„Worauf wir uns verlassen können!“

Der LIBOR (London Interbank Offered Rate) ist der täglich festgelegte Referenzzinssatz für Geschäfte zwischen Banken. Der EURIBOR (Euro InterBank Offered Rate) ist der Zinssatz für die kurzfristigeren Termingelder zwischen den Banken. Dieser Interbankenhandel ist durchaus risikoreich, da der andere Bankpartner der Transaktion schlimmstenfalls nicht mehr seine Verpflichtungen aus dem Interbankengeschäft erfüllen kann, weil er pleite ist. Womit das ganze System von einer Kettenreaktion bedroht ist.

Auf den ersten Blick ist diese Gefahr nicht so groß, wenn aber in spekulativer Absicht größere Milliardensummen und Wetten darauf im Interbankenhandel herum geschoben werden, dann kann es ganz schnell mal explodieren. Nach dieser sehr vereinfachten und immer noch langen Einführung kommen wir zu einer kleinen Information, die das System in ein noch wesentlicher schlechteres und potentiell schlimmeres Licht rückt. Seit Jahren wird vermutet, dass diverse Großbanken beide Referenzzinssätze manipulieren, um damit ihre eigenen Geschäfte zu fördern, was das Risiko eines Zusammenbruchs ungemein erhöhen würde. Nach den ersten Schockwellen der immer noch anhaltenden Finanzkrise, die übrigens eine Große darstellt und nicht unabhängig zu betrachten ist, haben einige Regulierungsorgane sich der Sache dann doch mal angenommen und sind zu vollkommen überraschenden Ergebnissen gekommen, als sie die üblichen Verdächtigen (Bank of America, JP Morgan, Bank of Tokyo-Mitsubishi, Lloyds TSB, Barclays, Norinchukin Citibank, Rabobank, Credit Suisse Royal, Bank of Canada, Deutsche Bank, RBS, HBOS, UBS, HSBC, West LB, usw.) unter die Lupe genommen haben. Sämtliche Vorwürfe sind mit ziemlicher Sicherheit vollkommen zutreffend. Als erstes hat es jetzt Barclays erwischt, die sämtliche Vorwürfe zugeben mussten. Quelle und mehr Hintergrund hier.

Das witzige daran: Ratet mal wer die dadurch entstandenen Kosten tragen durfte. Und ratet mal wer die Strafzahlungen, die den Banken jetzt aufgedrückt werden, am Ende zahlen wird. Angeklagt wurde natürlich niemand für diesen verantwortungslosen Akt des Finanzterrorismus.

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10 Antworten zu „Worauf wir uns verlassen können!“

  1. nick999999 schreibt:

    Der Steuerzahler wird dafür wieder Zahlen dürfen. Die Banken zocken nur noch ab und sollten wieder dazu übergehen, höhere Zinsen auf Sparguthaben zu geben. dann könnten sie es sich leisten Kredite zu tilgen.

    Aber nein, es muss alles auf Schulden finanziert werden, damit der Zusammenbruch nur noch schneller herbeigeführt wird.

  2. sirdoom schreibt:

    Nur um das Detail herhorzuheben: Die haben schon dafür bezahlt, jetzt bezahlen sie wieder, 2mal… 😉 Als Bankenlobbyist würde ich eine Gehaltserhöhung und fett Boni fordern!

  3. Joachim schreibt:

    Ich bin eigentlich ein friedlicher, im wesentlichen gewaltfreier Mensch (noch mit echter Gewissensprüfung!). Aber ich glaube wirklich, dass hier nur noch ein kontrollierter Hegeabschuss helfen kann-aber anders als der Waidmann, der aus dem Rudel das schwächste Stück schießt, müsste man aus diesem kriminellen Sauhaufen die stärksten Böcke abknallen!

  4. Gondrino schreibt:

    Es sind nicht die Personen, es ist das System…

  5. Cunningham schreibt:

    Aber es sind jene Personen, die Dir im Weg sind, solltest Du versuchen das System zu verändern…

  6. sirdoom schreibt:

    Natürlich, denn die werden das System bis zum letzten verteidigen, weil es sie begünstigt und ernährt. Ob Kommunismus oder Kapitalismus, das bleibt immer gleich 😉

  7. sirdoom schreibt:

    Mal schauen was der Ex-Barclay-Chef Bob Diamond – ich glaube immer noch nicht, dass der wirklich so heißt! – vor dem Unterhaus dazu sagt[Link]

    Update: Ist wohl vorher „rausgekauft“ worden. Präsentiert sich als Aufklärer und Opfer: „Die Abgeordneten wollten ihren Ohren nicht trauen: Der Ex-Chef hatte aus seiner Sicht also nicht die Verantwortung für Managementfehler übernommen, sondern sich zum Wohle seiner Firma geopfert.“ [Link]

  8. Pingback: “Rubikon Towers” |

  9. sirdoom schreibt:

    Update: Allein im Jahr 2008 brachte die Spekulation mit dem Referenzzinssatz Libor der Deutschen Bank eine halbe Milliarde Euro ein. [Link]

  10. Pingback: “Keine Anhaltspunkte für systematische Kriminalität” |

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