„Review – Iron Sky“

2018 – Um ihre Aussicht auf Wiederwahl zu festigen, startet die US-Präsidentin eine multimillionenschwere Werbekampagne und schickt wieder Amerikaner auf den Mond. Nur einer davon ist ein Astronaut, der andere ist ein männliches, schwarzes Modell namens James Washington und soll für die Fernsehkameras gut aussehen. Nebenbei sollen sich die beiden noch nach Helium 3 umschauen – wie schon andere das getan haben – was eine einträgliche Energiequelle wäre. Aber direkt neben dem Zielort befindet sich schon eine Mondmine der Nazis,  die nach dem zweiten Weltkrieg auf den Erdtrabanten geflüchtet sind und seitdem damit beschäftigt sind für das Rematch aufzurüsten. James Washington wird gefangen genommen, „albinisiert“ und soll Führer Kortzfleisch und dessen ambitionierten Handlager Adler – „Ich werde Führer an Stelle des Führers!“ – bei einer geheimen Erdmission unterstützen, deren Ziel es ist moderne Smartphones, Tablets u.ä. zu besorgen, weil man nur damit die riesige Weltvernichtungsmaschine und ultimative Superwaffe der Nazis, die fliegende Festung Götterdämmerung, zu betreiben. Dazu kommt noch die idealistische SS-Offizierin und Lehrerin Renate Richter, die von der positiven Heilslehre der Nazis überzeugt ist und als Erdexpertin gilt.  Auf der Erde trifft Adler auf die Wahlkampfmanagerin der US-Präsidentin, schlägt einen für ihn positiven Deal vor und die US-Präsidentin sieht eine wunderbare Chance, ihre Wiederwahl zu garantieren. Meteorblitzkrieg und Star Wars stehen vor der Tür!

Unendlich viel ist über Iron Sky schon gesagt worden, über das Crowdfunding und den Plot, über flache Witze, über gute Effekte, über Trashfilme und Kunst. Aber wie sieht es denn nun wirklich aus? Wenn man ganz ehrlich ist, dann haben einige der Kritiker durchaus recht. Iron Sky holpert sich teilweise durchs Drehbuch, wirkt Episodenhaft und es entsteht nur selten ein richtiger Sog, der sich durch Szenen hindurch zieht. Und die Dialoge schwanken zwischen anbetungswürdig und platt. Aber macht das wirklich was? Ein Großteil der Gags zündet, die Story bleibt trotz einiger Stolperer absolut verständlich und das Overacting passt wunderbar zum Trash-Charme des Films.

Iron Sky will nicht hochtrabende Kunst sein, sondern bissige Unterhaltung und genau das gelingt dem Film auch! Alleine die Szenen bei der UN – Nordkorea reklamiert die Flugscheibenangriffe sofort für sich und „seinen“ großen Führer und wird von allen ausgelacht, ganz großes Tennis – wären das Eintrittsgeld schon wert. Technisch ist der Film fast gleichwertig mit einem sauteuren US-Blockbuster und die Effekte sind meistens auf dem Niveau von Sky Captain and the World of Tomorrow, was ehrlich gesagt die Effektfirmen einiger großer Blockbuster der letzten Zeit in arge Erklärungsnöte bringt! Die Retroarchitektur und der Look der Mondnazis sind liebevoll und detailreich in Szene gesetzt, die Erdflotte fällt unter schamlosen Military SciFi-Porn.  Ich hatte mich auch sehr auf die Filmmusik von Laibach gefreut, wurde hier aber doch etwas enttäuscht. Zu viel Wagner liegt schwer im Magen und passt nicht immer. Erst zum Ende wird da noch mal nachgelegt.

Bei den Schauspielern kann man Julia Dietze herausheben, deren Propagandarede im Fetish-Nazi-Kostüm im Weißen Haus einfach herrlich ist. Udo Kier als Führer Kortzfleisch siecht etwas zu viel durch die Landschaft, Götz Otto als Führeraspirant Adler overacted imho zu stark, Christopher Kirby als US-Modell und Teilzeit-Astronaut mit ausreichend Wing Commander-Erfahrung hat etwas viel Durststrecke vor dem Finale, Peta Sergeant als durchgeknallte Wahlkampfmanagerin ist gut, aber von der „Der Untergang-Wutredenparodie“ hatte ich mir mehr versprochen.

Fazit: Iron Sky ist einfach guter, bissiger und unterhaltsamer Trash mit einigen wundervollen WTF?-Momenten. Ob daraus Kult wird? Keine Ahnung, kann aber muss nicht. Ist aber auch egal, weil leider geil…

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9 Antworten zu „Review – Iron Sky“

  1. Agent Pöhlemann schreibt:

    Das Ende wird mir eine Weile in Erinnerung bleiben. Liegt irgendwie schwer auf dem Magen, aber nicht weil es schlecht wäre (wie in anderen Filmen) und auch aus keinem anderen Grund den ich im Vorfeld erwartet hätte. Ganz netter Twist, da!

  2. sirdoom schreibt:

    Beim Ende war auch bei uns im Kino plötzlich angehaltener Atem und einiges Schlucken zu vernehmen^^

  3. Binding schreibt:

    Ich bin zwar etwas enttäuscht (weil ich einfach schon zuviel vorab wusste), aber gerade das Ende hätte auch noch etwas fetter ausfallen können, oder? Genauso die Schärfe der Satire insgesamt. Das alles war ja sehr, sehr harmlos. Hallo, der Film ist ab 12 freigegeben! Trotzdem toll, dass er zustande kam.

  4. sirdoom schreibt:

    An einigen Szenen ist mir das auch aufgefallen, dass ich schon zu viel über den Film wusste und mehr gelacht hätte, wenn ich es erst im Kino gesehen hätte. Was die Härte der Ansagen anging: Die ist für Mainstream schon unglaublich hoch. Für den Kenner fehlt da dann vielleicht doch etwas die Würze, aber die Anzahl derer ist zu niedrig, als dass man da einen Film drehen kann, der so aussieht, oder?

  5. Agent Pöhlemann schreibt:

    Zustimmung in allen Punkten.
    Vielleicht bin ich da einfach zu nachsichtig aufgrund des Hintergrunds der Entstehung dieses Films.
    Allerdings tippe ich aber eher auf zu anspruchslos geworden wegen zuvielen Hollywood-Enttäuschungen.
    Da brauchts eben nicht mehr viel um rauszuragen 🙂

  6. Cunningham schreibt:

    So, nun habe ich mir aller Befürchtungen zum Trotz den Film doch angesehen und muss sagen, ich wurde sehr gut unterhalten und habe richtig herzhaft gelacht…

    „Ah, Nazis, die einzigen, die wir in einem fairen Kampf besiegt haben.“ <- es ist schon interessant, dass gerade hier im Kino ein empöhrtens "Öhöhöh" zu hören war, trotz des ansonsten sehr enstpannten Publikums.

    Viel einschneidender in Sachen menschlicher Wahrnehmung war für mich der Unfall, den ich auf der Rückfahrt vom Kino "beobachten" durfte.

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