„3D-Design, Copyright und Warhammer – Vorgeplänkel auf dem nächsten Copyrightschlachtfeld“

Ein lustiger Punkt in der Diskussion – oder meistens auch eher Nichtdiskussion – um Urheberrechte ist der, dass schon wieder über die Vergangenheit geredet wird. Irgendwelche Experten reden stundenlang Unsinn über mp3s, während der große Elefant bereits im Raum steht und von allen ängstlich ignoriert wird, während er mit den Füßen scharrt.

3D-Drucker hören sich zuerst nach Spielzeug an, sind aber bei genauerer Betrachtung der zukünftige Untergang ganzer Industrien. Das Produktionsmonopol liegt nicht mehr bei den Besitzern großer Fabrikanlagen, sondern bei jedem der Strom hat, einen 3D-Drucker besitzt oder Zugriff darauf hat und sich bei Amazon Materials – was Amazon sicherlich bald einführen wird – mit grundlegenden Materialien eingedeckt hat. Alleine der Wegfall der riesigen Gewinne bei der Ersatzteilabzocke dürfte gewaltige Dimensionen annehmen. Bereits seit einiger Zeit hat die Piratebay(ich verlinke mal extra nicht direkt, die Contentmafia wartet ja schon drauf) eine eigene Abteilung für 3D-Design-Pläne. Und dabei handelt es sich meistens um Privatleute und ihr Hobby. Was professionelle Wirtschaftsverbrecher damit anstellen, wenn die 3D-Drucker ausgereifter sind, sollte bei jedem Manager den Angstschweiß ausbrechen lassen. Aber noch köchelt das Thema ja im sogenannten Untergrund, was in der Übersetzung heißt, dass Politiker und Elitemanager in ca. 10 Jahren spontan in Schreikrämpfe und Panik ausbrechen werden.

Dabei ist Games Workshop, der „beliebte“ Hersteller solch wirklich beliebter Franchises wie Warhammer 40k und Warhammer Fantasy schon jetzt an vorderster Front des nächsten Schlachtfelds im Copyrightkrieg. Denn findige Hobbydesigner hatten Panzer und Mechs, die nach Games Workshops Auffassung ihren Figuren zu ähnlich sehen, als 3D-Design zum Download bereit gestellt, woraufhin Games Workshop die Anwälte von der Leine gelassen hat[Link: The Next Digital War – The fight over copying physical objects]. Da kommen noch ganz interessante Zeiten auf uns zu.

Weitere Links:

Geistiges Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker – Ist die Urheberrechtsdebatte nur ein Vorgeschmack?

Cory Doctorow: The coming war on general computation – the copyright war was just the beginning(video cast)

Süddeutsche.de – Und jetzt kommt die 3-D-Druck-Revolution

Sascha Lobo – Gabeln aus dem Drucker

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29 Antworten zu „3D-Design, Copyright und Warhammer – Vorgeplänkel auf dem nächsten Copyrightschlachtfeld“

  1. XDragoon schreibt:

    Die sorgen sich wegen nachgemachter Miniaturen? Bitch, please – die Chinesen raubkopieren schon Dörfer: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/hallstatt-kopie-china-eroeffnet-nachbau-eines-oesterreichischen-dorfs-a-836618.html

  2. sirdoom schreibt:

    Aber dafür haben die Chinesen doch sicherlich Lizenzgebühren bezahlt 😀

  3. Wallace schreibt:

    Das ist übrigens keine Frage der Ausgereiftheit von 3D-Druckern, sondern nur eine des Preises/Aufwandes. Bisher sind die wirklichen Top-Geräte, die man so fertig kaufen kann, für Privatleute einfach noch zu teuer. Als technisch versierter Enthusiast sieht das bereits deutlich anders aus. Gleiches gilt beispielsweise für CNC-Fräsen und diverse andere Geräte. Wenn mehr Leute wüssten was da geht, hätten mehr Leute die Hosen gestrichen voll… davon abgesehen: Wieso denn dann eigentlich noch kopieren? Selber machen ist in vielen Fällen wahrscheinlich sogar einfacher. 😀 Willkommen in der Welt von morgen. In dem Zusammenhang: http://www.youtube.com/watch?v=UBL6kEVSkZ4

  4. Pingback: Lesenswertes 1 | Meine Sicht der Dinge

  5. sirdoom schreibt:

    Die Preise für die Geräte werden zwangsläufig fallen, da führt kein Weg dran vorbei. Ich habe auch den verdacht, dass sich bald eine Lobby zusammen tut und schnell sowas wie „hardware rights management“ erfindet und zwangsweise vorschreibt. Man kann nur hoffen, dass sie untereinander so zerstritten sind und es so lange verschlampen, dass der Zug mal wieder abgefahren ist.

  6. XDragoon schreibt:

    „Aber dafür haben die Chinesen doch sicherlich Lizenzgebühren bezahlt“
    Zieht die GEMA dafür Gebühren ein?

    Vielleicht gibt es dann ja auch Tracking Dots in 3D, damit die Raubmordkopierer auch überführt werden. (Note to self: nur gebrauchte 3D-Drucker kaufen…)

  7. Cunningham schreibt:

    Lizenzgebühren sind unsozialistisch! 😉

  8. Wallace schreibt:

    Und dann geht es Dir mit dem Drucker, wie Bekannten von mir mit ihrer Wohnung…

    Da wohnte vorher ein bekannter Kleinkrimineller und „üblicher Verdächtiger“ der Kieler Polizei. Vertreter dieser klingelten denn auch über Monate die Bekannten regelmäßig mitten in der Nacht aus dem Bett, sobald irgendwo in der Kieler Innenstadt ein Autospiegel abgetreten oder eine Handtasche geklaut worden war. Tagsüber waren sie vermutlich auch oft da, aber da ist man ja zum Glück arbeiten.

    Sehr schön aber, sich um halb drei morgens eine halbe Stunde mit patzigen Polizeikräften zu unterhalten, die einem nicht glauben wollen, dass man mit der Type nur insofern zu tun hat, dass man die Nachmieter ist. Vor Allem, wenn man um halb sechs morgens aufstehen und zur oben erwähnten Arbeit gehen muss.

    Auch die diversen Anrufe und zwei persönliche Besuche in der Hauptwache, in denen man versucht hat diese regelmäßigen Besuche abzustellen, waren vergebens. Ebenso der große Zettel an der Tür, auf dem die Situation erklärt und die, immer gleichen, Fragen beantwortet wurden.

    Fazit: ICH kaufe ganz sicher nie einen gebrauchten Drucker. 😀

  9. sirdoom schreibt:

    ^^Autsch! Aber muss man positiv sehen. Denn da könnten ja noch ganz andere Sachen abgehen! Stell dir vor, eines Tages ist der Chinesische Geheimdienst vor Ort und will sich „nett“ mit dir „unterhalten“, weil du den Sprengstoff und die Knarren für die Aufständler hergestellt haben musst, ist ja schließlich dein 3D-Drucker!

  10. sirdoom schreibt:

    Die New Yorks Times schreibt was zu „digitaler Piraterie„, die schon jetzt zu „physischer Piraterie“ mit 3D-Druckern übergeht. Internet Pirates Will Always Win

  11. sirdoom schreibt:

    Und wieder so eine offene Frage: Das Wiki Weapon Project wollte Handfeuerwaffen im 3D-Drucker erstellen, aber die Firma von der man den Drucker gemietet hatte, hat den sofort wieder einkassiert. Bevor wer auf die Idee kommt nicht durch Metalldetektoren auffindbare Kompositknarren zu drucken… [Link]

  12. sirdoom schreibt:

    US-Patent für DRM bei 3D-Druckern[Link]

  13. sirdoom schreibt:

    Deutschlandradio Artikel und Linkliste: Die nächste industrielle Revolution?

  14. sirdoom schreibt:

    Zwischen Euphorie und Angst – 3D-Druck boomt – aber Patente könnten die Nutzbarkeit der Technologie bremsen

  15. Pingback: “Fieberglasträume – Die drei Tage des Hiob” |

  16. sirdoom schreibt:

    Nächster Schritt zu Feuerwaffen aus dem 3D-Drucker: Die Pistole aus dem 3-D-Drucker schießt

  17. sirdoom schreibt:

    Bei Autos aus dem 3D-Drucker ist man sogar etwas weiter: 3D printed car is strong as steel, half the weight and nearing production

  18. sirdoom schreibt:

    Januar 2014 – „Marktforschern“ fällt auf: 3D-Druck birgt große Urheberrechts-Probleme

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