„Leistungsschutzrecht für Versager“

Bei den Gesprächen des Koalitionsausschusses zwischen CDSU/FDP hat man ein altes Thema wieder ausgegraben, bei dem man hofft, sich nicht selbst zu zerfleischen und bei dem man alte „Verpflichtungen“ gegenüber eifrigen Spendern erfüllen kann: Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger.

leistungsschutzrecht-fuer-versager-logoDie gewerbliche Nutzung von Presseerzeugnissen im Internet soll innerhalb einer Jahresfrist insbesondere für Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren kostenpflichtig sein. Und mit „Texten“ meint man Überschriften, Zusammenfassungen, eigentlich alles. Inkasso und Verteilung der Entgelte soll eine Verwertungsgesellschaft wahrnehmen, wahrscheinlich die von allen geliebte GEMA, die schon mit Mafiamethoden für und in der Musik- und Filmbranche wütet. Offen ist dabei weiterhin, wo die Grenze zwischen der kostenpflichtigen gewerblichen Nutzung und der privaten Nutzung verlaufen soll, die angeblich weiterhin frei sein soll. Letzteres ist bisher aber nur eine Behauptung, der ich nicht allzu weit trauen würde. Natürlich ist dieses sogenannte Leistungsschutzrecht kompletter Schwachsinn. Presseverleger sind bereits durch das Urheberrecht geschützt, wobei sich gerade die Verleger häufig nicht daran halten und munter Fotos bei Facebook oder Stasivz klauen. Zudem könnte jeder Verlag seine Inhalte sichern, indem er sie nicht gratis ins Netz stellt. Oder man markiert einfach seine Inhalte und Googles Spiderbots nehmen sie nicht in den Index auf. Die Verlage sind auch gar nicht gezwungen ihre Inhalte überhaupt ins Netz zu stellen. Aber das geht natürlich auch nicht, weil dann niemand auf die Angebote der Verlage zugreifen würde und es keine Werbeeinnahmen regnen würde. Das Leistungsschutzrecht ist also nichts anderes als eine Zwangsabgabe, moderne Wegelagerei, bei dem die überholten Geschäftsmodelle von Presseverlegern geschützt werden sollen, nachdem diese bei der Politik rumgeheult haben und einige Euros überwiesen haben. Die haben da schleißlich auch einen sehr kurzen Dienstweg. Wobei mir einfällt: Crowdfunding! Wenn wir gemeinsam einige Millionen sammeln und dann als Spende an CDSU/FDP überweisen mit der „Bitte“ diesen Schwachsinn sein zu lassen, dann müsste das doch auch funktionieren, oder? Natürlich keine Chance, denn hier geht es auch um schicke Aufsichtsratsposten für die Zeit nach der politischen Karriere. Und da fragt sich noch einer, warum Deutschland die schon unterschriebene Antikorruptionsprotokolle der UN nicht umsetzt…

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8 Antworten zu „Leistungsschutzrecht für Versager“

  1. gondrino schreibt:

    In die Küche gerannt, was zu essen gekocht… es ist so was von zum Kotzen

    Ich finde es schon toll, dass die Regierungsparteien kaum eine Woche auslassen, in der sie nicht beweisen, dass sie außer Lobbyarbeit eigentlich nichts mehr tun. Ich bin wirklich gespannt, wie lange sich „die Leute“ das noch gefallen lassen. Irgendwann muss man doch mal aufwachen…(nein, ich will jetzt nicht, dass irgendwer meine naive Hoffnung zerstört…)

  2. sirdoom schreibt:

    Wie üblich ist es einer Mehrheit der Leute einfach scheissegal, aber die zum Glück ist die digitale Gemeinde z.Z. aktiv genug, weswegen sie auch so als Bedrohung wahrgenommen werden. Schließlich gingen viele Mainstream-Scheiße-Werfereien der letzten Monate auf Shitstorms im Netz zurück.

    Und unsere Politiker haben teilweise jegliches Realitätsgefühl verleoren. Hey, Wulff meint er VERDIENT Chauffeur, Auto und Büro 😉

  3. sirdoom schreibt:

    Und was die Branche allgemein angeht: Schauen wir doch mal wie sich die Musik-Content-Mafia um ihre „Künstler“ „kümmert.

    Auch „interessant„: Die Suche nach „Leistungsschutzrecht“ bei tagesschau.de und heute.de ergibt unglaubliche NULL Treffer.

  4. Ben Teddy schreibt:

    Es wird solange probiert, bis das Volk zu müde zum demonstrieren wird.

  5. gondrino schreibt:

    Ich glaube nicht, dass die Demonstrationsmüdigkeit das Problem ist, sondern die Uninformiertheit weiter Bevölkerungsteile. Und unsere öffentlich-rechtlichen Medien versagen mal wieder auf der ganzen Linie. Kriegen Geld vom Gebührenzahler und stecken mit der Content-Mafia und Ihren korrupten Helfern unter einer Decke…muss schon wieder zum k…

  6. Pingback: “Leistungsschutzrecht für Versager – Reloaded!” |

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