„Review – The Divide“

New York wird mit Atomwaffen bombardiert. Eine kleine Gruppe von Menschen verirrt sich auf der Flucht in den Keller und in den Privatbunker des Hausmeisters(Michael Biehn). Innerhalb des Bunkers beginnen schon bald Lagerkoller, Anzeichen der Strahlenkrankheit, Paranoia, Essenshortung, sexuelle Übergriffe und eine zunehmende Entmenschlichung und Zersetzung der dünnen zivilisatorischen Schicht. Und dann gibt es noch die Jungs in den weißen Strahlenschutzanzügen mit den Sturmgewehren. Diese sind aber nur eine offensichtliche Gefahr, denn wie sich schon bald rausstellt, können in einer Gruppe noch viel grausamere Dinge passieren…

Okay, vorweg: Wer hier einen üblichen Endzeit-Ballerslasher erwartet, wird ganz schrecklich enttäuscht werden. Action, Slashing und Horror sind genug vorhanden, aber der eigentliche Fokus sind weder Atombomben noch Waffen, sondern die Menschen und wie sie sich in extremen Situationen verhalten, wie gruppendynamische Bewegung entsteht und sich nicht aufhalten lässt. Wie Vernunft zu Unvernunft und Schwäche wird und kleine charakterliche Fehler sich zu schweren dysfunktionalen Störungen entwickeln.  Und dies gelingt dem Film ganz hervorragend. Manchmal im Aufbau etwas zu lang, aber dafür nachvollziehbar und im Endeffekt dafür umso brutaler.

The Divide04In Hinblick auf den Verlauf könnte man auch von einem teilweise radikalen Emanzipationsprozess sprechen, der mit ziemlich viel Blut endet. Man „entkommt“ dem Wahnsinn nur mit der „Logik“ die hinter dem Wahnsinn steht und wenn man diese mit gandenloser Konsequenz anwendet. Wer darin eine Variation von Herr der Fliegen sieht, hat damit nicht unrecht. Und man merkt sehr deutlich, dass ein Franzose den Film gedreht hat.  Xavier Gens hat den Hitman-Schmarrn überlebt, sich wieder an seinem bisher besten Film Frontier(s) orientiert und diesen bei weitem übertroffen.

Michael Biehn als traumatisierter und paranoider Einzelgänger, HeroesMilo Ventimiglia als Herr der Fliegen-Jack und Hawaii Five-0 Teilzeit-Fee Lauren German als Alice in Horrorland machen ihre Sache allesamt sehr gut und optisch sieht THE DIVIDE für seine 3 Millionen Budget grandios aus – gefühlt einfach mal 10-20 Millionen drauflegen. The Divide ist übrigens ein Paradebeispiel für Break the Cutie und Took a Level at Badass. Der Trailer verrät wieder viel zu viel und teilweise auch das Falsche, wer trotzdem reinschauen will, klicke hier. Fazit: Derber und gelungener Endzeit-Psycho-Slasher, der nicht jeden ansprechen wird und teilweise harter Tobak und nicht so leicht zu verdauen ist. 4 von 5 blutigen Bunkerpsychosen, the lucky ones died in the blast!

 

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4 Antworten zu „Review – The Divide“

  1. Andai schreibt:

    Ich muss dir da absolut zustimmen, wobei ich es sehr +schön* fand, dass bestimmte Dinge gar nicht mal beschönigt wurden, sondern radikal gezeigt wurde, wie der Mensch sein kann, gerade in einer solchen Situation. Allerdings hat mir der Film im Endeffekt nur gezeigt: sollte es zum Atomkrieg kommen, hoffe ich einer der Glücklichen zu sein, die sofort drauf gehen ^^.
    Ein sehr treffendes Zitat in dem Film und auch die schauspielerische Leistung fand ich überzeugend. Ich saß jedenfalls die komplette Laufzeit sehr gebannt da. Selbst der *kurze* Eingriff der netten Hazmat Truppe von nebenan, nebst Anspielung auf Nordkorea, fand ich sehr bezeichend, wie der Mensch immer unmenschlicher, egoistischer und brutaler wird, wenn es ums nackte Überleben auf die eine oder andere Weise geht und sich nicht um seine eigene Art dabei schert.

    Irgendwie beängstigend zu was *wir* fähig sind/sein könnten.

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