.

Und Gaddafi wird erwischt. Aber dann! Irgendwie stirbt er und die Presse fragt sich, wie das passieren konnte. Sich windend wird von zwei Videos berichtet, zwischen denen 10 Minuten liegen. Im ersten lebt er noch, im zweiten Video nicht mehr. Was da wohl geschehen ist?

Na was wohl? Die haben den verhassten Diktator nach allen Regeln der Kunst zu Brei geschlagen und abgeknallt. Was denn wohl bitte sonst? Damit konnte man doch rechnen. Und der Westen hat garantiert kein Interesse daran, dass Gaddafi vor dem Europäischen Kriegsverbrechertribunal auspackt, mit welchen unserer geschätzten Politiker er alles illegale Geschäfte gemacht hat. BÄMM, Ende der Geschichte. Überraschend war das jedenfalls nicht. Und sie werden auch alle anderen Angehörigen des Gaddafi-Clans umlegen, die sie in die Hände bekommen, siehe aktuell Moatassem Billah Gaddafi, der immerhin noch eine Kippe und was zu trinken bekommen hat, bevor man ihn an die Wand gestellt hat. Wieso auch sollten hasserfüllte Freiheitskämpfer/Aufständische, die jahrzehntelang unter Gaddafi leiden mussten, den vor ein Gericht stellen, während sogenannte zivilisierte Staaten, Killerkommandos losschicken und saudische Staatsbürger in Pakistan umlegen? Mir tut es nicht besonders leid um Gaddafi, trotzdem wäre es mir lieber gewesen, wenn er vor Gericht hätte auspacken können, aber sowas kann sich in den westlichen „Demokraturen“ keiner leisten, da könnte ja Unruhe entstehen.  Empörung über das Handeln der Freiheitskämpfer/Aufständischen ist jedenfalls scheinheilig und heuchlerisch.

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12 Antworten zu „Freiheitliches Schnellgericht“

  1. Karel schreibt:

    Dem Fazit kann ich grundsätzlich zustimmen…

    Zudem erscheint mir die Version aus der Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben – er habe „um sein Leben gefleht“ – irgendwie wenig glaubhaft: hätten sie ihn in Gewahrsam genommen, und dann öffentlich vor ein Gericht gestellt, hätte er doch ohnehin das Schicksal Sadam Hussains geteilt, und wäre aufgehängt worden (mit anschließender Veröffentlichung eines Videos im Internet), und das konnte er sich bestimmt auch selber denken…

  2. XDragoon schreibt:

    Ich finde den Titel irreführend. Der Großteil der Menschen in der „freiheitlichen“ westlichen Welt wird sich bei einem „freiheitlichen Schnellgericht“ einen Big Mac vorstellen.

  3. sirdoom schreibt:

    Ich weiß*g* Ich mache mir bei den Titel wenn möglich immer Gedanken um Doppeldeutigkeiten. 😉

  4. Cunningham schreibt:

    Verdammt, das Bild kenne ich aus einem Schulbuch. Wo treibst Du sowas nur immer auf.
    Und wann stellt sich endlich mal einer hin uns sagt: „Wir haben XY vor die Wand gestellt und erschossen, weil er es verdient hat!“

  5. sirdoom schreibt:

    Das ist „Die Erschießung der Aufständischen“ (spanisch El tres de mayo = Der dritte Mai) von Francisco de Goya und zeigt spanische Aufständische gegen Napoleon, die zusammengetrieben und erschossen wurden. Manchmal ist der Kunstunterricht eines humanistischen Gymnasiums doch hilfreich und wenn es nur darum geht Bildmaterial bei Wiki Commons aufzutreiben 🙂

    Sich hinstellen und die Wahrheit sagen ist doch sowas von out…^^

  6. Cunningham schreibt:

    Nein, ich glaube das hätte etwas schockierendes an sich…

  7. farmerboy schreibt:

    Spart auch Kosten so ein revolutionäres Schnellverfahren…

  8. Henning schreibt:

    War ja nicht der einzige Fall an dem Tag. Bisher insgesamt 54 Unterstützer der untergegangenen Diktatur, die sich der freiheitsliebenden demokratischen Jugend Libyens in den Weg gestellt haben … ob da bald auch die Islamisten in die „Parlamente“ einziehen? ^^

  9. sirdoom schreibt:

    Überraschend war das ja nun echt nicht. Die Russen haben beim Einzug in Berlin ja auch nicht Kaffeekränzchen gehalten. Und der Vietcong hat seine Brüder nach Abzug der Amerikaner auch nicht in die Arme geschlossen. Oder…

    Und Islamisten werden auf jeden Fall in das Parlament einziehen, die Frage ist bloss, wie viele und wie radikal.

  10. Henning schreibt:

    Stimmt 😉 Aber ich vermisse das entsetzte Medienecho 😉

    Stimmt 😉 Und ich bin gespannt, wie unsere Qualitätspresse sich das dann wieder zurechtlügt. Es kann ja nicht sein, …

  11. sirdoom schreibt:

    Bis auf wenige Ausnahmen wird es dazu kein Medienecho geben. Ein Teil der Leute wollte ihn tot sehen, ein Teil will bloss nichts darüber wissen, weil das etwas konträr mit dem „glorreichen und gerechten“ Freiheitskampf geht und ein weiterer Teil kann jetzt nichts negatives schreiben, um den „linken Gutmenschen“ einen reinzuwürgen, weil man bei OBLs Tötung zu dolle gejubelt hat. Das führt uns zu STILLE im Wald 😉

    Die hoffen halt, dass die Islamisten am Ende auf Kompromisse angewiesen sein werden und die neue Verfassung zwar Anleihen bei der islamischen Gesetzgebung nimmt, es aber genug Zugeständnisse gibt, um die Sache halbwegs positiv erscheinen zu lassen. Sowas in der Art.

  12. Pingback: “Libyen 2014 – Aftermath” |

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