„Wahnsinn im Sommerloch“

Warnung: Kann Spuren von Polemik und Angepisstheit enthalten!

Eigentlich haben wir ja Sommerloch, aber dieses Jahr ist es offensichtlicher als sonst, dass genug Exkremente durch den Ventilator fliegen, die sich alle als riesiger Skandal eignen würden, die aber entweder einfach ausgeblendet werden oder im allgemeinen Scheiße-Meer untergehen. Während das Tafelsilber Deutschlands in die Taschen der europäische Großbanken fließt und die US-Banken jubeln, da sie so auch noch jede Menge Gift-Papiere loswerden, wollen wir uns einfach nur auf Meldungen von und um den 04.07.2012, also heute konzentrieren. Ich hoffe alle haben den Kotzeimer neben sich stehen und eine Vorratspackung Renny-räumt-den-Magen-auf griffbereit.

Der hinter verschlossenen Türen von Lobbyisten zusammengeschusterte Albtraum ACTA wurde heute im EU-Parlament vorerst kaltgestellt. Einige jubeln von einem Sieg der Transparenz und Offenheit. Wenn man genauer hinschaut, sieht es ganz anders aus. Die Nachfolger mit noch abstruseren Forderungen sind schon unterwegs und einer der Chefunterhändler von ACTA, Karel de Gucht, hat schon klar gestellt, dass für die Ablehnung nur ein „Wahrnehmungsproblem“ verantwortlich sei und man ACTA, vielleicht auch unter anderem Namen wieder einbringen werden. Wird halt so lange abgestimmt, bis das Ergebnis genehm ist[Moneyquote: Falls sie sich für eine negatives Votum entscheiden, lassen Sie mich Ihnen sagen, dass die Kommission auch weiterhin das derzeitige Verfahren vor dem Gericht verfolgen wird. Ein negatives Votum wird das Verfahren vor dem Gerichtshof nicht beenden. […]. Ich erwarte, dass das Gericht befindet, dass ACTA in vollem Einklang mit den Verträgen ist. In diesem Fall werden wir […] einen zweiten Antrag auf Genehmigung an das Europäische Parlament stellen. Ob das Parlament das in dieser oder nächster Wahlperiode betrachten wird, liegt an Ihnen.]. Währenddessen gibt Cecilia „Censilia“ Malmström, die europäische Ausgabe von Zensursula, ein Interview bei dem ganz spannende Sachen rauskommen. Ja, Vorratsdatenspeicherung ist Müll und wird missbraucht. Wir arbeiten schon an einer Reform, verklagen aber trotzdem Deutschland, weil sie den offensichtlichen und auch von uns anerkannten Müll nicht umgesetzt haben. Wir mögen keinen Widerspruch! In England ist man übrigens schon einen Schritt weiter und bei einer gründlichen Vorabzensur von allem angelangt, was arme kleine Kinder verstören könnte. Weswegen Magersucht, Sex, Gewalt, Mobbing und soziale Netzwerke so gut wie möglich ausgeblendet werden. Die Zensurinfrastruktur steht ja schon[Link].

In Deutschland ist der NSU-Untersuchungsausschuss damit beschäftigt sich von den nationalen Geheimdiensten verarschen zu lassen. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik durften Bundestagsabgeordnete ungeschwärzte Akten des Verfassungsschutzes einsehen – inklusive der Klarnamen so genannter V-Leute. Alleine das „erstmals“ in Zusammenhang mit „durften“ ist schon echt harter Tobak. In der Berliner Außenstelle des Inlandsgeheimdienst wälzten die Obleute des Untersuchungsausschusses insgesamt 45 Aktenordner zur rechtsextremen Organisation „Thüringer Heimatschutz“ und zur „Operation Rennsteig„. Fazit: Die drei NSU-Terroristen waren wohl nicht als V-Leute für den Geheimdienst tätig. Das muss man sich mal vorstellen. Da shreddern der Verfassungsschutz munter Akten und nachdem man aufgeräumt hat, darf der Untersuchungsausschuss feststellen, dass man jetzt nichts mehr finden konnte, was auf eine Zusammenarbeit hindeutet! Woher die NSUler wohl dann die sauberen Pässe bekommen habe…

Vor kurzem hat ein deutsches Gericht bestätigt, das religiöse Beschneidungen sich dem Recht auf körperliche Unversehrtheit unterordnen müssen[Link]. Natürlich sind alle Interessenverbände derjenigen die an „Geister“ glauben sofort in die Luft gegangen. Der Koordinationsrat der Muslime und anderer muslimischer Organisationen in Deutschland veröffentlichte heute eine Erklärung, in der er den Bundestag zum Handeln aufrief. In der Erklärung forderte der Rat die Politik auf, „eine gesetzlich geschützte Regelung für die Beschneidung von Jungen zu erlassen„[Link]. Lest den Satz einfach ein paar hintereinander laut vor…

Währenddessen sind die rechtsnationalen Querelen der deutschen Burschenschaftler vor Gericht gelandet und bietet Anlass für eine lustige Schlammschlacht um Blut, Ehre und Vaterland[Link]. Auch Online. Genauer gesagt WELT Online. Da finden sich nämlich wieder die besten Perlen. „Natürlich sind die Burschenschaften national und leider haben wir heute zu wenig Menschen, die NATIONAL denken“ ist schon echt gut, schließlich war unter den Nazis alles besser. Außer für Juden, Homosexuelle, Linke, Menschenrechtler, Intellektuelle, Kranke, Behinderte, … Aber warum bei sowas stehenbleiben, es geht doch mit „Nazis sind Patrioten. Linke hingegen hassen Deutschland und das Deutsche Volk!“ Jeder aufrechte Patriot, der für Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit statt für Dummheit, Blut(Rasse) und Vaterland steht, greift da gedanklich schon mal Richtung Waffenschrank.

The fact that a believer is happier than a skeptic is no more to the point than the fact that a drunken man is happier than a sober one.George Bernard Shaw

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7 Antworten zu „Wahnsinn im Sommerloch“

  1. Cunningham schreibt:

    Jeder aufrechte Patriot, der für Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit statt für Dummheit, Blut(Rasse) und Vaterland steht, greift da gedanklich schon mal Richtung Waffenschrank. <— Nur gut, dass gerade eben jene Leute es sind die gar keinen Waffenschrank haben, gel 😉

  2. sirdoom schreibt:

    Meistens ehr nicht, deswegen auch „gedanklich„. Aber ich spüre eine allgemeine Aufrüstungsmentalität und Zunahme von Kofferkäufen

  3. Cunningham schreibt:

    Wär’s doch nur so…

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