„Hier gibt es keine Zensur“

Zensur  oder auch Informationskontrolle ist ein Verfahren, bei dem unerwünschte Inhalte und Informationsübermittlungen kontrolliert und unterdrückt werden. Was „unerwünscht“ ist, liegt im Auge desjenigen, der die moralische oder staatliche Gewalt inne hat. Gerne werden „moralische“ Gründe oder der Jugendschutz herangezogen, um Inhalte zu zensieren, die sich ansonsten nicht unterdrücken lassen, da eine Zensur hier von der Bevölkerung und auch den eigenen Institutionen als unangemessen wahrgenommen wird. Insbesondere totalitäre Staaten, wie z.B. China oder der Iran, wenden die  Zensur an, um ihre Staatssysteme unter Kontrolle zu halten.

Aktuell plant Russland die Einführung neuer, verschärfter Richtlinien zur Zensur des Internets. Auch hier ist die offizielle Begründung: Jugendschutz[Link]. Deutsche  und europäische Medien berichten zwar über diesen neuen Zensurversuch, begehen dabei aber einen Kardinalfehler.  Sie tun so, als ob es Zensur nur im bösen Ausland gäbe. Dabei hat gerade Deutschland eine lange Geschichte der Zensur und eine restriktive Auslegung sogenannter Jugendschutzgesetze, die hauptsächlich darauf hinauslaufen, die erwachsene Bevölkerung zu behindern und zu bevormunden. In Deutschland hat man ekeligerweise, unter dem Vorwand Terrorismus und Kindesmissbrauchsdarstellungen verhindern zu wollen, versucht Netzsperren einzuführen. In Großbritannien kann mit geheimen Super-injunctions die Berichterstattung über jedes Verbrechen verhindert werden und es wird sogar die Berichterstattung über die Super-injunction verboten. Die Frage bleibt also: Warum ist das eine Zensur und das andere nicht? Antwort: Weil die anderen die anderen sind und natürlich in unserer freien Welt sowas nie passieren würde. Und was wir machen, ist natürlich wenn eh was ganz anderes und total gerechtfertigt. Es sind immer dieselben Personen, Verhaltensweisen und Argumente, die direkt in die Diktatur führen.

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Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, Netzwelt, verbale Diarrhoe abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu „Hier gibt es keine Zensur“

  1. Heiko schreibt:

    In diesem Zuasammenhang zumindest ein bißchen, ähm zusammenhängend:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/einstweilige-verfuegung-vatikan-gegen-titanic-1-0-11817273.html

    „Eine Zensur findet nicht statt“ my ass…

  2. sirdoom schreibt:

    Der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Goppel, Sprecher der christsozialen Katholiken, sagte, man dürfe mit einem Menschen, und erst Recht mit dem Papst, so nicht umgehen. Er würde Leo Fischer „die Lizenz zum Schreiben entziehen“.

    Es fallen immer dieselben Leute beim Thema Berufsverbote auf…

    Wobei ein Jurist wahrscheinlich auf die Nuancen von Vor- und Nachzensur eingehen würde. So richtig böse Zensur ist es nur, wenn es von vornherein stattfindet. Aber selbst die Konstruktion wird ja gerne aufgeweicht.

  3. Cunningham schreibt:

    Wenn wir jetzt mal rein von der spirituellen Ebene da ran gehen, hat Thomas Goppel erstmal recht, so darf man mit dem Papst nicht umgehen.
    Aber auf der gleichen Ebene ist dann die Kirche gefordert dem Mindestmaß an moralischen und ethischen Grundsätzen, die sie angeblich selbst vertritt zu genügen, was häufig genug nicht der Fall war und ist.

    Ein hier nicht ganz unbekannter Mitleser sagte mal:
    „Der Papst ist einer der ganz wenigen Mensche, der durch sein bloßes Wort die Welt verbessern könnte und das tut er leider nicht.“

  4. sirdoom schreibt:

    Auch hier: Keine Zensur. Also nur zu guten Zwecken. Diese guten Zwecke werden dann ausgedehnt. Wo finden die eigentlich immer die ganzen Politikerinnen, die sich gerade auf diesem Gebiet immer so faschistoid hervortun? Und warum fällt im Zusammenhang immer das Wort „Gender“…???

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