„Tracking Dots – Zu ihrer eigenen Sicherheit“

Wer keinen eigenen, kleinen Drucker hat, der druckt seine Texte im Copyshop aus. Seien es Arbeiten, Handzettel oder Infoblätter, etc.. Und bei manchen Sachen möchte man vielleicht auch anonym bleiben, um Repressalien zu entgehen. Was die meisten Leute aber nicht wissen ist, dass nahezu jeder Drucker und Kopierer heutzutage ein System eingebaut hat, mit dem sich zurückverfolgen lässt, wer was wann wo gedruckt hat.

Das System nennt sich Machine Identification Code(MIC) oder Tracking Dots und ist ein digitales Wasserzeichen, das auf jeder gedruckten Seite angebracht wird. Der Code soll eine Identifikation des Geräts ermöglichen, mit dem ein bestimmtes Schriftstück erzeugt wurde, und dadurch Hinweise auf den Hersteller des Schriftstücks geben. Ursprünglich wurde das System entwickelt, weil man durch die breite Verfügbarkeit von Farblaserdruckern mit einer Falschgeldwelle gerechnet hat und dies verhindern wollte. Die mit bloßem Auge quasi nicht erkennbaren Markierungen beinhalten verschlüsselte Informationen über Hersteller und Seriennummer des Gerätes, sowie Datum und Uhrzeit des Druckvorgangs. Insgesamt ließen sich bereits in den letzten Druckergenerationen bis zu 64 Byte an Informationen unbemerkt unterbringen. Diese Tatsache wird von fast allen Herstellern absichtlich geheim gehalten – Ausnahme Xerox, die es zumindest im Kleingedruckten erwähnen – weil man natürlich weiß, dass der Kunde sowas garantiert nicht goutiert. Von folgenden Firmen weiß man, dass sie bedingungslos mit US-Behörden – und wahrscheinlich auch allen möglichen anderen Behörden – kooperieren:

Brother, Canon, Casio, Hewlett-Packard, Konica, Minolta, Mita, Ricoh, Sharp und Xerox

Leute die Ahnung von der Materie haben, können durch alternative Firmware und Druckertreiber die Markierungen umgehen*, womit der Schutz vor Falschgeld als Argument eigentlich ausfällt. Womit wir uns dann fragen können, wofür man solch ein System sonst brauchen könnte… Garantiert wegen Terrorismus…

*Hardwareimplementierte Systeme sind natürlich eine andere Sache. Sind allerdings auch teurer in der Herstellung.

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7 Antworten zu „Tracking Dots – Zu ihrer eigenen Sicherheit“

  1. C.F.K. schreibt:

    Wenn ich mir gewisse Aufkleber angucke, mit denen bestimmte Gruppierungen die Laternenpfähle in Rodgau und Offenbach zupflastern, trifft zumindest der Tatbestand „Volksverhetzung“ oder „Störung der öffentlichen Ordnung durch Aufruf zu Straftaten“ auf deren Urheber zu…

  2. sirdoom schreibt:

    Kann man auch da sicher feststellen, wo es herkommt, wenn es Terrorismus oder Falschgeld wäre 😉 Andererseits bin ich ganz froh, dass der Aufwand doch so hoch ist, dass das nur sehr selten gemacht wird.

  3. Wallace schreibt:

    Viele Geräte haben übrigens auch eine Gelderkennung und bauen absichtlich grobe Fehler beim Ausdruck von solchem ein. Hat ein Freund mal gehabt, als er Geld kopieren wollte, um daraus eine Geschenkverpackung zu basteln (er wollte die Verpackung für das echte Geld halt komplett mit falschen Scheinen voll kleben). Wurde aber nichts.

    „Profigeräte“ haben diese Einschränkung übrigens offenbar nicht. Das hat ein anderer Freund, der in der Repro-Branche arbeitet, ausprobiert, nachdem er die obige Geschichte gehört hatte. Und dann saß er da mit dem beidseitigen, farbigen, passend zugeschnittenen und doch ganz schön echt aussehenden falschen 50er… und wurde plötzlich ziemlich nervös. 😀 Er hat das Ding dann verbrannt und sich gefragt, was er sich dabei eigentlich gedacht hat. 😉

  4. sirdoom schreibt:

    Okay, es gibt schon gewisse Unterschiede zwischen Desktop, Office- und Industriedruckern, was diese Sicherheitsmerkmale angeht. Alles auch gerne mal in inkonsequent, was den Anstz auch wieder so unsinnig werden lässt.

    ^^Er hätte das Geld in einen Aktenkoffer tun sollen und der FDP spenden sollen, damit die eine Steuererleichterung für die Druckerbranche machen 😉

  5. Wallace schreibt:

    Könnte sein, dass bei bestimmten Geräten eine Qualität und Einsatzbreite gefordert ist, die sich mit Tracking-Dots oder einer Gelderkennung beißt. Ist jedenfalls meine (lose) Vermutung. Da es von diesen Geräten dann aber deutlich weniger gibt und sie überdies vergleichsweise leichter aufzuspüren sein dürfen (wer hat schon beruflich einen Profidrucker für etliche 1000 Euro ohne Wartungsvertrag oder Ähnliches), kommt man u.U. auch ohne aus – denn das Modell dürfte man auch an Farbe, Druckbild und anderen technischen Details heraus finden können.

    Naja, und wenn wir beispielsweise von richtig organisierten Falschgeld-Herstellern sprechen, dann geht es wohl ohnehin noch mal um einen ganz anderen technischen Aufwand. Da wird sich die Fahndung kaum an einem Laserdrucker aufhalten, schätze ich.

  6. Ben Teddy schreibt:

    Mist! Jetzt muss ich für meinen Erpresserbriefen doch wieder die Buchstaben aus der BLÖD ausschneiden! XD Ein Hoch auf die Technik!

  7. sirdoom schreibt:

    Man kann damit auch Whistleblower enttarnen, die NSA-Dokumente auf ihrem Dienstrechner ausdrucken… o.O -_-

    >>> Verräterische Drucker

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