„Auf zur Schlachtbank“

Und Angela Merkel hat es wieder getan. Einer ihrer Schergen wird geopfert, um das System Merkel weiter bestehen zu lassen. Aber diesmal war es eher eine Schlachtung mit Ankündigung. Norbert Röttgen war in konservativen Teilen der CDSU noch nie sonderlich beliebt. Zu grün, zu modern, ein zu schneller Aufstieg. Aber Merkel hat sich an die Weisheit alter Monarchen gehalten, die schon damals wussten, dass wenn jemand seinen Aufstieg genau einer Person verdankt und der Rest ihn loswerden will, diese Person zur Loyalität verdammt und abhängig ist. Das Problem – für Röttgen – ist dabei, dass einem im Falle des Falles niemand hilft. Der Förderer serviert einen ab und die Umstehenden applaudieren.

Hätte Röttgen die Wahl in NRW 2012 nur knapp verloren, hätte Merkel ihn wahrscheinlich gehalten. Röttgens Rücktritt als Landeschef wäre ausreichend gewesen, um die Gemüter vorerst zu beruhigen. Aber der katastrophale Absturz rief die Haie auf den Plan. Unter ihnen Horst Seehofer, ein gerissener, bayrischer Amigo-Hai, der selber um den Bestand der CSU und sich selber fürchten muss und jede Form der Profilierung verzweifelt an sich reißt. Sei des Herdprämie, Facebookparty oder „ehrliche Tranzparenz und Offenheit„.

Natürlich hatte letzterer Punkt nichts mit überraschender Offenheit und Transparenz zu tun. Er hat Röttgen auf die Schlachtbank geführt und zum Abschuss freigegeben. Er hat den Startschuss für alle gegeben, die Röttgen schon immer erledigt sehen wollten. Und damit wurde Röttgen für Merkel unhaltbar. Sie hat ihm nahegelegt, von sich aus zurückzutreten, was Röttgen ignoriert hat, da er sich anscheinend nicht bewusst war, wie schlimm es um ihn steht. Glaubt man der politischen Gerüchteküche Berlin, erfuhr er am Vormittag von seiner politischen Ermordung, als er mit Wolfgang Schäuble im Flieger saß. Röttgen kalkweiß und Merkels Adlatus/Faktotum Schäuble, der demonstrativ kein Wort mit Röttgen sprach, ihn wie einen Aussätzigen behandelte. Merkel hat ihn eiskalt aus dem Kabinett und den Wölfen zum Fraße vorgeworfen. Und dann hat sie sich mit Peter Altmaier jemanden als Ersatz gesucht, der ein gewiefter Parteisoldat ist und wo ihre innerparteilichen Kritiker arge Probleme haben werden zu meckern. Aber Merkel wird sich ganz genau merken, wer sie zu diesem Schritt gedrängt hat und man sieht sich immer zweimal im Leben. Die Frage ist bloss wann und ob das System Merkel noch so lange trägt…

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7 Antworten zu „Auf zur Schlachtbank“

  1. rabenaas schreibt:

    Wär’s ein Shadowrun-Plot um eine Megakonzern-Spitze, würde man es für unrealistisch platt und typisch für die banal-einfache Sicht der SR Autoren halten, die von realer Politik keinen Dunst haben 😉

  2. sirdoom schreibt:

    Ich weiß noch die Sache mit den metamenschlichen Babybrutkästen bei Tamanous, wo alle rumgeschrien haben, wie unrealistisch das ist. Und in Nigeria hat das damals(so um 2005/2006 rum) schon wer eiskalt durchgezogen, wobei die da noch einen Schritt weitergegangen sind und Prostitution, Baby- und Menschenhandel samt Organhandel schön in einen Arbeitsprozess integriert haben… Wenn du denkst es ist zu weit hergeholt, setz einfach noch einen drauf, dann kommt es ungefähr an die Realität dran 😉

  3. Ben Teddy schreibt:

    Schuld an der Schlappe der CDU war eher Merkel mit ihrer Europolitik, Röttgen war einfach nur zur falschen Zeit im falschen Amt.

  4. sirdoom schreibt:

    Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Kombi aus Personenwahl, Kraft in NRW verankert, Röttgen will sich nicht festlegen, Denkzettel für Merkel UND dem Wunsch danach eine stabile Regierung nach dem Husarenritt davor zu bekommen dürfte es ausgemacht haben 😉

  5. Justizopfer schreibt:

    Hey, das war mein Run, und der ist dritter geworden! Gab es da intern so eine große Welle? Ich wüsste gerne mehr 😀

  6. sirdoom schreibt:

    In einem der älteren SR-Bücher steht auch schon was zu Babybrutkästen und Tamanous und viele Leute fanden das nicht nur geschmacklos, sondern vollkommen unrealistisch.^^ Und ich hatte mit dem ^^ Run so gar keine Probleme, imho(!) nicht blutig genug 😉

  7. Justizopfer schreibt:

    hehe. ich wollte auch eher Horrorstimmung aufbauen ^^. Schade, ich dachte ich könnte es darauf schieben, das ich nicht gewonnen habe

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