„Harpuniert!“

Man kann über das Vorgehen von Paul Watson, dem Gründer der Sea Shepherd Conservation Society geteilter Meinung sein. Der aktuelle Vorgang um ihn, ist allerdings im Bereich bösartig-abstrus zu finden.

Paul Watson und die Sea Sheperd haben den japanischen Walfang empfindlich gestört und es sich auch mit verdammt vielen anderen Big Business-Akteuren der Weltmeere verscherzt und sie vor allem viel Geld gekostet. Also haben sich die Hintermänner ein kleines, korruptes Land gesucht(Costa Rica) und sich einen Haftbefehl gekauft. Costa Rica hat daraufhin einen Auslieferungsantrag an Deutschland gestellt, woraufhin Watson am Montag(14.05.2012) in Frankfurt verhaftet wurde.  Grundlage des Auslieferungsantrages ist ein Haftbefehl eines lokalen Gerichtes wegen eines Vorfalles aus dem Jahr 2002(!!!) in internationalen Gewässern vor der Küste Costa Ricas bzw. Guatemalas. Watson wird durch die Behörden in Costa Rica beschuldigt, einen illegalen Eingriff in den Seeverkehr vorgenommen zu haben. Er selbst bestreitet jedes strafrechtliche relevante Vorgehen. Aber Costa Rica wird es sicherlich gut begründet haben, dass Deutschland sich gezwungen gesehen hat, Watson umgehend zu verhaften, nicht wahr? Nicht wirklich, wobei man als Zeugen hier jemanden heranziehen kann, dessen Schützenhilfe eher ungewöhnlich ist. Interpol Lyon hat nach eingehender Prüfung des Sachverhalts auf der Grundlage von Art. 3 der dortigen Statuten entschieden eine Empfehlung gegenüber den Vertragsstaaten von Interpol auszusprechen, Paul Watson nicht festzunehmen und eine internationale Fahndungsausschreibung (Interpol Red Notice) ist durch das Generalsekretariat von Interpol abgelehnt worden.

Begründung: Interpol ist nach vorliegender Faktenlage davon überzeugt, dass  wahrscheinlich ausschließlich politische Motive hinter der strafrechtlichen Verfolgung von Watson stehen…

Update: Watson ist Kaution(250.000€) gewährt worden, er sitzt aber wahrscheinlich noch über das WE in haft, er darf Deutschland nicht verlassen und die Posse geht weiter.

Update 2: Watson hatte nach mehr als 70 Tagen in Hessen, wobei er sich jeden Tag bei der Polizei melden muste wohl genug und ist auf der Flucht. Wahrscheinlich in einen Rechtsstaat… [Quelle]

Und was macht die Springer-Presse daraus? Genau, Öko-Terroristen-Alarm…

Update 3: Etwas mehr Hintergrund: Nach eigenen Angaben ist Watson untergetaucht, weil er Wind davon bekommen hat, dass Japan Costa Rica dazu benutzt, um ihn in den Knast zu bekommen. Japanische Journalisten bestätigten Teile dieser Vermutung[Quelle]. Jetzt gibt doch noch eine Interpol Red Notice für Watson. Weil Deutschland „pissed“ ist, weil er untergetaucht ist und Costa Rica einen zweiten Anlauf mit „neuen“ Beweisen unternommen hat. Stinkt doch sehr, die Sache… [Quelle Interpol]

Update 4 (2013): Nach 15 Monaten ist Watson unbehelligt in die USA eingereist und der Interpol-Eintrag wurde anscheinend gelöscht. Ohne Angabe weitere Angabe von Gründen. Von Japan wird er natürlich weiterhin gesucht. [Link]

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7 Antworten zu „Harpuniert!“

  1. XDragoon schreibt:

    Ich empfehle an dieser Stelle auch die Dokumentation „Shark Abyss“, bei deren Dreh genau jener Vorfall passierte. In der Doku wird auch die Haiflossenindustrie in Costa Rica und die Flucht der Sea Shepherds vor den örtlichen Behörden und der Küstenwache gezeigt.

  2. Wallace schreibt:

    Kleiner lustiger Fakt am Rande: StarTrek ist schuld. Denn Watson war unterwegs zur FedCon in Düsseldorf.

    Von Watson als Person mal vollkommen abgesehen, ist das schon ein starkes Stück. Deutschland macht sich hier zum Büttel einer korrupten Bananenrepublik. Interpol sagt: „Fahndungsaufruf!“, dann sagen sie „Wir haben das untersucht, das Ganze ist politisch motiviert, Fahndungsaufruf zurück!“ und die deutschen Behörden sagen „TMDR“, oder wie?

    Immerhin scheint Staatsanwaltschaft und Gericht aufgefallen zu sein, dass da was nicht stimmt. Sonst würden sie wohl kaum offen darauf hinweisen, dass das Justiz- oder Aussenministerium jeder Zeit einschreiten könnte.

    Nicht wirklich ernst gemeint und ziemlich polemisch:
    Vielleicht sollte Watson auch Rückenschmerzen bekommen und seinen Bart geflochten nach Prinzessin-Lea-Manier aufdrehen. Dann spart er den deutschen Steuerzahlern immerhin einen Haufen Geld, weil irgendwelche Staatsgäste ihr Kommen zu Sportveranstaltungen absagen…

  3. ravenscroft schreibt:

    Guter Kommentar, Wallace. Es ist in der Tat eine Schande das die Bundesregierung hier nicht einschreitet.
    Und den Fakt mit Star Trek kannte ich bisher noch nicht 🙂

  4. Cunningham schreibt:

    Watson war auf der diesjährigen FedCon als Special Guest gelistet.

    Moment, seit wann gibt es bei uns die Möglichkeit Kaution zu stellen?

  5. sirdoom schreibt:

    Auch in Deutschland gibt es die Möglichkeit einem erlassenen Haftbefehl und Untersuchungshaft durch eine Kautionshinterlegung(„angemessene Sicherheit“) zu entgehen. Einzelheiten sind in § 116a StPO geregelt. Häufig sind zusätzliche Bedingungen Teil der Kautionsvereinbarung (z. B. Meldepflicht, Reiseverbot). Diese Möglichkeit ist in Deutschland aber bei weitem nicht so üblich wie in den USA.

    @Wallace: klickidiklick 😉

  6. Wallace schreibt:

    Nur weil ich nicht zu Allem hier meinen Senf hinterlasse, heisst ja noch lange nicht, dass ich das nicht längst gelesen hätte. Dank CSS entgeht mir hier in der Tat relativ wenig. 😉

  7. sirdoom schreibt:

    Weiß ich doch, aber es war wieder eine Möglichkeit einen backlink einzubauen 😀

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