„Blind Guardian – Memories of a Time to Come“

Neulich habe ich doch glatt Ketzerei begangen und nach nur einem Song  angedeutet, dass der aktuelle Blind Guardian Best Of 3-Disc Monumentalschinken Memories of a Time to Come ganz doofe Ohren hat. Shitstorm mit Ankündigung. Nachdem ich jetzt dann doch mal in das komplette Boxset reingehört habe, schwöre ich ab, gelobe Besserung und bleibe dabei, dass der Anlass für meine Kritik immer noch gegeben ist, aber nun mal nichts mit dem Rest des Albums zu tun hat. Aber fangen wir mal woanders an.

Die Blinden Gardinen gehören zu den Helden meiner Jugend, als man nach einem Konzert den Bandmitgliedern noch an der Theke begegnet ist und man nicht vom A6 direkt nach dem Auftritt abgeholt wurde. Wobei natürlich ziemlich viel Nostalgie mitschwingt. Ich halte die ersten beiden Alben von Blind Guardian, nämlich Battalions of Fear(1988) [Anspieltipps: Majesty und Run for the Night, Shadowrun anyone?]  und Follow the Blind(1989) [ Anspieltipps: Banish from Sanctuary, Follow the Blind, zu Valhalla kommen wir später], für ungeschliffene Rohdiamanten, die schon früh angedeutet haben, was da noch kommen mag.  Tales from the Twilight World(1990)[Anspieltipps: Traveler in Time, Welcome to Dying, Lord of the Rings, Good bye My Friend, Lost in the Twilight Hall, Altair 4(find ich immer noch total genial!) und The Last Candle] und Somewhere Far Beyond(1992)[(Wer sich wundert warum hier die Links weniger werden: FUCK GEMA!) Anspieltipps: Time What Is Time(DER Bladerunner-Song!), Journey Through the Dark, Black Chamber(in der rauen, guten Fassung), Theatre of Pain(EPIC!), The Quest for Tanelorn, Ashes to Ashes, The Bard’s Song(der sich Live zu DEM Blind Guardian Song entwickelt) und Somewhere Far Beyond] sind dann die vollendeten Meisterwerke des alten Blind Guardian Stils.

BG Wallpaper01Danach begann ein neuer Weg, bei dem man sich fragte, ob das gut geht und für diese kritische Haltung gleich erst mal eins mit der groben Kelle verpasst bekam, denn die nächste Evolutionsstufe mit Imaginations from the Other Side(1994)[Anspieltipps: Imaginations from the Other Side, Bright Eyes und Another Holy War] und dem verkappten Herr der Ringe Soundtrack Nightfall in Middle-Earth(1998)[Anspieltipps: Into the Storm, Nightfall, The Curse of Feanor, Blood Tears, Mirror Mirror, Noldor (Dead Winter Reigns), Time Stands Still (at the Iron Hill)] klang zwar anders, war aber immer noch typisch Guardian und beide Alben wurden nicht umsonst zu Klassikern. Zwichendurch gab es 1996 noch das durchaus gefällige Cover und Akustik-Album The Forgotten Tales. Beim 2002er Album A Night at the Opera ging es dann schief. Hörbar überproduziert, Recycling, nur zwei Songs die mit älterem Material mithalten konnten. Als 2003 allerdings das monumentale Doppel-Live-Album mit dem schlichten Titel LIVE herauskam, war alles erstmal wieder in Butter. Ob man endgültig den Kultstatus von Valhalla, wo die Live-Version die einzig wahre ist, zementierte, oder Lord of the Rings und den Bard’s Song zelebrierte. Jeder Song ein Treffer mit Gänsehaut-Atmosphäre. Aber dann standen  A Twist in the Myth(2006) und At the Edge of Time(2010) an und die Magie war – zumindest bei mir und auch vielen Fans der ersten Stunde einfach weg. Nichts zwingendes und Werbung für Computerspiele(Sacred) sind noch eine harmlose Beschreibung. Dementsprechend misstrauisch war ich gegenüber dem aktuellen 2012er 3-Disc Best Of Memories of a Time to Come. Und als ich dann den Bard’s Song in der neuen Fassung hörte, bekam ich erst mal das blanke Grausen. Zu künstlich, zu weich, zu zugekleistert, einfach bäh. Womit wir allerdings auch schon bei einem der wirklich wenigen Kritikpunkte des Albums sind, den man im Vergleich zu dem was sonst geboten wird, auch gerne ausklammern kann.

27 Songs aus allen Perioden der Guardians, davon 15 rare Demos, der Rest größtenteils neu gemixt oder neu aufgenommen. Der neue Mix tut gerade den älteren Songs hörbar gut, die Neueinspielung von Valhalla ist echt gut – auch wenn sie natürlich nicht an die Live-Fassung ran reicht – wohingegen die Neuaufnahme von And Than There Was Silence keine riesigen Unterschiede offenbart. Die Demos sind teilweise echtes Gerumpel, aber verdammt gutes Gerumpel und der interessierte Fan kann sich einen wunderbaren Blick über die Entwicklung der Band verschaffen. Optimal für Neueinsteiger, verdammt nah dran an „Pflichtkauf“ für alte Fans. Und endlich ist auch mal wieder die Verpackung und das Cover-Artwork so richtig gelungen.

Mir jedenfalls hat Memories of a Time to Come wieder Lust auf Blind Guardian gemacht und die Neufassung vom Bard’s Song skip ich einfach. Und vielleicht – vielleicht! – hör ich auch sogar mal ins nächste Guardian Album wieder ernsthaft rein…

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3 Antworten zu „Blind Guardian – Memories of a Time to Come“

  1. Tyr McKenna schreibt:

    Ja verdammt, „Run for the night“ ist auch eines meiner liebsten SR-Kampf-Liedgüter 😀
    Allerdings muss ich sagen, ich fand „At the Edge of time“ ein ziemlich gutes Album. Klar, es kommt nicht an die klassiker ran, aber es war nach „A twist in the Myth“ und „A night at the opera“ ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung, und hat mich persönlich ziemlich auf das angekündigte Orchester-Album angefixt…

  2. sirdoom schreibt:

    Dann wer ich bei At the Edge of Time wohl noch mal reinhören. Aber als ich es damals angetestet habe, wurde es nur ein kurzer Durchlauf bei dem bei Oberflächlicher Betrachtung „alle Negativpunkte an Bord, positive Entwicklungen im Kurzdurchlauf nicht hörbar“ raus kam.

  3. Thomas schreibt:

    Ich muss mich den ATEOT Apologeten anschließen, das Album wirklich viele gute bis sehr gute Momente, hat sich wunderbar aus den Irrungen der beiden Vorgänger herausgehoben, ohne die auf ANATO und ATITM stattgefundene Evolution leugnen zu müssen. Statt Überproduktion ein sauberer, klarer, gitarrenbetonter Sound, die tragenden Melodiebögen stehen immer im Vordergrund, es gibt keine 500 Gesangsspuren auf einem Song mehr. Die Überorchestrierung unter der ANATO auch litt wurde ebenfalls zurückgeschraubt und die deutlich bessere Produktion macht die stark orchestrierten Teile (Sacred Worlds und Wheel of Time vor allem) auch deutlich angenehmer hörbar als noch auf ANATO, von der sehr unorganischen Produktion auf ATITM gar nicht zu reden. Auch die eher faden „moderneren“ Elemente die ATITM seinen besonderen Charakter verleihen, sprich, die langweiligen Riffs, sind Geschichte, auch wenn einige Strukturelemente in den ATEOT Riffs wieder auftauchen.
    Vor allem aber sind die Songs größtenteils richtig gut und mitreißend. Wo ANATO noch einige gute Songs aufzuweisen hatte und ATITM eigentlich nur noch Fly, höre ich bis auf Sacred Worlds eigentlich das ganze ATEOT Album gerne und immer wieder gerne, während ich ANATO kaum und ATITM eigentlich gar nicht auflege. Naja, anklicke ;).

    Was die Remixe und Neuaufnahmen auf der Best Of angeht bin ich alles in allem ziemlich zweigespalten. Es ist interessant zu hören, weil andere Aspekte der Songs in der Vordergrund gestellt werden, aber wirklich toll find ich eigentlich nur das Valhalla Rerecording, was aber vielleicht auch daran liegt, dass ich den Song an sich nie so toll fand.

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