„Salam aleikum, Tübingen“

Offizielle Eröffnung des bundesweit ersten Zentrums für islamische Theologie an der Universität Tübingen (die neue Homepage für den Fachbereich ist übrigens noch nicht „fertig“). Prominenz aus Politik und Theologischen Kreisen präsentiert sich und Journalisten und Fernsehsender suchen wie wild Interviewpartner. Und finden anscheinend keinen der richtig Deutsch sprechen kann. Oder eine Studierende ohne Kopftuch. Man könnte Schreikrämpfe bekommen. Einzig die Tatsache, dass die religiöse Deutungshoheit ansonsten weiterhin bei von Saudi-Arabien und aus der Türkei finanzierten radikalen Islamisten liegen würde und es nun nicht so viele alternative Lösungsmöglichkeiten gibt, verhindert das.

Trotzdem würde ich es ganz wunderbar finden, wenn man ein paar nicht verschleierte, deutschsprechende Muslime auftreiben* und endlich mal den Geldhahn bei den Salafisten abdrehen könnte. So schwierig kann das doch nicht sein, die auf die EU-Terrorliste zu setzen und die Konten einfrieren zu lassen, in anderen Fällen reicht es da doch auch, wenn man z.B. im Baumarkt Nägel gekauft hat. Ich bin ja eigentlich grundlegend gegen jede Form von „Staatsreligion“ oder weitreichender Verstrickung von Staat und Religion, aber wenn dabei ein aufgeklärter, europäischer Islam rauskommt, der sich an den Glanzzeiten der früheren islamischen Ideale (Wissenschaft und Streben nach Erkenntnis, mehre Deutungen zulässig, jeder muss selbst zu Gott finden, usw.) orientiert, dann von mir aus. Ärgern tut es mich trotzdem…

*Ausgehend von den Berichten und Interviews bei ARD, ZDF, N24, usw.

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3 Antworten zu „Salam aleikum, Tübingen“

  1. Cunningham schreibt:

    Hm, ich oute mich mal als geistig nicht ganz so fix:
    doomi ich verstehe diesen Artikel nicht so wirklich. Ist er pro oder contra, wen genau prangert er an? Die Presse? Das entsprechende Institut? Die „Islamisten“? Die Politik? Alle zusammen?

  2. 3-6 schreibt:

    Er findet den Versuch, über ein islamwissenschaftliches Institut eine Säkularisierung zu starten, zum Scheitern verurteilt. Einfach weil es keine Hierarchie gibt, wo man ansetzen könnte.
    Anscheinend streben nämlich nicht westlich orientierte Studenten in dieses Fach, sondern (zumindest optisch) die fundamentalistischen Kreise.

    Die dann in ein paar Jahren mit der Keule der Freiheit der Lehre schwingen werden, wenn sie aus den Unis heraus hetzpredigen.

    Zumindest habe ich es so verstanden. Also, Doomie?

  3. sirdoom schreibt:

    Jupp, davon ausgehend, dass die Fernsehberichte nicht absichtlich alle falsch/selektiv waren.
    Dazu kommt, dass man zusätzlich den Geldfluss der Islamisten lahmlegen müsste und die importierten Prediger absägen müsste. Aber da diese aufrechten, mit Millionen ausgestatteten Stiftungen aus Saudi-Arabien/Türkei sicherlich gar nichts böses vorhaben…

    Zur grundsätzlichen Idee, einen säkularisierten, europäisch geprägten Islam „zu schaffen“ stehe ich nicht mal wirklich negativ, einfach weil mir selber nichts wirklich besseres einfällt…

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