„Review – John Carter“

Edgar Rice Burroughs ist in Deutschland wenn überhaupt durch Tarzan bekannt. Im anglo-amerikanischen Raum hat er eine weitaus bedeutsamere Stellung inne und gilt als eine der Lichtgestalten der Phantastik. Eine seiner bekanntesten und beliebtesten Buchreihen ist “John Carter of Mars“, auch bekannt als Barsoom*– oder Mars-Zyklus.

*Es ist eine gute Faustregel, dass in 99% aller SciFi-Bücher, in denen der Mars ansatzweise erwähnt wird eine Anspielung auf Barsoom oder John Carter versteckt ist. Peter F. Hamilton Commonwealth-Saga ist da nur ein Beispiel. Auch die GOR-Reihe kann ihre Anleihen nicht verbergen und ist, wenn man ein Auge zudrückt, die BPjM-Variante der Barsoom-Reihe. Eine weitere literarische Würdigung der John Carter-Geschichten schuf Michael Moorcock der mit seiner Michael Kane-Trilogie eine ganz ähnliche Serie schrieb, die er selbst als eine Würdigung für Burroughs betrachtet. Auch sollte man nicht vergessen, dass es Dark Sun ohne John Carter wohl nicht geben würde.

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg begibt sich der ehemalige Konföderierten-Captain John Carter auf Goldsuche. Er gerät bei der Flucht vor den Apachen in eine, in eine mysteriöse Höhle, wo er von einem geheimnisvollen Mann angegriffen wird, der dabei einen Talisman verliert. Als Carter ihn tötet, spricht er der Fremde noch einige Worte und Carter verfällt in einen Starrkrampf. Als er erwacht, befindet er sich in einer fremdartigen, bizarren Landschaft. Schnell wird ihm klar, dass er nicht mehr auf der Erde sein kann, sondern sich auf dem Mars(Barsoom) befindet, wo er aufgrund der niedrigeren Schwerkraft stärker ist und weiter und höher springen kann als jeder Eingeborene. John Carter erkennt, dass der Planet ein sterbender ist. Überall findet er Reste alter Hochkulturen, die nicht von den jetzigen Bewohnern geschaffen wurden. Die Meere sind teilweise ausgetrocknet und der Sauerstoff muss künstlich erzeugt werden. Trotzdem gibt es ein mannigfaltiges Leben. Und davon gibt es so einige, wie die vierarmigen, grünen Marsianer, die menschenähnlichen Roten, wie die Prinzessin Dejah Thoris,  und die Priester, die für viele nur noch eine Legende sind, dafür aber erstaunlich viel mit dem auf dem Mars stattfindenden Bürgerkrieg zu tun haben und merkwürdigerweise recht genau über die Erde Bescheid wissen. Unaufhaltsam wird John Carter in den Kampf zwischen den Parteien hineingezogen.

Die Verfilmung von Edgar Rice Burroughs Barsoom-Saga hält wahrscheinlich den Rekord für den längsten Aufenthalt in der Development Hell, insgesamt 79 Jahren Hölle. Die Vorproduktion für den ersten angedachten, abendfüllenden, animierten Film startete 1931(Jahre vor Disneys Snow White and the Seven Dwarfs). Danach wurden die Rechte regelmäßig weitergereicht und unter den angesetzten Regisseuren befanden sich u.a. John McTiernan, Robert Rodriguez, Kerry Conran(Sky Captain and the World of Tomorrow) oder Jon Favreau(Iron Man), bevor die Rechte wieder einmal bei Disney landeten und man sich bei Pixar Andrew Stanton auslieh, um den Film endlich doch noch umzusetzen. Wobei Disney ernsthaft Lob gebührt, ein 250 Millionen U$D-Budget für die Verfilmung einer 100 Jahre alten Pulp-Saga mit Nischenappeal rauszurücken. Es ist fast unfair dabei den pulpigen Hintergrunde der Barsoom-Geschichten zu erwähnen, schließlich haben danach wirklich alle davon ausgiebig geklaut. Flash Gordon(aber so richtig!), Dune, Star Wars, Avatar, um nur ein paar zu nennen. Und der Barsoom-Kosmos ist mindestens ebenso episch angelegt und nicht mal eben in einem Satz à la Avatar zu erklären. Was auch dazu führt, dass man gleich in der Auftaktsequenz leider einen nicht allzu schönen Infodump anbringt, der auch noch unnötig verwirrend ist. Nachdem man dies hinter sich gebracht hat, kann aber endlich die Geschichte erzählen und dies gelingt Stanton ziemlich gut. Er ballert dabei zum Glück auch nicht eine Actionszene nach der anderen aneinander, sondern lässt sich Zeit mit dem Aufbau, zeigt die Welt die John Carter verlässt und die neue, die er betritt, bietet Raum die Charaktere und die Umgebung kennenzulernen und baut auch so einige Gags ein. Persönlich gefällt mir besonders die Anspielung auf die 80er Dune-Verfilmung mit dem Monolog der Tochter des Imperators. Die Schauspieler sind nicht überragend – kein Johnny Depp als Jack Sparrow oder Downey Jr. als Tony Stark –  aber treffend besetzt und durchaus überzeugend. Leider stockt es immer wieder bis zur Mitte des Films, wenn etwas umständlich versucht wird, die zahlreichen Handlungsstränge alle einzufügen. Das Pacing des Films , der Flow ist da leider nicht ganz optimal.

Technisch ist der Film State of the Art und die Animationen der Green Martians sind das Beste seit Avatar. Abzüge gibt es in der B-Note. John Carter wurde nicht in 3D gedreht, konzeptionell nicht dahingehend gedreht und nur nachträglich bearbeitet. Schlecht sieht es deshalb nicht aus, aber bis auf ein paar Spielereien mit Namenseinblendungen, ist es vollkommen überflüssig. Immerhin war man so zurückhaltend, dass man nicht allzu Seekrank wird. Trotzdem gilt hier die Empfehlung: Größtmögliche Leinwand, denn dafür ist die Optik einfach gemacht. Aber wenn irgend möglich bitte in 2D anschauen. Die Soundeffekte sind ebenfalls auf höchstem Niveau, allerdings weiß der Soundtrack nicht immer genau in welche Richtung er will und wirkt am Ende etwas zu generisch.

Fazit: Wer Sci-Fi liebt, wer mit Landspeedern durch die Wälder Endors geflogen ist, die Weiten von Arrakis erlebt hat, Prinzessinnen gerettet und Tyrannen gestürzt hat, der kommt um John Carter nicht mal ansatzweise drum rum und wird dafür belohnt werden. Wer Transformers will, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein, weil nicht so viel wie erwartet in die Luft fliegt, was mir aber ehrlich gesagt vollkommen egal ist. Wer den großen künstlerischen Anspruch sucht, muss sich den etwas zusammenbasteln. Aber wichtig ist das nicht wirklich. Wichtig ist, dass John Carter den Geist von Barsoom einfängt und einen für zwei Stunden in eine andere, fantastische Welt bringt. Bunt, wild, ein bisschen antiquiert und sehr unterhaltend.  Daumen hoch!

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18 Antworten zu „Review – John Carter“

  1. Sigismund Dijkstra schreibt:

    Komme gerade aus dem Kino:
    Unterhaltsamer Film, der trotz langer Spielzeit nicht mit Längen zu kämpfen hat und eine schlichte, aber dennoch solide Geschichte erzählt. Logiklöcher gibt es auch nur sehr wenige – Erklärungen so gut wie gar nicht.
    Wenn man mit dem Vorwissen eine fast einhundert Jahre alte Geschichte zu sehen bekommt in den Film geht, wird man sehr gut unterhalten und vor allem nicht enttäuscht.
    Schauspielerisch absolut solide Kost. Nichts oscarverdächtiges, aber bei weitem besser als das, was das Actionkino heutzutage so aufbietet … ja ich schau in deine Richtung Shia LaBeouf!
    Außer, dass ich mich jetzt auf die Suche nach den Büchern mache – ein extrem seltenes Phänomen bei mir -, freue ich mich schon darauf, dass meine Weltraumkanone ankommt, die ich im A.C.M.E. Katalog bestellt hab. Da ich keine Lust hab erst lange nach so einem Amulett zu suchen, schieße ich mich eben damit zum Mars, denn ich will auch so eine schnuckelige Prinzessin … 😉

  2. sirdoom schreibt:

    Wie voll wars denn? Als Nyx und ich gestern um 22:30 drin waren, war es ziemlich leer. Für mich als Zuschauer toll, aber für den Film und seine Einspielergebnisse eher nicht so wirklich. Und Freitag Abends ist eigentlich sonst auch immer die Spätabendsvorstellung – gerade am Start-WE – voll. Und mich beschleicht der Verdacht, dass der Film zwar keine Box Office Bombe wird, aber zu wenig einspielen wird, als dass Disney eine Fortsetzung dreht, was ich sehr schade finden würde.

  3. Sigismund Dijkstra schreibt:

    Wir waren in der 19:50 Vorstellung. Rappelvoll war es nicht, würde aber sagen die für 3D bevorzugten mittleren Sitze waren über alle Reihen gefüllt.
    Um ehrlich zu sein, rein vom Trailer her und ohne Vorwissen zum Material, hat er mich nicht sonderlich interessiert. Einen großen Kassenerfolg sehe ich daher nicht voraus.
    Sollte der Film zu wenig einspielen, dann hoffe ich, dass sie keine Fortsetzung machen, denn die wäre dann mit weniger Budget sicherlich gerade einmal straight-to-DVD-Material.

  4. Andai schreibt:

    Mich stört nur eines daran:

    es ist 3D und leider in Berlin keine 2D >Vorstellung..also auf DVD warten, da ich aktuell gesundheitlich 3D nicht darf….

  5. 3-6 schreibt:

    Du darfst nicht dreidimensional gucken? 😉

    Dejah Thoris / Carter / Barsoom … davon bekomme ich Alpträume. Heinlein ist wohl ein großer Fan von der Story, mehrere Bücher von ihm sind voll davon …

  6. sirdoom schreibt:

    Nahezu alle Autoren des Golden Age of SF sind Fans von Burroughs/Carter/Barsoom*g*.

    Das dreidimensionale Sehen ist nicht das Problem, sondern die Vortäuschung von dreidimensionaler Bewegung bei gleichzeitigem nicht bewegen/sitzen. Auch als Simulator oder Gaming Sickness bekannt. Das Übelkeitsgefühl kommt dadurch zustande, dass dem Auge des Simulationsbenutzers(oder in diesem Fall Zuschauers) eine Bewegung vorgetäuscht wird, die der Information des Gleichgewichtsorgans im Innenohr widerspricht. Leute die sowas haben, sollten auch beim lesen im Auto vorsichtig sein.

  7. Andai schreibt:

    Jepp genau das und gut zusammengefasst. Es tritt allerdings nicht immer auf, aber es erklärt auch diverse Probleme mit dem Lesen bei Auofahrten, die ich bereits in jungen Jahren hatte…doch vorerst ist nichts fest, nur dass ich halt unter starker Übelkeit und Kopfschmerzen bei 3D Filmen neige…aber hey so spare ich Geld ^^

  8. Nemo schreibt:

    Ich verlasse mich mal auf deine Bewertung und werde mir dem Film im Kino ansehen. Sollte mir der Film nicht gefallen, wirst Du das spätestens auf der Galahad oder Kittery in einem Mechduell büsen müssen. 😉

  9. sirdoom schreibt:

    ^^MG-Duell mit Heuschrecks auf 3 Felder, jeder ein Schuss! 😀

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